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Coma
Fleisch
!!
Ein
Krankenhaus tut sich auf. Ärzte, Pfleger, Schwestern, Stress. Noch und
noch mehr Patienten. Dr. Susan Wheeler (Geneviève Bujold) ist nicht nur
eine erfahrene und geschätzte Chirurgin; sie hat auch einen eigenen Kopf.
Der mit ihr befreundete Arzt Dr. Mark Bellows (Michael Douglas) bekommt dies
zu spüren. Mark ist "von der alten Schule", sprich: hat Macho-Tendenzen,
in Maßen, aber für Susan oft nicht akzeptabel. Ihre beste Freundin
Nancy (Lois Chiles) muss sich einer Operation unterziehen - ein Routineeingriff.
In OP 8 erklärt Anästhesist Dr. Cowans (Tom Borut) angehenden Ärzten
die Apparaturen zur Betäubung. Dr.
Richards (Philip G. Brooks) operiert. Und
dann passiert etwas, was alle Anwesenden nicht verstehen: Nancy wacht nicht
wieder auf, fällt ins Koma, und wenig später stirbt sie.
Michael
Crichton erzeugt anfangs des Films eine Atmosphäre, wie man sie aus Krankenhäusern,
weniger aus den heute gängigen TV-Krankenhausserien kennt. Alles ist im
Fluss. Crichton vermeidet Übertreibungen, zeigt Normalität - bis in
diese Normalität etwas eindringt: ein leiser Verdacht, der aber nur von
Susan vorgebracht wird. Crichton zeigt auch, mit welcher Kaltschnäuzigkeit
Ärzte mit Patienten umgehen. Eine Szene in der Pathologie zeigt einen Arzt,
der gerade das Gehirn der toten Nancy in Scheiben schneidet und mit einem Kollegen
über die Möglichkeit redet, wie man jemanden während der Operation,
ohne Spuren zu hinterlassen ins Jenseits befördern könnte.
Alle
anderen Ärzte, einschließlich Mark, zweifeln an irgendwelchen Unregelmäßigkeiten
bei der Operation von Nancy. Susan findet im Computer zehn Fälle von relativ
jungen Leuten, die bei geringfügigen Eingriffen im vergangenen Jahr nach
der Operation ebenfalls ins Koma fielen. Alles im Bereich des Normalen, erklären
ihre Kollegen, einschließlich dem einflussreichen Chef der Anästhesie,
Dr. George (Rip Torn), der sich von Susan auf den Schlips getreten fühlt.
Auch Chefarzt Dr. Harris (Richard Widmark) versucht, Susan davon zu überzeugen,
dass sie sich etwas einbildet, weil sie durch die Gefühle zu ihrer besten
Freundin in ihrem Beurteilungsvermögen beeinträchtigt sei. Er schickt
sie zum Krankenhaus-Psychologen.
Mark
sieht das ebenso. Alles schrecklicher Zufall. Auch als ein weiterer Patient
(Tom Selleck) nach einer einfachen Operation am Bein ins Koma fällt, versuchen
alle zu beschwichtigen, da die Fälle keine Gemeinsamkeiten aufwiesen. Susan
erfährt, dass die meisten Koma-Patienten, soweit sie überleben, in
ein staatlich gefördertes Institut, das Jefferson-Institut, überwiesen
werden, um sie dort angeblich aufgrund neuester medizinischer Techniken zu pflegen.
Das Institut liegt völlig abgelegen in einer einsamen Gegend. Es besteht
aus einem riesigen Beton-Komplex. Ärzte scheint es hier nicht zu geben.
Eine Mrs. Emerson (Elisabeth Ashley) und Wachpersonal scheinen die einzigen
Anwesenden neben den von der Decke hängenden, an Schläuche angeschlossenen
und durch modernste Apparate kontrollierten Koma-Patienten zu sein, wie Susan
bei einer Führung wenig später zu sehen bekommt.
