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Die
Bourne-Verschwörung
Von
Goa nach Moskau ist´s nur ein Katzensprung
Untertauchen.
Fliehen. Nachforschen. Jagen. Töten. Das ist das Leben von Jason Bourne.
Im Herzen trägt er die Hoffnung, dass eines Tages jemand ihm sagen wird,
woher er kommt und wohin er gehört.
Wer
seine Eltern waren und ob er eine Familie hat. Ob die Rudimente der Erinnerung,
die Reststücke seiner Vergangenheit, die Sätze, die er in seine Kladde
skribbelt, sich zusammenkleistern lassen zu einer Zukunft. Und wer die Fremden
sind, die eines Tages angefangen haben, für ihn Schicksal zu spielen. Zwei
Jahre nach dem erfolgreichen Thriller „Die Bourne-Identität“ wird Jason
Bourne erneut aufgeschreckt von den Phantomen seines früheren Lebens –
er ist als Verdrängungskünstler ein Leinwandheld par excellence, denn
das Kino kann gnadenlos sein in seinem Beharren auf Präsenz.
Die
CIA ist hinter Jason her, sie hat ihn zur perfekten Killermaschine gemacht,
als solche ist er unberechenbar und gefährlich, aber auch eine gehörige
Investition. Zusammen mit den Jungs aus Langley sind natürlich auch andere
Geheimdienste mit im Spiel. Mit Marie, die ihm in „Bourne Identität“ zur
Seite stand (Franka Potente), ist Jason im indischen Goa untergetaucht, in einer
Hütte am Strand, aber dann taucht ein russischer Killer auf in diesem falschen
Paradies. Jason flieht und aus der Flucht wird Jagd, denn durch einen falschen
Fingerabdruck wird er mit einem Mord in Berlin zusammengebracht.
Von
Goa nach Moskau führt ihn sein Weg, gewaltige Strecken und Räume gilt
es zu überwinden, die aber, im globalen Geschäft der Intrigen und
Tötungen heute, keinen besonderen Eindruck mehr hinterlassen. Mittendrin
macht Jason auch, für eine kleine Explosion, in München Station, ein
wenig später ist er am Kudamm in Berlin. Berlin sehen und sterben ... Dass
die Jagd hier besonders hektisch wird, liegt an der S-Bahn der Stadt, die Jason
nutzt, um seinen Häschern zu entkommen. Die Profikiller sind, wir erinnern
uns, eifrige Fußgänger, sind Nachkommen der Flaneure, die sich wohlfühlen,
wenn sie durch die Menschenmassen eilen – von Alain Delon als „Eiskalter Engel“
bis Tom Cruise, kürzlich in „Collateral“.
Matt
Damon spielt noch einmal den Jungen aus dem Hinterland Amerikas, wie man ihn
aus den Filmen von Gus Van Sant kennt. Mit Delon verbindet ihn die Rolle des
„talentierten
Mr. Ripley“.
Die Talente des Mr. Bourne sind ein wenig anderer Art, und auch die Skrupel,
die er, der Ex-CIA-Killer, entwickelt. Er macht sich auf, einen Teil seiner
Schuld zu begleichen, bei einem einsamen Mädchen in Moskau, und es ist
faszinierend, zu beobachten, wie sich diese Mission, der traditionellen Erzählliteratur
entnommen – Robert Ludlum, Autor der Romanvorlage, ist ein Fan von Dickens und
Thackeray –, überlagert mit den existentialistischen Tendenzen des Kinos.
Der
Film ist, wie vieles aus Hollywood, noch einmal ein klassisches Ödipus-Stück
– der Junge, der sich gegen die Väter wendet, die Patriarchen der CIA.
Und sich dabei der Mutter annähert, die ihm sein Geheimnis klären
helfen soll. Pamela Landy, eine Spitzenkraft der CIA (Joan Allen), organisiert
die Suche nach Bourne in Berlin. Einmal hat, vom gegenüberliegenden Dach
aus, Jason sie in seinem Visier, während er mit dem Handy mit ihr telefoniert.
Sie schrickt zusammen, als sie von diesem Blick erfährt. Es ist eine Liebesbeziehung,
die sich hier entwickelt. Du solltest ein wenig ausruhen, sagt er ihr am Ende,
immer noch aus der Distanz, du schaust müde aus. Wir müssen uns Jason
als einen glücklichen Menschen vorstellen.
Fritz
Göttler
Dieser
Text ist zuerst erschienen in der: Süddeutschen Zeitung
Die
Bourne-Verschwörung
THE
BOURNE SUPREMACY, USA 2004 – Regie: Paul Greengrass. Buch:
Tony Gilroy, nach dem Roman von Robert Ludlum. Kamera:
Oliver Wood. Schnitt: Christopher Rouse, Richard Pearson. Musik: John Powell.
Mit:
Matt Damon, Franka Potente, Brian Cox, Julia Stiles, Karl Urban, Joan Allen.
UIP, 120 Minuten.
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