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Astronaut
Farmer
Wieder diese epischen Westernhorizonte.
Vor der glutrot untergehenden Sonne vorbei reitet der Lonely Cowboy, doch nein,
jetzt fällt Licht auf den weiß reflektierenden Raumanzug. Ein Mann
muss tun, was er tun muss, und er muss es allein tun gegen den Widerstand von
Patriot Act, CIA und FBI, nämlich mit der selbstgebauten Rakete ins Weltall
zu fliegen. Und zurück. Unser Astronautbauer (Billy Bob Thornton) verwirklicht
seinen Traum, den uramerikanischen Traum. Schlimm nur, dass der Ehering verloren
geht (keine Angst, er ist dann wieder da, und wir weinen vor Glück). Die
Farmerfamilie, autark, ist die Einheit, aus der heraus der Mann erfolgreich
operieren kann. Eine glückliche Basis. Zuversicht strahlt aus den Augen
von Weib und Kind, lachende Münder in Großaufnahme, es ist nicht
zum Aushalten, und wir wissen nicht, wenn ich mal für die Zuschauer sprechen
darf, ob wir lachen oder weinen sollen.
Klischee? Parodie? Nach einigem
Schwanken findet man Halt auf dem Grat. Michael und Mark Polish (Buch, Regie,
Produktion) haben es raus, ihre schönen Bildtotalen vom Poetisch-Surrealen
immer wieder in Parodie und Satire zu kippen. Die Familie, die lustigen Kinderlein
(es sind der Polish-Brüder eigene) sind nicht da, um Werte zu verkörpern,
sondern um gegen die Allmacht von Staat und gegen den Kontrollwahn zu kämpfen.
Oder anders gesagt, dezidiert selbstreflexiv: angesichts der gegenwärtigen
Lage zurück zur Independent-Strategie. Drum haben die Polish-Brüder
soeben ein Printwerk geschrieben, das sich als Leitfaden für unabhängige
Nachwuchs-Regisseure versteht. Der Independent Farmer wird dadurch zu unser
aller Vorbild, freilich fern von Diskurs, Argumentation, Theorie und Dogma,
dafür einladend durch Bild, Ton, familiäre Wärme (nein, hier
kein Mief!!) und klasse Country Music.
Mögen wir Intellektuelle
auch die linke Augenbraue hochziehen, Film ist nun mal Bildwerk, und damit bleiben
Fragen offen. Immerhin sind wir uns doch wohl einig, dass eine Familie wie die
unseres lonely Astronautboys sehr wohl eine Zelle im Independentkampf sein kann.
Ganz real haben die Polish-Brüder in den letzten Jahren Raketen-Filme wie
„Twin Falls Idaho“,"Jackpot" und „Northfolk“ in das Hollywood-Weltall geschossen
und dabei die herzigen Kinder produziert, die uns in „Astronaut Farmer“ anstrahlen.
Die alte, neue Independence hochzuhalten gegen die bösen Systeme, - das
ist romantisch und aktionistisch zugleich, magischer Realismus und Handlungsanleitung.
Ej, da kommt der Rocket Man. Elton John auf der Tonspur!
Dietrich Kuhlbrodt
Dieser Text wird erscheinen in: Konkret
1/08
Astronaut
Farmer
USA 2006 - Originaltitel: The Astronaut Farmer - Regie: Michael Polish - Darsteller: Billy Bob Thornton, Virginia Madsen, Max Thieriot, Jasper Polish, Logan Polish, Bruce Dern, Tim Blake Nelson, Mark Polish, Jon Gries, Sal Lopez - FSK: ab 6 - Länge: 104 min. - Start: 27.12.2007
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