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Drei
Farben: Super
Das Hickhack um
die Ikone Superman
Das Rot und das Blau der US-Flagge
– die Farben kleben an ihm. Nur das Gelb hinter dem „S“ auf der Brust zeugt
vielleicht von einem Quäntchen Unabhängigkeit. In „Superman Returns“
ist das Kostüm des All
American Hero
wie gehabt, fast unverändert seit seinem Comicdebüt anno 1938. Warum
eigentlich? Weil man eine Ikone nicht umfärbt? Kann aber auch sein, dass
der „Stählerne“ selbst eine Art Super-Modemuffel ist, der sich kaum ums
Outfit schert – ebenso wenig, wie er sich im pausenlosen Weltrettungseinsatz
allzu viele Gedanken über Patriotismus oder Erotik machen kann. Seinen
Kopf hat sich stattdessen die amerikanische Öffentlichkeit zerbrochen,
schon bevor das neue Leinwandabenteuer zu sehen war. Die merkwürdigen Debatten
kreisen um Fragen der sexuellen und politischen Ausrichtung des Einwanderers
vom Planeten Krypton. Schielt der Muskelmann mit heimlichen Röntgenblicken
nach dem männlichen Geschlecht? Und: wie patriotisch kann so ein Held sein,
der keine US-Flagge mehr vor sich her trägt wie 1980 noch Christopher Reeve
in „Superman II“? Eine dritte Frage ergibt sich fast von selbst: Wie eigenwillig
und schillernd, egal ob homo-, hetero-, metrosexuell, ob Republikaner oder Demokrat,
darf so ein Blockbuster-Überflieger eigentlich sein? Geschätzte Antwort:
Gar nicht. Sonst bleibt ein Teil der Klientel den Kinos fern. Vielleicht aus
Angst vor einem mauen Einspielergebnis hat sich der (bekennend
schwule) Superman-Regisseur Bryan Singer mit der Replik auf gewisse Gerüchte
beeilt: Superman sei der heterosexuellste Charakter, den er je in einem Film
habe auftreten lassen.
Zweierlei ist bemerkenswert speziell
an der Supergay-Affäre: Erstens echauffieren sich die Diskutanten über
eine Phantasiefigur, als gelte es, die Clinton-Lewinsky-Affäre noch einmal
zu durchleiden, virtuell und unter umgekehrten Vorzeichen. Zweitens hat der
Urheber der Debatte keineswegs behauptet, dass der von Brandon Routh gespielte
Superman neuerdings homosexuell sei. Der US-Publizist Alonso Duralde hatte in
der Mai-Ausgabe des Schwulenmagazins „Advocate“ lediglich zu
bedenken gegeben, dass der attraktive, aber kaum je sexuell aktive Comic-Held
aufgrund seines Doppellebens als graumäusiger Clark Kent einerseits und
rot-blaues Wunder andererseits eine dankbare Projektionsfläche für
schwule, ungeoutete Jugendliche abgebe. Aus populärwissenschaftlicher Sicht
ist die Erkenntnis übrigens ein alter Hut – und passt zudem auch viel besser
auf Batman und seinen Freund Robin, die ein US-Psychiater schon 1954 als „Wunschtraum
vom Zusammenleben zweier Homosexueller“ bezeichnete.
Inzwischen haben sich die Wogen
geglättet. Seit dem Kinostart von „Superman Returns“ Ende Juni können
sich die amerikanischen Kinobesucher von der Heterosexualität ihres Idols
überzeugen. Nur kommt es jetzt ganz dick: Supermans Nationalheldenstatus
wackelt! Konservative Gemüter regen sich darüber auf, dass Superman
nicht mehr für „Truth, Justice and the American Way of Life“ ausschwärmt.
Aus „Amerikanischer Lebensart“ ist „der ganze Kram“ geworden, eine Retusche
der Drehbuchautoren, die das amerikakritische Ausland nicht verprellen wollen.
Wie verträgt die Ikone das? Muss Superman im nächsten Teil ins Exil
gehen? Etwa ins Alte Europa? Nicht bloß als billiger Produktionsstandort,
auch rein farblich bietet sich Rumänien an: in der Flagge sind Blau, Rot
und Gelb drin.
Jens Hinrichsen
Dieser Text ist zuerst erschienen in: film-dienst 16/2006
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