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Blue
Steel
Allein
gegen alle
Kathryn Bigelow ist eine der ganz wenigen
Regisseurinnen, die mit ihren Filmen – u.a.: dem Vampirfilm „Near Dark“ (1987)
sowie „Point Break“ (1991), „Strange Days“ (1995) und zuletzt „K-19 – Showdown
in der Tiefe“ (2002) – über die Grenzen der USA hinaus Erfolg erringen
konnte." Als
sie 1990 Jamie Lee Curtis für die weibliche Hauptrolle in dem Psychothriller
„Blue Steel“ gewann, durfte man gespannt sein, ob hier eine Frau „nur“ in die
Rolle von ansonsten von Männern besetzten Cops schlüpfen würde
oder ob der Film mehr zu bieten hatte als das. Lange bevor Angelina Jolie (als
Lara
Croft),
Uma Thurman (in „Kill
Bill“)
oder Milla Jovovich (in „Resident Evil“) in mehr oder weniger gelungenen Filmen
eine bestimmte Art von weiblichen Action-Stars schufen, waren es besonders Sigourney
Weaver (in „Alien“)
und eben Jamie Lee Curtis (in „Halloween“),
die die Voraussetzungen schafften für die spätere Karriere ihrer jüngeren
Kolleginnen.
•
I N H A L T •
In
„Blue Steel“, einem schnörkellosen Thriller, der auf einem Zweikampf zwischen
Gut und Böse aufbaut, spielt Curtis die junge Polizistin Megan Turner,
die – gerade von der Polizeischule verabschiedet – bei ihrem ersten Einsatz
in einem Supermarkt einen Einbrecher erschießt, der – so behauptet sie
– die Waffe auf sie gerichtet hatte. Doch Megans Kollegen findet keine Waffe.
Die hat der zufällig im Supermarkt anwesende Börsianer Eugene Hunt
(Ron Silver) heimlich an sich genommen. Keiner glaubt Megan, zunächst auch
nicht ihr Kollege Nick Mann (Clancy Brown), und schon gar nicht ihr Vorgesetzter
Hoyt (Kevin Dunn). Megan wird vorläufig aus dem Verkehr gezogen.
Derweil
trifft Megan auf Hunt, der sie im Taxi mitnimmt, um Kontakt zu ihr aufzunehmen.
Beide gehen zum Essen, freunden sich an, und Megan verliebt sich in den sympathisch
wirkenden, ruhigen Mann, der allerdings ganz andere Absichten verfolgt.
Kurz
danach finden Megans Kollegen eine Leiche. Auf der Kugel in der Leiche befindet
sich Megans Name eingeritzt. Immer mehr gerät sie bei den anderen Polizisten
ins Zwielicht. Weitere Morde folgen. Nur Nick Mann glaubt nicht, dass Megan
etwas mit den Morden zu tun hat. Inzwischen gesteht Eugene Hunt Megan, er habe
die Morde begangen. Sie lässt ihn verhaften; doch seinem Anwalt (Richard
Jenkins) fällt es nicht schwer, Hunt frei zu bekommen und Megan in einem
noch schlechteren Licht erscheinen zu lassen. Als Hunt merkt, dass Megan entschlossen
ist, ihn zur Strecke zu bringen, geht er zum Angriff über ...
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I N S Z E N I E R U N G •
„Blue
Steel“, in kalte bläuliche Farben getaucht, erzählt eine trostlose
Geschichte, ein bisschen auch die Geschichte des dunklen Teils der town of all
towns, New York. Der Film ist allerdings keiner jener gescheiterten Versuche,
eine Frau in eine Männerrolle zu propfen, um endlich mal einen weiblichen
Action-Star zu kreieren. Jamie Lee Curtis spielt einerseits eine gut ausgebildete
und nervenstarke Polizistin, die jedoch andererseits ihre Gefühle nicht
hinter der Maske des harten Cops versteckt. Im Verlauf der Geschichte wird deutlich,
wie wenig überzeugend ihre Kollegen, anfangs auch Nick Mann, auf sie reagieren.
