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Alien
Ein Klassiker des Science-Fiction-Horrors. H.R.
Gigers legendäres Wesen frißt sich durch eine Raumschiffcrew.
Auf dem Heimweg zur Erde hält
der Raumfrachter Nostromo bei einem noch nicht untersuchten Planeten, weil er
ein Funksignal von dort aufgefangen hat. Commander Dallas (Tom Skerrit) stellt
einen Landungstrupp zusammen. Bei der Untersuchung der Planetenoberfläche
entdeckt der Astronaut Kane (John Hurt) eine Höhle voller fremdartiger
Eier. Bei einer näheren Betrachtung springt ein fremdartiges Wesen aus
einem hervor und saugt sich an seinem Gesicht fest. Die in Dallas’ Abwesenheit
befehlshabende Offizierin Ripley (Sigourney Weaver) will den Landungstrupp wegen
der Quarantänegesetze nicht ins Raumschiff zurücklassen, doch Wissenschaftsoffizier
Ash (Ian Holm) ignoriert ihren Befehl, um Kane zu retten. Damit jedoch gelangt
eine außerirdische Kreatur an Bord, deren Gefährlichkeit nicht im
geringsten abzuschätzen ist: nach einigen Transformationen hat es die
Crew der Nostromo mit einem schier unbesiegbaren Wesen zu tun - und mit einem
unerwarteten Feind aus den eigenen Reihen.
Kritik
Bis heute hat die Szene kaum von
ihrem Schrecken verloren (es sein denn, man hat zu oft Spaceballs gesehen): John Hurt, aus dem Koma erwacht, schaufelt eben noch
Essen in sich hinein, da wird er von krampfartigen Zuckungen befallen. Der Rest
der Crew will ihn bändigen, da bricht ein schlangenartiges Wesen aus seiner
Brust hervor. Es ist der Schlüsselmoment des Films, der ihn radikal in
zwei Hälften teilt.
Bis dahin hat Alien nämlich vor allem daran
gearbeitet, eine Atmosphäre geradezu schlafwandlerischer Kommunikationsunfähigkeit
zu etablieren. Schon die Eröffnungsszenen interessieren sich wesentlich
mehr fürs Raumschiff als für die Menschen an Bord. Elaborierte Kamerafahrten
tasten klaustrophobische Gänge ab, bevor die Schlafkammer erreicht wird.
Dort wird die Besatzung gerade wegen des Funkspruchs aus dem Tiefschlaf geweckt,
doch für die längste Zeit werden sich die Protagonisten nicht so verhalten,
als wären sie ausgeruht. Somnabule Bewegungen, minimaler Dialog und nur
kurze Schübe von überdrehter Erregung angesichts der fremdartigen
Lebensform dominieren hier. Obwohl Alien wie alle Filme der Serie (außer dem dritten) eine hochkarätige Besetzung
aufweist, sind die Schauspieler in gewissem Sinne nur wegen ihrer körperlichen
Präsenz da (und für jeden Part ausgezeichnet gewählt): hier gibt
es keine psychologischen Tiefen (und folgerichtig bleiben die Reaktionen der
Crew aufeinander immer ein wenig unklar: nur ihr Kampf gegen das außerirdische
Wesen folgt einer geradlinigen Entwicklung). Abgesehen von ein paar Momenten
mit Yaphet Kotto und Harry Dean Stanton, die als Techniker an Bord auch die
einzigen Scherze beitragen, herrscht hier eine Atmosphäre kalter Entfremdung
und ständigen Schlafmangels, die erst den Unterbau für die effektive
zweite Hälfte legt, in der die Besatzung gegen das ausgewachsene Alien
antritt.
Und das ist natürlich auch
ein Grund, warum Alien Klassikerstatus im Horrorgenre
besitzt: der Entwurf des Schweizer Künstlers H.R. Giger besticht durch
Originalität. Nie zuvor war etwas ähnliches auf die Leinwand gekrochen:
schon die frühen Entwicklungsstadien des Aliens sehen unbehaglich genug
aus, doch die endgültige Inkarnation diese Wesens sucht seinesgleichen
- mannshoch, schier unzerstörbar (und mit Säure statt Blut im Körper),
reptilienartige Bewegung und ein Gebiß im Gebiß; dieser Lebensform
möchte man im Dunkeln lieber nicht begegnen. Genau davon lebt allerdings
der zweite Teil des Films, der zwar bei weitem nicht so originell ist wie der
erste (und ein paar entbehrliche "Buh"-Momente enthält), allerdings
mit sicherem Sinn für Effekte inszeniert ist (etwa, indem er Spannungssteigerung
dadurch betreibt, indem er überraschend wenig vom Monster zeigt).
Tatsächlich muß man
sich nämlich hin und wieder fragen, ob dieser Film nicht wie viele seines
Regisseurs nur ein Vorwand ist, um Stil als Substanz zu verkaufen: aber hier
werden die Spuren so geschickt wieder verwischt, nachdem sie gelegt worden sind,
daß einem das schon Bewunderung abnötigt. Raumschiff und Beiboot
heißen nach Romanen von Joseph Conrad (dessen Duellisten Ridley Scott unmittelbar zuvor verfilmt hatte), der Computer
des Schiffs heißt Mother und die Besatzung ist unterwegs im Namen einer
mysteriösen Company, auf die nie genauer eingegangen wird und die doch
geradezu allmächtige Präsenz zu haben scheint (ein Fest für Verschwörungstheoretiker).
Die Figuren, wären sie nicht so wortkarg, erwecken den Eindruck, als könnten
sie stundenlang über ihre Neurosen erzählen und die engen Korridore,
durch die sie taumeln, sind vollgestopft mit Artefakten, die sexuelle Formen
nahelegen. Und da ist natürlich die Geburtsstunde der Heldin Ripley, die
Sigourney Weaver verdientermaßen zum Star machte: auch daß hier
eine Frau letztendlich die Hauptfigur wird, war damals reichlich unerwartet.
Tatsächlich ist Alien nämlich vor allem die Übertragung
eines klassischen Horrorfilms (eine auf engem Raum gefangene Gruppe bekommt
es mit einer überlegenen Macht zu tun) in einen großartig designten
Science-Fiction-Film: es ist die große Sorgfalt, mit der man das ausgeführt
hat, die ihm den verdienten Erfolg brachte.
Christoph Huber
Dieser Text ist zuerst erschienen bei www.allesfilm.com
Zu "Alien" gibts im archiv der filmzentrale mehrere Texte
Alien
[Alien] England 1979
Start: 25.10.1979
Verleih: Fox
Laufzeit: 116
FSK: 16
Drehbuch: Dan O'Bannon, Ronald Shusett
Regie: Ridley Scott
Darsteller: Tom Skerritt, Sigourney
Weaver, Veronica Cartwright, Harry Dean Stanton, John Hurt, Ian Holm, Yaphet
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