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Alexis Sorbas
"Did you ever see a more splendiferous crash?"
Alles ist beisammen - das Leben
und der Tod, die Freundschaft und der Hass, die Liebe und der Neid, das Heitere
und das Tragische, die Lüge und die Wahrheit, die Einbildung, die Selbsttäuschung,
die Grausamkeit und die Gastfreundschaft, das Leichte und das Beklemmende. Eng
schmiegt sich das eine an das andere. Das Archaische trifft auf das Zivilisierte,
das Urwüchsige auf das Genormte.
Ein erfolgloser Schriftsteller
namens Basil (Alan Bates) wartet in strömendem Regen auf das Schiff nach
Kreta. Der Sturm ist so heftig, dass das Schiff zunächst nicht ablegen
kann. Ein Grieche spricht ihn an, einer jener Männer, denen die Lebenslust,
das Abenteuerliche und das Urwüchsige ins Gesicht geschrieben steht. Zorba,
der Grieche, ganz Anthony Quinn, oder zumindest überwiegend. Zorba, der
Lebenskünstler, will, dass Basil ihn mit nimmt nach Kreta. Basil erzählt,
dass der Gedichte und Essays schreibt. Zorba weiß nicht, was Essays sind.
Aber er antwortet Basil, dass er keinen Beruf habe. Er habe Augen, Hände,
Beine und einen Mund, wozu brauche er da einen Beruf.
Das Gebildete und Verbildete trifft
auf das Ungebildete und Unverbildete.
Basil hat schon lange nichts mehr
geschrieben; er steckt in irgendeiner dieser Krisen, die für die zivilisierte
Welt so typisch zu sein scheinen. Auf Kreta will er eine stillgelegte Mine wieder
in Gang bringen. Und Zorba, der schon alles mögliche gearbeitet hat,
will ihm helfen, die Sache in die Hand nehmen. Wie werden beide begrüßt!
Mit Freundlichkeit und Heiterkeit, ein regelrechter Auflauf für die Gäste!
Sie kommen unter in einer Art Hotel bei Madame Hortense (Lila Kedrova), einer
ältlichen Dame, die in der Vergangenheit lebt, von vier Generälen
erzählt, die sie geliebt habe, die aber alle aus ihrem Leben verschwunden
seien. Basil lacht über sie und erntet dafür den Zorn Zorbas, der
Hortense umgarnt - aber nicht, weil er sie liebt, sondern weil er alle Frauen
liebt, fast alle.
"Leben heißt, den
Gürtel
festschnallen und ausschauen
nach Schwierigkeiten",
antwortet Zorba Basil, der schon
aufgeben will, als die ersten Probleme sichtbar werden, die Mine, die an einem
steilen Berg liegt, wieder in Betrieb zu nehmen. Und Zorba meint, die schöne
Witwe (Irene Papas), hinter der alle Männer des Dorfes her sind, habe ein
Auge auf Basil geworfen, als der ihr in der Kneipe hilft, als die Männer
sie ärgern und ihre Ziege verstecken, und er, Basil, solle zu ihr gehen.
Aber Basil wagt dies nicht. Noch nicht.
Zorba besorgt Holz, bei den Mönchen,
denen der Wald oberhalb der Mine gehört. "Der Wald gehört den
Mönchen, und die Mönche gehören Gott, und Gott gehört allen
Menschen." Zorba will die Mine mit Baumstämmen abstützen und
eine Art Drahtseilbahn bauen, um die Braunkohle aus der Mine ans Wasser zu transportieren.
Er fährt in die Stadt, um alles andere zu besorgen, und amüsiert sich
mit Animiermädchen, trinkt, während Basil dann doch den Weg zu der
schönen Witwe findet, eine Nacht mit ihr verbringt - einen Tag bevor die
Männer des Dorfes sie mit Steinen bewerfen und einer ihr die Kehle durchschneidet.
Und auch Hortense, die Zorba liebt,
stirbt, nachdem beide zum Schein geheiratet haben, weil Zorba Mitleid mit Hortense
hat.
"Was können all diese
Bücher mir
sagen, warum ein Mensch so
früh
sterben muss,"
fragt er Basil.
"Sie stellen diese Fragen,"
antwortet Basil.
"Ich spucke auf Deine
Bücher!"
"Zorba, the Greek" ist
ein Film über das Scheitern und den Erfolg. Und in den beiden Hauptfiguren
Zorba und Basil kommen die unterschiedlichen Lebensentwürfe und -praktiken
zum Vorschein, die unterschiedlichen Kulturen verhaftet sind. In dem Dorf in
Kreta herrschen Regeln, die Basil nicht verstehen kann, die uns allen zu schaffen
machen. Eine Frau wird getötet, weil sie alle Umwerbungsversuche der Männer
aus dem Ort über Jahre zurückgewiesen hat, weil sie sogar verantwortlich
gemacht wird für den Selbstmord eines jungen Mannes, weil sie sich außerhalb
der Regeln stellt. Und Zorba? Er nimmt es hin, wie er alles hinnimmt. Das Archaische
bestimmt auch sein Denken und Empfinden. Und trotzdem weigert sich etwas in
ihm zu kapitulieren vor dem Tod. Er akzeptiert den Tod und er akzeptiert das
Scheitern, in dem er noch einen Erfolg ausmachen kann, und nur so kann er leben.
