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Die
Außenseiterbande
Jean-Luc
Cinema Godard (Vorspann) dreht einen Genrefilm, wie schon in "Außer
Atem".
Ein Kriminalroman von Bert und Dolores Hitchens liegt zugrunde, Godard transponiert
ihn ins Register "Queneau". Ein Roman Queneaus ist es, "Odile",
den Odile, die von Anna Karina gespielte Heldin, liest. Godard hat "Außenseiterbande"
in 25 Tagen gedreht, hat die erzählte Zeit von mehreren Monaten auf drei
Tage kondensiert, lässt Arthur, Franz, Odile durch die Gegend rasen, mit
dem Auto, zu Fuß, in neunminutendreiundvierzig durch den Louvre, neuer
Weltrekord, und sprengt Einstellung für Einstellung die Narration in die
Luft.
Und
setzt sie wieder zusammen, mit grotesken Löchern, Redundanzen, Extravaganzen,
Voice-Overs (Godard spricht sie selbst), die kommentieren, kontaminieren, konterkarieren,
aber eines nicht geben: Zusammenhalt. Oh ja, es spricht ein Erzähler, der
allwissend tut, verlässlich ist er nicht, die Bilder und die Töne
und Figuren entgleiten ihm unter der Stimme, je genauer er über sie Bescheid
zu wissen vorgibt. Jean-Luc Cinema Godard hat diesen Film im Laufen gedreht,
mit Raoul Coutard, versteht sich, al fresco, im Fahren und der scheinbare Akt
der Verklammerung durch die Stimme eines Erzählers, die die Stimme des
Regisseurs ist (und Drehbuchautors), ist dann die Sekundärzerstörung
der Narration. Was bleibt, ist Bewegung. Was bleibt, ist die Stille im Café
"Madison", weggeblendeter Ton, was bleibt, ist der Tanz im Café
"Madison", der bis hin zu Hal Hartley und Quentin Tarantino inzwischen
eine kleine filmhistorische Polonaise gebildet hat.
Das
Geld, die Pistolen, der Tod, die Liebe, Shakespeare und die kahlen Bäume
gegen den Himmel, schwarz-weiß. Am Ende die Erdkugel. Den Raum des Films,
in dem er spielt, den er spielt, gegen den er spielt, den er sich erspielt,
den gibt es nicht. Der Raum des Films ist die Bewegung, das Schlängeln,
der Figuren, der Kamera durch das leere weiße Haus, ist die Fahrt mit
dem Auto, der rasche Schritt Odiles vom Haus, das so wenig Zentrum dieses Films
ist wie irgend etwas anderes, zu Arthur und Franz, die sich die Zeit vertreiben,
am anderen Ort. Die Zeit des Films, die Zeit, die er schafft, die er aus dem
Raum und der Narration schlägt, die gibt es nicht. Die Zeit des Films ist
der Flug durch den Louvre, der Stillstand der Stille des Café Madison.
Der Raum, die Zeit von "Die Außenseiterbande" ist die schiere
Kontingenz, ein Zirkus, ein Tiger, das Geld, das Gesicht von Odile, die tote
Frau im Schrank, die Nacht, das Schiff, das lächerliche Ende, ein albernes
Zauberkunststück nach dem anderen, das lächerliche Ende:
Mon
histoire finit là, comme dans un roman bon marché, a cet instant
superbe de l'éxistence où rien ne décline, rien ne dégrade,
rien ne déchoit. Et c'est dans un prochain film que l'on vous racontera,
en Cinémascope et en Techicolor cette fois, les aventures d'Odile et
de Franz dans les pays chauds.
Ekkehard
Knörer
Diese
Kritik ist zuerst erschienen in:
Die
Außenseiterbande
(BANDE
A PART)
Frankreich
- 1964 - 94 min. - schwarzweiß
FSK:ab
16; nicht feiertagsfrei
Prädikat:
wertvoll
Verleih:
Columbia-Bavaria
Erstaufführung:
29.1.1965/27.7.1968 ARD
Produktionsfirma:
Anouchka/Orsay
Produktion:
Philippe Dussart
Regie:
Jean-Luc Godard
Buch:
Jean-Luc Godard
Vorlage:
nach einem Roman von Dolores Hitchens
Kamera:
Raoul Coutard
Musik:
Michel Legrand
Darsteller:
Anna
Karina (Odile)
Sami
Frey (Franz)
Claude
Brasseur (Arthur)
Louise
Colpeyn (Mme. Seghers)
Chantal
Georges
Staquet
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