Doch
dann erlebt Susan eine Überraschung. Ein Techniker, Kelly (Frank Downing),
im Krankenhaus flüstert ihr heimlich zu, ihr Verdacht, dass es hier nicht
mit rechten Dingen zugehe, sei richtig. Sie solle in den Maschinenraum kommen.
Als Susan dort eintrifft, findet sie Kelly ermordet auf. Nicht nur das: Sie
entdeckt eine metallene Leitung, die direkt in OP 8 führt, wo Nancy und
alle anderen Koma-Patienten operiert worden waren ...
Crichton
gelang ein langsamer, aber stetiger Spannungsaufbau, in dessen Verlauf immer
mehr Beteiligte, einschließlich Mark, in Verdacht geraten, für die
seltsamen Koma-Fälle verantwortlich zu sein. Auf der anderen Seite ist
Susan die einzige, die überhaupt Verdacht hegt. Sie wird zur Einzelkämpferin,
die zwar Angst hat, aber entschlossen ist, den Todesfällen auf den Grund
zu gehen - obwohl ihr niemand glaubt. Dabei wird dem Zuschauer zwar bewusst,
dass hier wohl gemordet worden ist. Doch welche Gründe für diese Morde
bestehen, bleibt lange unklar - auch, wer in die Machenschaften verstrickt ist:
Mark, Dr. George oder gar Chefarzt Dr. Harris?
Susan
gerät dabei zunehmend in gefährlichere Situationen. Der Mörder
Kellys verfolgt sie. Zu den aufregendsten Szenen des Films gehört diese
Verfolgungsjagd, die über einem Hörsaal in die Anatomie führt,
wo Dutzende von Leichen in durchsichtigen Plastiksäcken lagern. Ebenso
atemberaubend ist Susans heimlicher Aufenthalt im Jefferson-Institut nach der
Besichtigung, wo sie den wirklichen Grund für die Morde erfährt. Schließlich
kommt es zu einem spannenden Showdown, in dessen Verlauf Susan - unter Drogen
gesetzt - in OP 8 operiert werden soll - lebensgefährlich, wie sie weiß.
Und hier hilft ihr jemand, von dem sie keine Hilfe erwartet hätte.
Crichton
greift in "Coma" ein schon 1978 aktuelles und umstrittenes Thema auf,
über das ich hier nichts verraten will, da dies dem Genuss des Films abträglich
wäre. Geneviève Bujold spielt ihre Rolle angemessen, überzeugend
als willensstarke Ärztin, die sich nicht unterkriegen lässt und auf
ihre Gefühle ebenso vertraut wie auf die Indizien, die sie findet. Michael
Douglas spielt eben Michael Douglas, wie gewohnt. Für Richard Widmark gilt
ähnliches. Er mimt den über allen Dingen stehenden Leiter der Klinik,
der alles im Griff zu haben glaubt, den väterlichen Freund.
Summa
summarum: Ein sehenswerter, spannender Film - gedreht von einem Regisseur, der
selbst eine medizinische Ausbildung absolviert hatte, bevor er ins Filmgeschäft
einstieg.
Wertung:
9 von 10 Punkten.
Ulrich
Behrens
Diese
Kritik ist zuerst erschienen bei: http://www.follow-me-now.de
Coma
(Coma)
USA
1978, 113 Minuten
Regie:
Michael Crichton
Drehbuch:
Michael Crichton, nach dem Roman von Robin Cook
Musik:
Jerry Goldsmith
Kamera:
Victor J. Kemper, Gerald Hirschfeld
Montage:
David Bretherton
Produktionsdesign:
Albert Brenner
Darsteller:
Geneviève Bujold (Dr. Susan Wheeler), Michael Douglas (Dr. Mark Bellows),
Elizabeth Ahsley (Mrs. Emerson), Rip Torn (Dr. George), Richard Widmark (Dr.
George A. Harris), Lois Chiles (Nancy Greenly), Hari Rhodes (Dr. Morelind)
Internet
Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0077355
©
Ulrich Behrens 2005
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