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Der
Boxprinz
Mit
integrierter Gegendarstellung
In
der Dokfilmwerkstatt auf der MV-Insel Poel sah ich den "Boxprinz"
und hörte, was Regisseur Gerd Kroske dazu sagte. Hundert Leute waren dabei.
Aber wenn ich das schreibe (Teil 1 des Matches), kontert Kroske mit einer Gegendarstellung,
die wir hier zweckmäßiger Weise integrieren (Teil 2).
Der
Haken
Kroske,
vor 1989 Regiestudent der HFF Konrad Wolf, Arbeiten im DEFA-Dokumentarfilmstudio,
danach Regisseur, zuletzt die Dokumentation über den legendären Boxer
Norbert Grupe, den 'Prinzen von Homburg', zeitweise einen der Größen
vom Hamburger Kiez. Heute sind die Etablissements der Großen Freiheit,
lassen wir uns sagen, von Albanern übernommen. Während einer der deutschen
Kiezherren im Dreiteiler ein gewichtiges Statement auf der Straße abgibt,
stellt sich ungefragt ein angetrunkener oder sonstwie angeschlagener Mensch,
der wie ein Albaner aussieht, ins Bild. Der deutsche Anzug-Herr, der uns als
Herr Henschel vorgestellt wird, dreht sich, ohne ein Wort zu sagen, um und schlägt
den aufdringlichen Asozialen zu Boden, und der Film geht weiter.
Wie
das? War das denn in Ordnung? Regisseur Kroske fand: "Ja. Ich habe Verständnis
dafür. Schließlich haben die Albaner ja den Deutschen das Geschäft
weggenommen".
Abgewehrt?
Kroske
per Einschreiben: "Durch Ihre Darstellung wird der Eindruck erweckt, daß
besagte Szene einen ausländerfeindlichen Hintergrund hat und ich diesen
billigend in Kauf nehme. Dieser Eindruck ist falsch. Richtig ist vielmehr, daß
ich innerhalb einer 30-minütigen Publikumsdiskussion über den gesamten
Film sprach. Zu besagter Szene habe ich nicht gesagt, daß ich Verständnis
dafür habe. Ich habe in der Diskussion den Zusammenhang einer Machtverschiebung
auf dem Hamburger Kiez erläutert und dabei beschrieben, was dieses Zuschlagen
durch einen der Protagonisten des Films für Ursachen haben kann.
In
meinem Film "Der Boxprinz" wird nicht beiläufig Gewalt gegen
Ausländer registriert. Vielmehr wird im Film die Geschichte des Ex-Boxers
Norbert Grupe erzählt und das Verhältnis von Milieu und Boxsport thematisiert.
Ich verwahre mich entschieden dagegen, den im Film zu sehenden Faustschlag als
eine ausländerfeindliche Entladung zu beurteilen und besagte Szene in einen
tendenziell moralisierenden Zusammenhang zu rücken und mich dabei, um diese
Verbindung herzustellen, wissentlich falsch zu zitieren."
Gong!
Dietrich
Kuhlbrodt
Dieser
Text ist zuerst erschienen im:
Der
Boxprinz
D
2000. R,B,P: Gerd Kroske. K: Susanne Schüle. S: Karin Schöning. M:
Archie Shepp. 100 Min. Real Fiction ab 31.1.02
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