Keiner glaubt ihr. Warum nicht? Tatsächlich weil sie eine Frau ist. Bei
einem männlichen Kollegen hätten Hoyt und die anderen zumindest die
Möglichkeit in Betracht gezogen, dass die Waffe des Supermarkt-Gangsters
durch (noch) unbekannte Gründe verschwunden ist. Die Polizisten glauben
ebenwenig, dass ein angesehener Broker ein psychopathischer Mörder sein
könne. Warum? Weil eine Frau dies behauptet.
Doch
Megan Turner, und hier ist Jamie Lee Curtis vor allem stark in ihrem Spiel,
gibt nicht auf, um Hunt dingfest zu machen. Ron Silver spielt überzeugend
einen Psychopathen, der durch die zufällig im Supermarkt gefundene Waffe
glaubt, seinen Allmachtsphantasien freien Lauf lassen zu können. Und er
begehrt, dass Megan – deren Einsatz im Supermarkt er bewundert – dies unterstützt.
Erst als er merkt, dass sie sich gegen ihn richtet, beginnt er, sie und ihre
Eltern, ihre Umgebung, anzugreifen.
Im
Zentrum von „Blue Steel“ stehen weniger die Actionszenen, sondern v.a. die Auseinandersetzung
zwischen Megan und Hunt vor dem Hintergrund, dass zunächst jedenfalls keiner
der Kollegen Megans sie unterstützen will. Die Beweggründe von Hunt
bleiben im Dunkeln; aber gerade das spielt für die Glaubwürdigkeit
des Films und für dessen Spannung keine Rolle. Ähnlich wie in „Halloween“,
der in bezug auf die Konfrontation zwischen einer Frau und einem Psychopathen
ähnlich angelegt war wie „Blue Steel“, überzeugt Jamie Lee Curtis
als Frau, nicht als eine Frau in einer Männerrolle, und das macht den Film
wohl zu einem der besten Kathryn Bigelows.
Eine
Szene des Films wirkt allerdings arg gekünstelt. In einem eigentlich für
die Geschichte völlig unwichtigen Subplot fährt Megan mit ihrem Vater,
der ihre Mutter des öfteren schon geschlagen hat, mit dem Auto weg. In
der Zwischenzeit taucht Hunt bei den Turners auf. Wenig später kehrt Megan
mit ihrem Vater zurück. Hier dient ein magerer und unnötiger Subplot
dazu, Hunt die Möglichkeit zu verschaffen, von Megan unbemerkt in das Elternhaus
zu gelangen. Unnötig.
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F A Z I T •
„Blue
Steel“ überzeugt insgesamt durch die Hauptdarsteller Jamie Lee Curtis und
Ron Silver, die verschiedenen, teils überraschenden Wendungen, die düstere
Grundstimmung und last but not least durch die von Amir M. Mokri fotografierte
Szenerie. Ein sehenswerter Thriller.
Wertung:
9 von 10 Punkten.
Ulrich
Behrens
Diese
Kritik ist zuerst erschienen bei:
Zu diesem Film gibt es im archiv der filmzentrale mehrere Texte
Blue
Steel
(Blue
Steel)
USA
1990, 102 Minuten
Regie:
Kathryn Bigelow
Drehbuch:
Kathryn Bigelow, Eric Red
Musik:
Brad Fiedel
Director
of Photography: Amir M. Mokri
Montage:
Lee Percy
Produktionsdesign:
Toby Corbett
Darsteller:
Jamie Lee Curtis (Megan Turner), Ron Silver (Eugene Hunt), Clancy Brown (Nick
Mann), Louise Fletcher (Shirley Turner), Philip Bosco (Frank Turner), Kevin
Dunn (Stanley Holt), Richard Jenkins (Mel Dawson)
Internet
Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0099160
©
Ulrich Behrens 2004
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