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Aliens
- Die Rückkehr
„Alien“ von Ridley Scott gehört sicherlich zu den Klassikern des in
Form eines Sciencefiction inszenierten Horrorfilms. Sequels haben es bei solchen
Filmen schwer. James Cameron allerdings („The Terminator“, 1984; „Terminator 2: Judgment Day“, 1991; „True Lies“, 1994; „Titanic“, 1997; „Dark Angel“, TV 2000) gelang mit „Aliens“ 1986 eine nicht
nur konsequente, sondern auch in sich stimmige Fortsetzung der Geschichte, die
allerdings das Schwergewicht etwas deutlicher auf Action verlagerte. Die Geschichte
ist zudem für sich verständlich; die Kenntnis von Scotts „Alien“ nicht
Voraussetzung, um diesen Film zu genießen.
Seit 57 Jahren treibt Ellen Ripley eisgekühlt durch das All,
als sie durch eine Rettungsschiff mehr oder weniger zufällig gefunden wird.
Sie ist nicht älter geworden. Nur ihre geliebte Katze Jones hat die Schlacht
mit den Aliens noch überlebt. Ripley muss vom Vertreter der Gesellschaft,
für die sie gearbeitet hat, Burke (Paul Reiser), erfahren, dass ihre Tochter
zwei Jahre zuvor im Alter von 66 Jahren gestorben ist. Ihre Geschichte vom Kampf
gegen die Aliens nimmt ihr niemand so richtig ab, zumal der Heimatplanet LV-426
der menschenfleischfressenden Kreaturen inzwischen eine Kolonie der Menschen
geworden ist. Ripley ist zudem verantwortlich für die Zerstörung des
Transport-Raumschiffs und damit für einen Millionenverlust der Gesellschaft.
Man entzieht ihr die Pilotenlizenz. Wenig später erscheint Burke bei Ripley
und erzählt ihr, man habe den Kontakt zu LV-426 verloren. Ein Militärkommando
wolle sich zu dem Planeten begeben, um der Sache auf den Grund zu gehen. Die
Gesellschaft wolle Ripley als Beraterin dabei haben. Unter einer Bedingung erklärt
sich Ripley bereit, an dem Unternehmen teilzunehmen: Burke muss versprechen,
die Aliens, auf die man dort sicher treffe, zu eliminieren und kein Exemplar
dieser gefährlichen Spezies mit auf die Erde zurückzunehmen. Burke
stimmt zu.
Die Bedenken Ripleys sind berechtigt. Denn die Gesellschaft wollte
schon vor 57 Jahren Aliens auf die Erde transportieren, um mit ihrer Hilfe bzw.
ihrem genetischen und chemischen Material Waffen herzustellen. In der Gesellschaft
hartgesottener und mit den modernsten Waffen ausgerüsteter Soldaten beginnt
die Reise Ripleys zurück an den Ursprung des Horrors. Auch Truppenkommandeur
Apone (Al Williams), der Gefreite Hudson (Bill Paxton), Corporal Hicks (Michael
Biehn) und die megacoole J. Vasquez (Jenette Goldstein) wollen Ripleys Geschichte
nicht so recht glauben. Zudem an Bord ist der Androide Bishop (Lance Henriksen),
dem Ripley misstraut, weil sie glaubt, er sei wie der Androide Ash 57 Jahre
zuvor ein Agent der Gesellschaft, deren einziges Interesse die Lieferung eines
Alien sei. Schon bald müssen die Militäreinheit und Ripley feststellen,
dass auf LV-426 kein menschliches Wesen überlebt hat – bis auf eines: Versteckt
in einem Winkel der Basisstation findet Ripley das völlig verstörte
neunjährige Mädchen Rebecca (Carrie Henn), die sich Newt nennt und
deren Eltern und Bruder von den Aliens getötet wurden. Newt kennt sich
in der Basisstation aus wie kein anderer, weil sie sich die letzten Wochen mit
einigem Geschick vor den Aliens verstecken musste. Newt zweifelt daran, dass
die Soldaten eine Chance gegen die Aliens haben – inzwischen mehrere Hundert.
Ein Soldat nach dem anderen wird Opfer der gewissenlosen Fleischfresser. Zudem
muss Ripley feststellen, dass Burke noch immer den Auftrag hat, einen der Außerirdischen
zur Erde zu bringen und alles andere für die Gesellschaft unwichtig ist
...
Im Gegensatz zu Scotts „Alien“ setzt James Cameron in der Fortsetzung
der Geschichte verstärkt auf den „militärischen“ Aspekt des Kampfs
gegen die Aliens. Nicht nur die haben sich vermehrt, auch die andere Seite,
die Menschen, schickt Truppen. Der kriegerische Charakter der meisten Szenen
bedeutet jedoch nicht, dass Cameron Geschichte und Figuren vernachlässigt.
Im Zentrum der Handlung steht Ripley, die gerade erfahren hat, dass ihre eigene
Tochter gestorben ist, die psychisch sehr angeschlagen ist, die Alpträume
quälen und die sich in einer Welt zurechtfinden muss, die eigentlich nicht
mehr die ihre ist. Konfrontiert mit der skrupellosen Politik ihrer Gesellschaft
entschließt sie sich, den Kampf gegen die Bestien trotzdem aufzunehmen.
