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Army
Go Home
Ohne
Kampfauftrag - die US-Army in Deutschland
Kaum
zu glauben, dass dieser Film bisher nicht existierte, so sehr liegt sein Thema
seit Jahrzehnten in der Luft. Doch fast noch erstaunlicher ist es, dass er ausgerechnet
jetzt in die Kinos kommt. Denn die amerikanisch-britisch-deutsche Koproduktion
Army
Go Home
zeichnet ein dermaßen finsteres Bild vom Treiben US-amerikanischer Militärs
im - in diesem Fall deutschen - Ausland, dass der Anti-Amerikanismus-Vorwurf
vorprogrammiert ist. Vermutlich deshalb kommt Army
Go Home,
der am 8. September letzten Jahres beim Filmfestival Toronto uraufgeführt
wurde, erst jetzt ins Kino.
Schon
der Original-Titel Buffalo
Soldiers
ist eine polemische Spitze: Bezieht er sich doch auf die schwarzen Soldaten,
die einst ihren weißen Herren bei der Eroberung neuer Territorien halfen.
Doch die Assoziation passt nicht ganz. Denn die "Buffalo Soldiers"
aller Hautfarben in diesem Film sind ohne konkreten Kampfauftrag und Lebensgefahr
auf der Theodore Roosevelt Army Base in Süddeutschland stationiert. Ihr
eher symbolischer Auftrag droht sich 1989 angesichts des Mauerfalls in Luft
aufzulösen.
"Krieg
ist die Hölle, doch Frieden ist zum Kotzen langweilig", nennt es Ray
Elwood (Joaquin Phoenix), der Held des Films. Gelangweilt gerieren sich auch
die Soldaten. Also prügeln sie sich und vertickern alles, was nicht niet-
und nagelfest ist, Putzflüssigkeit ebenso wie Waffen und Heroin, das in
improvisierten Labors selbst gekocht wird. Konsumiert wird auch. Und manchmal,
wenn es ein bisschen zuviel der Dröhnung war, geht bei einem Manöver
ein Panzer auf irrwitzig blutige Spritzfahrt, die im Extremfall in einem Tankstellen-Inferno
vor altdeutscher Fachwerkkulisse endet. Die dienstlichen Konsequenzen solcher
Aktionen sind minimal.
"Army:
Be All You Can Be" steht über der Stubentür. Doch
um strahlende Siegertypen handelt es sich nicht gerade. Auch Ray Elwood ist
eher unfreiwillig bei der Army; immerhin hat er ein amouröses Verhältnis
zur Ehefrau seines Vorgesetzten und macht seinen Arbeitsplatz als Bataillons-Schreiber
zum Zentrum des blühenden Schwarzmarkts. Das läuft auch locker, bis
ein neuer und gewissenhafter Sergeant, Robert Lee (Scott Glenn), für frischen
Wind und moralische Sauberkeit im Bataillon sorgt und auf Elwoods Bestechungsversuche
nur mit gesteigerter Abneigung und Kontrolle reagiert. Für Ray wird's eng,
weil er tief in eine Super-Waffen-Deal verwickelt ist und sich zugleich an Lees
Tochter (Anna Paquin) ranmacht. Bald geht es um Leben und Tod.
Army
Go Home
ist ein Abgesang auf die untergegangene Zeit des erlöschenden Kalten Krieges,
ein Film, der merkwürdig zwischen den Erzählweisen und Genres, zwischen
Ernsthaftigkeit und Satire, Thriller, Realismus und Märchen oszilliert.
Das hochkarätige Darstellerensemble macht seine Sache glänzend. Auf
weitergehende künstlerische Mätzchen hat Regisseur Gregor Jordan bei
der filmischen Umsetzung einer Romanvorlage von Robert O'Connor verzichtet.
Army
Go Home ist
ganz seinem Stoff verpflichtet. Und als Gegenbild zum Heroenkult von Propaganda-Machwerken
wie Black
Hawk Down
und Wir
waren Helden
ein realistischer Lichtblick.
Silvia
Hallensleben
Dieser
Text ist zuerst erschienen in: epd Film
Army Go Home
Buffalo
Soldiers
Großbritannien/Deutschland
2001. R: Gregor Jordan. B: Gregor Jordan, Eric Alex Weiss, Nora MacCoby (nach
dem Roman von Robert O'Connor). P:
Rainer Grupe, Ariane Moody. K: Oliver Stapleton. Sch:
Lee Smith. M:
David Holmes. T:
Martin Müller. A:
Steve Jones-Evans. Ko:
Odile Dicks Mireaux. Pg:
Miramax/Gorilla Entertainment/Odeon/ Film Four/Good Machine. V: Prokino. L:
99 Min. FSK: 16, ffr. DEA: München 2002. Da: Joaquin Phoenix (Ray Elwood),
Ed Harris (Colonel Wallace Berman), Scott Glenn (Sergeant Robert Lee), Anna
Paquin (Robyn Lee), Elizabeth McGovern (Mrs. Berman), Dean Stockwell (General
Lancaster), Leon Robinson (Stoney), Michael Pena (Garcia).
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