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Begierde
Too
old to die
Spulwurm
müsste man sein. Dann könnte man jetzt sechsmal so alt werden wie
unter normalen, also Naturumständen. Die Wissenschaft hat’s möglich
gemacht und dem Wurm 120 Tage Leben beschert. Da kann man als Mensch schon mal
neidisch werden. Aber dann sieht man sich diese Vampirfilme wieder an und ist
skeptisch. Will man das wirklich, nicht nur fünfmal so lang alt sein wie
sonst, sondern richtig jung für immer und ewig? Verglichen mit dem Preis,
den man zu zahlen hat? Zynismus, Kälte des Herzens, Einsamkeit!
In
Vampirfilmen wird natürlich nicht erst abgestimmt, ob man Lust hat oder
nicht. Ein Biss, den man nicht gewollt hat, und schon ist man auf der anderen
Seite. So wie Joe in diesem Film, gespielt von David Bowie. Er ist der augenblickliche
Gespiele von Miriam (Catherine Deneuve), der Diva, dem Vampir. Deren Treueschwüre
sind nicht von allzu langer Haltbarkeit. „For
ever young“? Gilt
nur für Miriam. Während die Wissenschaftlerin Sarah (Susan Sarandon)
durch Experimente an Affen dem Geheimnis auf der Spur ist, den Alterungsprozess
aufzuhalten oder zumindest in die Länge zu ziehen, sieht Joe innerhalb
von zwei Stunden sehr alt aus. Wie das Bildnis des Dorian Gray.
Auch
Diven brauchen von Zeit zu Zeit frisches Blut, wenn schon nicht das altehrwürdige
Mobiliar alle hundert Jahre ausgewechselt wird. Und so viel Joe auch herumbeißt,
es nutzt nichts, er wird nicht wieder jünger, was zwar auch Popstars erfahren,
aber dass sie sich wie David Bowie auch noch einem Beschleunigungsprogramm unterziehen,
kann dann schon wieder Kultcharakter zugeschrieben bekommen und der Zuschauer
zollt der antizipativen Kraft Respekt, die dann auch die Werbung erreicht und
in unseren Tagen etwa Boris Becker als Senior präsentiert. Sehr schön
übrigens dieses wunderbare junge androgyne Geschöpf, die kleine Freundin
von Miriam, die leider ganz umsonst sterben muss, da sie Joe das fürs ewige
Leben nötige Serum nicht übertragen kann. So richtig sterben kann
Joe aber auch nicht, deshalb entsorgt Miriam ihn auf dem Speicher, wo schon
eine ganze Reihe von Särgen für den quasi-ewigen Winterschlaf herumstehen.
Dann
lernt Miriam Sarah kennen. Ein Hauch von Bilitis liegt
über der Begegnung. Sanfte, melancholische Klavierklänge nebeln das
Zuschauerhirn ein, ein unwirklich helles Licht taucht die riesigen Säle
des Hauses in den Traum eines stehenden Jetzt, Schleier gleiten über fast
nackte Körper, dann fließt das erste Blut, aber es hat gar nicht
weh getan, im Gegenteil, Sarah ist dabei. Vielleicht denkt sie schon an Übernahme?
Der Prozess der Wissenschaft dauert viel zu lange. Und wozu trägt Miriam
das Amulett des ewigen Lebens um den Hals. Ein kleines Experiment auf okkultem
Feld? Sarah ist wirklich gut. Sie schafft es. Sie bringt Miriam den Tod. Harte
Arbeit für den Maskenbildner. Die ganze Mannschaft auf dem Speicher darf
noch mal ran. Und man sieht sie so schön altern wie die alten Morlocks
in der Verfilmung von H.G. Wells „Zeitmaschine“. Dann ist dieser Spuk vorbei,
der Vermieter betritt die Bühne, und als würdige Nachmieterin darf
der Zuschauer niemand anderes als Sarah willkommen heißen, die die Posen
erst gar nicht üben muss. Aber man muss schon vom Fach sein, um das alles
genießen zu können.
Dieter
Wenk
Dieser
Text ist zuerst erschienen in:
Begierde
(1982)
THE
HUNGER - England - 1982 - 98 min. – Scope - Literaturverfilmung, Horrorfilm
- FSK: ab 18; feiertagsfrei - Verleih: UIP - Erstaufführung: 17.6.1983
Fd-Nummer:
24050 - Produktionsfirma: Peerford - Produktion: Richard Shepherd
Regie:
Tony Scott
Buch:
Ivan Davis, Michael Thomas
Vorlage:
nach einem Roman von Whitley Strieber
Kamera:
Stephen Goldblatt, Tom Mangravite
Musik:
Michel Rubini, Denny Jaeger
Schnitt:
Pamela Power
Darsteller:
Catherine
Deneuve (Miriam)
David
Bowie (John)
Susan
Sarandon (Sarah Roberts)
Cliff
De Young (Tom Haver)
Beth
Ehlers (Alice Cavender)
Dan
Hedaya (Lt. Allegrezza)
Rufus
Collins (Charlie Humphries)
Suzanne
Bertish (Phyllis)
Bessie
Love (Lillybelle)
John
Pankow
Willem
Dafoe
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