Als die Drahtseilbahn am Schluss
zusammenbricht, sagt er zu Basil: "Hast Du jemals erlebt, wie etwas so
schön zusammen kracht?" und lacht und bringt Basil, der das Land wieder
verlassen wird, den Sirtaki (1) bei. Und Basil hat gelernt, nicht nur den Sirtaki,
sondern auch, dass seine eigenen, oft eingeengten Prinzipien dem Leben nicht
standhalten können. Ohne Zorba hätte er in Kreta nicht lange überlebt.
Die Freudlosigkeit seines Lebens verwandelt sich in einer realistischeren Perspektive,
die nicht leicht zu ertragen ist, mit der sich jedoch besser leben lässt.
Der Blick Kazantzakis und Cacoyannis
ist geprägt von Liebe, aber auch von Verzweiflung. Der Mord an der Witwe,
der sicherlich ungesühnt bleiben wird, ist die eine Schattenseite der Geschichte.
Die andere der Tod einer Frau, Madame Hortense, deren Scheitern in ihrem Leben
in der Vergangenheit zu finden ist. Und weder Zorba, noch Basil können
daran etwas ändern. Sie sind nur Zeugen, keine Handelnden in diesem "Spiel",
dessen Regeln von anderen bestimmt wird.
So eng ist hier alles beisammen.
Und Anthony Quinn spielt diesen Zorba, als wenn er sich selbst spielen würde
- mit einer Ausnahme. Er konnte nicht tanzen und so zeigte man beim Tanzen nur
seinen Oberkörper, während die Füße von einem Double stammen.
Cacoyannis konnte mit "Zorba the Greek" die Atmosphäre des berühmten
Romans Kazantzakis, auf dem der Film basiert, glänzend wiedergeben. Gelungen
ist das mit einem Kazantzakis-Roman eigentlich nur einem weiteren Regisseur:
Martin Scorsese mit "Die letzte Versuchung Christi."
Und last but not least: Es sind
die wunderschöne Irene Papas und die Musik Mikis Theodorakis, die aus diesem
Film nicht wegzudenken sind, die dem Film ein Flair geben, das unübertroffen
ist.
•
D V D •
DVD
9 Region 2, PAL
16:9,
1,85:1
Sprachen:
Englisch 2.0 (Stereo), Deutsch 2.0 Mono, Spanisch
Untertitel:
Englisch, Deutsch, Spanisch, Dänisch, Finnisch, Schwedisch, Norwegisch,
Türkisch
Auch
dieser Film erschien in der Reihe "Große Filmklassiker" der
20th Century Fox auf DVD in einer technisch einwandfrei überarbeiteten
Fassung. Zudem enthält die DVD - neben einem vierseitigen Booklet mit weiteren
Informationen zum Film - eine 45 Minuten lange Dokumentation zu Anthony Quinn:
über seine Kindheit, seinen Weg zum Film, sein Privatleben usw. - eine
äußerst interessante Dokumentation.
Weitere
Informationen unter:
http://www.fox-grosse-klassiker.de
Wertung Film: 10 von 10 Punkten.
Prädikat: Besonders wertvoll.
Wertung DVD: 10 von 10 Punkten.
Ulrich Behrens
Dieser
Text ist zuerst erschienen in:
(1) In Wikipedia findet sich folgende Anmerkung zum Sirtaki:
"Hartnäckig hält sich die Legende, dass
der Ursprung des Sirtaki ein ,uralter griechischer
Volkstanz' sei, von dem es unzählige Variationen gebe und der international
berühmt wurde erst durch den Hollywoodfilm Alexis Sorbas mit Anthony Quinn.
Tatsächlich wurde der Sirtaki 1964 zur Filmmusik
von Mikis Theodorakis für den Film nach dem Roman von Nikos Kazantzakis
erstmalig choreographiert, um angeblich dem wenig tänzerisch begabten Quinn
die Darstellung zu erleichtern. Jedoch erhielt der Sirtaki seinen Namen vom
Volkstanz Sirtos, eigentlich sirtos choros [...], was der ,geschliffene oder
geschleppte Tanz' bedeutet und eigentlich im Gegensatz zum ,gesprungenen Tanz'
dem pidiktos choros [...] steht; die Choreographie des neuen Tanzes lehnte sich
mit zunächst langsamen Schritten an den konstantinopolitanischen Chasapiko
(,Tanz der Schlachter aus Konstantinopel') an und geht zum Ende in die schnellere
Schrittfolge des Chasaposervikos ("sérvikos = serbischer = schnell;
daher schneller Chassapikos') über."
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sirtaki
Alexis Sorbas
(Zorba the Greek)
USA; Großbritannien, Griechenland 1964, 142 Minuten (DVD:
136 Minuten)
Regie: Michael Cacoyannis
Drehbuch: Michael Cacoyannis, nach dem Roman von Nikos Kazantzakis
Musik: Mikis Theodorakis
Kamera: Walter Lassally
Schnitt: Michael Cacoyannis
Darsteller: Anthony Quinn (Alexis Zorba), Alan Bates (Basil),
Irene Papas (Witwe), Lila Kedrova (Madame Hortense), Sotoris Moustakas (Mimithos),
Anna Kyriakou (Soul), Eleni Anousaki (Lola), George Foundas (Mavrandoni)
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