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An
deiner Schulter
Kevin
Costner hat zwar wieder eine besonders sympathische Rolle als entspannter Liebhaber,
doch in diesem wunderschön stillen Meisterwerk dreht sich alles um Joan
Allen als biestige, verlassene Mutter und ihre Töchterschar. Obwohl, die
Hauptrolle hat das Leben, von Regisseur und Autor Mike Binder sensibel und wahrhaftig
eingefangen.
"Euer
Vater ist weg!" Mit einem Drink in der Hand verkündet Terry (Joan
Allen) beim Abendessen ihren vier mehr oder weniger erwachsenen Töchtern
die unfassbare Unverschämtheit dieses Mannes. Wahrscheinlich ist er mit
seiner schwedischen Sekretärin durchgebrannt. Es gibt noch ein paar Verwünschungen
und auch bittere Scherze, doch keine Heultiraden mit Weichmachermusik. Er ist
weg, wir machen weiter. Terry hält sich trotzig aufrecht - so lange sie
den Alkohollevel halten kann. So sieht man sie nie ohne Drink in der Hand. Ganz
selbstverständlich und passend gesellt sich irgendwann Nachbar Denny zu
ihr. Nebenbei bestreitet er eine Radiosendung und lebt von seinem Rest-Ruhm
als ehemaliger Baseball-Spieler. Auch dieses Mittelalter ist immer mit einer
Dose Bier unterwegs, kam wegen eines Grundstückgeschäfts vorbei und
blieb. Zuerst auf der Couch, dann - nach etwas Zaudern auf beiden nicht mehr
ganz jungen Seiten - als Hausfreund, als Saufkumpel, als Charmeur, auch im Bett.
Das
hätte eine furchtbare Schmonzette werden können, es gibt die Probleme
der Töchter, es gibt eine böse Krankheit, Tod, Trennung ... Doch bei
Regisseur Mike Binder sieht das nie nach Filmklischee aus. Ganz organisch lebt
und entwickelt sich die Geschichte. Vor allem durch Costners Charakter Denny
kommt eine sympathische Leichtigkeit ins Leben. Er entspannt das Drama mit einem
Lächeln und Humor, oft klärt auch ein simpler Satz das weibliche Gefühls-Chaos.
Wie der Originaltitel "The Upside of Anger" verrät, macht sich
die jüngste von Terrys Töchter Gedanken, was Wut und Hass aus Menschen
macht. Kann etwas Gutes dabei herauskommen?
Mike
Binder, der im Film selbst als Freund und Radio-Produzent von Denny zu sehen
ist, entwickelte den Stoff mit und für den Star Joan Allen ("Pleasantville",
"Rufmord"). Die in ihrem Rollen immer besonders präsente Darstellerin
gibt ein Biest mit Stil und dem Regisseur gelingt es, so subtil zu erzählen,
dass einen kein großes Drama überfährt und man sich überrumpelt
fühlt. Kevin Costner bleibt als Denny angenehm am Rande, wie er es in seinem
Filmen immer schafft, Platz für die Leistungen anderer zu lassen.
So
bemerkt man erst gegen Ende, dass man eine atemberaubend grandiose Tragödie
mit freundlichem Humor erlebt. Und mit einem Schlussgedanken, der die Erde still
sinnieren lässt. Denn da ist auch noch die finale Wendung, die den ganzen
Film auf den Kopf stellt. Sie lässt alles noch mal überdenken, zeigt
Terry mit anderen Augen ...
Günter
H. Jekubzik
Diese
Kritik ist zuerst erschienen bei:
An
deiner Schulter
USA
2005 - Originaltitel: The Upside of Anger - Regie: Mike Binder - Darsteller:
Joan Allen, Kevin Costner, Evan Rachel Wood, Erika Christensen, Keri Russell,
Alicia Witt, Mike Binder, Dane Christensen, Tom Harper - FSK: ab 12 - Länge:
118 min. - Start: 7.7.2005
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