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Bridget
Jones - Am Rande des Wahnsinns
Den
ersten
Teil
kenne ich nicht, doch habe ich sachkundige Begleitung bei der Sichtung, die
mich in Fällen, wo es dem Verständnis dienlich ist, aufklärt.
Natürlich ist das ein Film, bei dem man sich an manchen Stellen amüsieren
kann. Die Figur selbst lädt dazu geradewegs überoffensichtlich ein,
zumal wenn man von der Absurdität des Daseins und einer allzu sehr bürgerlichen
Vorgaben gehorchenden Vorstellung von Lebensführung überzeugt ist.
Bridget Jones, und ein bisschen vielleicht auch Renee Zellweger selbst, ist
jemand, bzw. die Figur eines Typs, über die man in diesem Falle gut lachen
kann und der Film ist dabei Komplize, eigentlich.
Dabei
ist jedoch bisweilen erschreckend, mit welchem Zynismus er, der Film, dann doch
zu Werke geht und den Archetypus der modernen, auf ganz eigene Art und Weise
benachteiligten Frau exponiert. Der Loop im Fernsehstudio von Bridget Jones'
Hintern, der gerade mächtig aus der Luft auf eine Kamera hinunterkommt
(sie ist, nicht an sich, aber in diesem Falle, Fallschirmspringerin) und damit
die ganze Plumpheit der Person in die Endloswiederholung am Schneidetisch packt,
ist dabei zwar bezeichnend genug, aber eigentlich noch das Mindeste. Das Potential
dieser Szene wird willig erfüllt in anderen Szenen, dass man sich an den
Kopf fasst, warum nun gerade Frauen in einer ähnlichen Position wie Bridget
Jones selbst hier einen Film für sich gefunden haben. Es mag vielleicht
auch etwas mit dem Märchen vom hässlichen Entlein zu tun haben oder
von Aschenputtel meinethalben, das am Ende dann doch, wie, natürlich, Bridget
Jones, einen Märchenprinzen kriegt (der allerdings so märchig gar
nicht ist, eher schon ist er eigentlich nur ein fades Rindvieh mit zugegeben
etwas Besitz; wieviel interessanter ist da doch eigentlich die von Hugh Grant
personifizierte Figur, zugegeben ein liederliches Wesen mit Macken von Funkturmgröße
- aber immerhin kein verbohrt-verspießter wandelnder Hirnriss).
Der
Gipfel des ausgestellten Zynismus (der, meiner Meinung nach, schwerer wiegt
als das versammelte Arsenal an Zynismen der Pulpkultur) ist schließlich
eine Episode in einem thailändischen Frauengefängnis, wo Bridget Jones
- unschuldig zwar, doch die Indizien wiegen schwer - wegen Drogenschmuggels
festgehalten wird. Hier wird dann alles zum Tand, zum billigen narrative
device,
das sich für keine Dreistigkeit zu schade ist. Die Episode dient, im wesentlichen,
dazu, Bridget Jones zu verdeutlichen, dass der arrogante Snob, dem sie hinterher
rennt, eigentlich doch ein dufter Typ ist, im direkten Vergleich mit den Schrecknissen
jedenfalls, die die inhaftierten Thailänderinnen - Zwangsprostitution,
Schläge, Drogenabhängigkeiten - von ihren Kerlen erfahren müssen.
Natürlich ist Bridget aber bald der Star in dieser Umgebung, verleiht BHs
und bringt den Mädchen das Singen bei. Am Ende der Episode gibt's zum Abschied
etwas Pralinen und all die kleinen Thai-Mädels hinter Gittern sind außer
sich vor Freude. Eine Flockigkeit, die hier vor sehr real anmutenden Kulissen
abgespielt wird, die einen nur noch grausen lässt.
Da
sich zudem ansonsten nichts in dem Film findet, was eines weiteren Blickes bedürfte
- man gibt sich in jeder Hinsicht als brav, altbacken, Klassisch-Egalem verpflichtet
zu erkennen -, bleibt auch eigentlich nur recht diese politisch-soziale Dimension
übrig, über die sich bezüglich dieses Films zu reden lohnt. Normalerweise
bin ich ein großer Freund davon, der für gewöhnlich im allgemeinen
Diskurs etwas überrepräsentierten Ideologiekritik weitere Themen zur
Seite zu stellen, die andere Ebenen eines Filmes verhandeln lassen. Dem steht
dieser Film jedoch selbst - gekonnt, möchte man fast sagen - im Wege. Gelacht
zuweilen, ja, mit Grausen.
Thomas
Groh
Diese
Kritik ist zuerst erschienen im:
Bridget
Jones - Am Rande des Wahnsinns
Großbritannien
2004 - Originaltitel: Bridget Jones: The Edge of Reason - Regie: Beeban Kidron
- Darsteller: Renée Zellweger, Hugh Grant, Colin Firth, Jim Broadbent,
Gemma Jones, Jacinda Barrett, Shirley Henderson - Prädikat: wertvoll -
FSK: ab 6 - Länge: 108 min. - Start: 2.12.2004
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