Ihr ist bewusst, welche Folgen der Transport auch nur eines Alien auf die Erde
hätte. Sie weiß, dass man die reptilienartigen, mit scharfen Zähnen
ausgestatteten Außerirdischen nicht in irgendeiner Weise zähmen kann,
dass sie eine spezifische Intelligenz haben und einen extremen Arterhaltungstrieb,
gegen den kein Kraut gewachsen ist. Ripley trifft auf Newt. Und ab diesem Zeitpunkt
kennt sie nur zwei Ziele: die Aliens vernichten und Newt gesund nach Hause bringen.
Dieser sich anbahnenden Mutter-Tochter-Beziehung gegenüber steht die Königin
der Alien, die aus ihrer Sicht der Dinge dasselbe Interesse hat: den Schutz
ihrer Kinder, was in diesem Fall vor allem bedeutet: Ernährung durch Menschenfleisch.
Besonders beeindruckend sind tatsächlich die Szenen mit Ripley
und Newt; hier hat Sigourney Weaver – neben den Kampfszenen – ihre besten Momente;
daneben die Szenen, in denen sie gegen die feindliche Mutter der Alien, die
Königin, zu Felde zieht, etwa wenn sie Newt aus dem Gespinst der Königin
befreit oder mit einer Art Kran gegen die Königin kämpft, um die daran
zu hindern, Newt zu fressen. Dank Cameron erfährt man mehr über die
Aliens, die ähnlich wie Insekten leben. Sie schlüpfen aus eierähnlichen
Gebilden, suchen sich einen Wirt, Menschen, nisten sich in dessen Brust ein,
und wenn sie einige Zeit gewachsen sind, platzen sie aus der Brust heraus mit
der Folge des Todes der Wirte. Sie haben Gehirn, Instinkt, sind in der Lage,
z.B. einen Fahrtstuhl anzuhalten oder die Stromzufuhr zu unterbrechen. Sie sind
lernfähig und können sich untereinander verständigen. Die Königin
wird durch Soldaten-Aliens geschützt. In gewisser Weise fördert dies
ein minimales Verständnis für die nichtsdestotrotz gefährlichen
Kreaturen; ihr Verhalten ist nachvollziehbar.
Cameron gelingt ebenso wie schon Scott, eine klaustrophobische Atmosphäre
herzustellen. Einige Szenen sind hier besonders bemerkenswert, etwa als Ripley
und Newt im Laboratorium eingeschlossen sind und ein Alien sie bedroht. Die
Tür ist verriegelt. Die Panzerglasscheiben, lassen keinen Laut nach außen
dringen. Eine gespenstische, äußerst adrenalintreibende Sequenz.
Ripley hat einen lebensrettenden Einfall: Mit Hilfe eines Feuerzeugs löst
sie Feueralarm aus und alarmiert die Soldaten.
„Aliens“ entwirft eine Welt der Zukunft, über die nicht sehr
viel Positives zu vermerken ist – wie schon „Alien“. Noch deutlicher, weil personalisiert,
kommt zum Ausdruck, dass die Skrupellosigkeit einer Gesellschaft und ihrer Protagonisten
im Grunde tragischer ist als das Verhalten der Aliens. Letztere funktionieren
nach einem ganz anderen biologischen Prinzip, sie sind offensichtlich nicht
mit einer Gewissensinstanz ausgestattet, töten um zu überleben und
sich zu vermehren. Die Menschen dagegen töten aus Macht- und Profitinteressen.
Burke, eindrücklich gespielt von Paul Reiser, vordergründig ein sympathischer,
fast zuvorkommender Mann, ist personifizierter Ausdruck dieser Bestialität.
Er ist bereit, die gesamte militärische Einheit und alle anderen zu opfern,
nur, um einen Alien auf die Erde zurückzubringen. Als er auffliegt, diskutieren
die anderen, ob sie ihn nicht umbringen sollen. Sie lassen es, was Burke später
ermöglicht, seine Absichten weiterzuverfolgen.
Die special effects sind professionell gemacht, die Alien-Figuren
beängstigend und nicht Produkte eines Computers, sondern hand-made. Das
Szenenbild ist optimal konfiguriert für die etlichen Kämpfe in Luftschächten,
dunklen Gängen usw. „Aliens“ ist eines der wenigen Sequels, die dem Original
in nichts nachstehen – eine gelungene Mischung aus Sciencefiction, Horror, Action
and Crime. Dabei knüpft Cameron an Scotts „Alien“ nahtlos an und schafft
trotzdem einen eigenen Stil und eine in sich geschlossene Geschichte.
Ulrich Behrens
Dieser Text ist zuerst erschienen bei: www.CIAO.de
Zu diesem
Film gibt’s im archiv der filmzentrale mehrere
Texte
Aliens
- Die Rückkehr
[Aliens]
USA 1986
Start:
13.11.1986
Verleih:
Fox
Laufzeit:
137
FSK:
16
Drehbuch:
James Cameron
Regie:
James Cameron
Darsteller:
Sigourney Weaver, Carrie Henn, Michael Biehn, Paul Reiser, Lance Henriksen,
Bill Paxton, William Hope, Jenette Goldstein, Al Matthews
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