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Du
mich auch
Eine Stadt (Berlin) mit ihren Klischees: von der
Saxofonbläserin auf der Straße bis zum Senator im Bordell. Und ein
Film (deutsch-schweizerische Produktion), der stilistisch mit allen Klischees
spielt: von der Kameraeinstellung, die darauf wartet, daß die Äktschn
ins Bild kommt, bis zur schnellen Nacherzählung eines Handlungsstrangs
in Standfotos. Die Spiel-Kunst des Films funktioniert; auch was unvollkommen
ist, ist noch eine Antwort auf die Stadt, die nichts als eine Anhäufung
von Unvollkommenheiten ist. Die Leute, die den Film machen, sind nicht bange
- weder vorm Handwerk des Films, noch als Protagonisten des Films. Noch die
extremste Situation ist handhabbar; schließlich rückt die Stadt weg
von dem Paar (Romeo und Julia); es ging sowieso um Romeo und Julia selbst, ihre
Antworten, ihre Fiktionen, ihre Lösungen. Der Film macht Mut ohne da."
deshalb explizite Dialoge formuliert werden müßten. Er stimmt mutig.
Vielleicht ist es nicht jedermanns Sache, in diese Stimmung, die zur innersten
Szene der Stadt gehört, einzutauchen. Das Publikum der Hamburger Kinotage,
das im Herbst über Filme abstimmte, plazierte DU MICH AUCH jedenfalls oben
auf die Charts, als zweitbeliebtesten Film.
Romeo und Julia geraten auf der Straße aneinander:
Julia holt das Saxofon aus dem Koffer und macht dem Gitarristen Romeo den Platz
streitig. Die Liebe folgt nach. Sie währt kurz. Was macht man, wenn es
nicht mehr kribbelt? Man streitet sich. Romeo setzt seine Tagträume problemlos
in die Wirklichkeit des Alltags um; ein Engel schwebt vor Julias Fenster vorbei,
Romeo hängt am Kran. Julia nimmt das, was selbstverständlich erscheint,
als solches hin, drum ist das Ganze nicht mehr als es ist, nämlich eine
nur halbgelungene Clownseinlage, und drum ist das leicht Peinliche der Performance
gerade das, was den Film stimmig macht. Nicht minder peinlich verläuft
Romeos Besuch im Quick-Bordell oder der Auftritt des zerstrittenen Musiker-Paars
auf der Hochzeitsparty der Bordellwirtin.
Mord, falscher Verdacht, Flucht. Romeo offeriert
als Ausweg einen warmen Abend am schönen Mittelmeer. Aber irgendwie haben
sie die Stadt doch nicht verlassen. Statt auf der Flucht sind sie auf der Suche
nach Philemon und Baucis, nämlich nach dem Paar, das sich nach 50 Jahren
noch so liebt, wie am ersten Tag. Die Suche führt sie in die Wohnmaschine,
mit der Berlin die Stadtautobahn überbaut hat, und sie finden in den Wohnschachteln
alles Mögliche, nur nicht die Personifizierung ihres moralischen Anliegens.
Auch dieses Vorhaben scheitert auf ebenso klägliche wie groteske Weise.
Und wieder ist es die Unverdrossenheit, mit der das Paar die unwahrscheinlichsten
Situationen meistert und die irrwitzigsten Ziele verfolgt, was es sympathisch
macht. Und was die beiden zum Happy End zusammenbringt.
Nichts wird behauptet in diesem Film. Mit naivem
Charme spinnt er den Stadtalltag derer weiter, die an seinen Rändern hausen.
Schwarzweiß und stimmungsvoll und frech und poetisch. Zusammengehalten
nicht zuletzt von der mitreißenden Musik (Nicki Reiser). - DU MICH AUCH,
frisch drauflos gedreht, keine Förderungsgelder (außer in Berlin),
Produktionszeit einige Jahre, - DU MICH AUCH hat eine Qualität, die man
in vielen politisch und akademisch ausgereiften Filmen vergebens sucht.
Dietrich Kuhlbrodt
Dieser Text ist zuerst erschienen
in: epd Film 11/86
Du
mich auch
BRD/Schweiz
1986. R und B: Anja Franke, Dani Levy, Helmut Berger. K: Carl-Friedrich Koschnick.
M: Nicki Reiser. T: Andreas Klein. A: Marion Strohschein. Ko: Mona Kuschel.
Pg: Känguruh-Filmproduktion/Filmkollektiv Zürich AG, Rolf Schmid.
Gl: Hans Georg Ullrich, Rolf Schmid. V: FiFiGe. L: 2000 m (85 Min.). DEA: Hamburger
Kinotage 1986. St: 2.10.1986. D: Anja Franke (Julia), Dani Levy (Romeo), Jens
Naumann (Gigolo), Mathias Gnädinger (Romeos Vater), Regine Lutz (Romeos
Mutter), Helma Fehrmann (Puffmutter), Karleen Rutherford (Sunshine), Michael
Kesting (Kleiner Bodyguard), Hans-Eckart Eckhardt (Großer Bodyguard),
Gerd Jessat (Senator).
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