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Dune - Der Wüstenplanet
An den Vorgaben
scheiternde Science fiction um einen auserkorenen Erlöser (Kyle MacLachlan),
der sich im Kampf um die Lebenssubstanz Spice mit dem mächtigen Imperator
Shaddam IV. anlegt.
Inhalt
Wir schreiben das
Jahr 10191. Der Weltraum wird beherrscht von zwei Völkern, dem der
machtsüchtigen Harkonnen auf der einen und dem der friedlichen Atreiden auf der
anderen Seite. Beiden geht es um die Alleinherrschaft, die nur derjenige in der
Hand hat, der über die Lebenssubstanz und gleichzeitig bewußtseinsändernde
Droge Spice verfügt. Diese Substanz kann nur auf dem Planeten Arakis, auch
bekannt als Dune, gefördert werden. Wem die Macht über das Spice zu eigen ist,
hat auch die Fähigkeit, bloß durch Gedankenkraft durch Raum und Zeit zu reisen.
Kritik
Der bereits 1963
erschienene erste Teil der Science-Fiction-Saga aus der Feder von
Bestsellerautor Frank Herbert sollte ursprünglich schon viel früher verfilmt
werden. Die komplexe und inhaltlich nicht leicht auf Zelluloid zu bannende
Story verhinderte aber dieses Vorhaben zunächst. Zwei Produzenten scheiterten
bereits an der Umsetzung durch ein Script, als Dino De Laurentiis, der sich
bislang mit "Flash Gordon" und "Conan, der Barbar" einen
Namen machte, sich der Sache annahm. Nachdem Ridley Scott ("Blade Runner", "Alien
") letztlich wegen der Unausgegorenheit des Drehbuchs absagen musste,
konnte De Laurentiis den damals eben erst durch "Elephant Man" beim
breiten Publikum bekannt gewordenen David Lynch für das Monsterprojekt
gewinnen. Schon damals hätte es sich Lynch lieber noch einmal überlegen sollen,
denn er selbst bekannte in einem Interview, "an SF eigentlich nicht so
sehr interessiert" zu sein. Viel eher begeistere ihn an Frank Herberts
Roman die Vielschichtigkeit der Charaktere und deren Tiefgang.
Ich möchte es
gleich vorwegnehmen: Dass David Lynch letztlich an der Verfilmung scheitert,
liegt nicht so sehr am komplizierten Handlungsaufbau als an seiner
Arbeitsweise, die diametral entgegengesetzt zum Stoff von "Dune"
stand. Lynch, der sich nie so sehr um die Narration als vielmehr um Form und
Struktur, um Träume und Stimmungen kümmerte, stand hier vor der unlösbaren
Aufgabe, ein in der Zukunft angesiedeltes Märchen, gespickt mit mystischen und
religiösen Elementen, mit Hilfe von Special Effects und einer Armada von
Schauspielern und Statisten popcorngerecht aufzubereiten. Als der Erfinder und
Schöpfer seiner eigenen Bildwelt war der Auftragsregisseur - und nichts anderes
war Lynch im Fall von „Dune“, was er aber erst später erkannte - heillos
überfordert.
Um keine
Fehlschlüsse aufkommen zu lassen: "Dune" präsentiert sich auf der
einen Seite sehr wohl als ein typischer Lynch-Film, gespickt von Elementen, wie
sie nur in Lynchville vorkommen können.
Egal, ob man
„Dune“ als politische Parabel - das Eindringen der "guten"
Kolonialmacht USA in die Kultur der Ureinwohner der Indianer - oder als
Schöpfungsgeschichte im Stile der Bibel oder der altgriechischen Mythologie
versteht, Lynch versagt letzten Endes wegen der straffen Erzählstruktur des
vorgegebenen Romans. Er ist eher damit beschäftigt, Geschichten zu beginnen und
ständig Personen in die Handlung einzuführen als Konflikte dieser Personen zu
entwickeln, die Figuren quasi leben zu lassen. Ein Hauptgrund dafür liegt
gewiss in der Tatsache, dass auf Wunsch des Studios aus der ursprünglich
4-stündigen Fassung fast die Hälfte rausgeschnitten werden musste, um es für
den amerikanischen Mainstream-Geschmack verdaulich zu machen. Lynch quittierte
dies mit dem bezeichnenden Ausspruch: "Ich machte den Film für die
Produzenten, nicht für mich selbst." So bleibt vieles für den Zuschauer
nur fragmentarisch, ohne nähere Erklärung und Sinn.
Vom Inhalt her
eher als B-Movie konzipiert, überzeugt "Der Wüstenplanet" hingegen
voll und ganz durch seine stilistische Prägnanz. Der Regisseur schuf eine neue,
durch dunkle (großteils braune) Farbe dominierte Welt, die, anders als es die
Film-Zeit vermuten ließe, irgendwo am Beginn der Industrialisierung stecken
geblieben ist. Denn die Maschinen der Harkonnen oder Atreiden sind nicht
automatisiert, sondern mechanisch, beeindrucken eher durch Größe als durch
Effizienz. Ähnlich wie bei "Twin Peaks"
oder "Eraserhead" zeigt Lynch uns eine
antiquierte, aber effiziente Industrielandschaft, die in „Dune“ durch ihre
Schönheit und Verspieltheit noch zusätzlich an Bedeutung gewinnt. Eine
Metapher, vielleicht, für eine in der Entwicklung steckengebliebene Welt; die
im Film fehlende Automatisierung ist durch die Entdeckung der Wunderdroge Spice
überflüssig geworden.
Die Industriewelt
des Planeten Giedi Prime, der Heimat der Harkonnen, belegt Lynch mit einem
fortwährenden pulsierenden Rauschen, etwas, das beim Zuschauer eine konstante
Beklemmung und Unsicherheit auslösen soll. Derart mit Soundelementen hat er
erst wieder bei "Lost Highway"
gespielt.
"Was Lynch
an „Dune“ vor allem interessiert hatte, waren die abstrakten Dinge, die
Poesie." Die Poesie ist es, die am Ende auf der Strecke bleibt. Die für
Lynch so wichtigen Symbole kommen nur nebenbei vor, ohne den Zusammenhang mit
Handlung oder Figuren zu veranschaulichen. Etliches bleibt somit unvollständig,
was miteinander hätte verbunden werden sollen.
Anmerkung: 1988
strahlte das US-amerikanische MCA-TV unter der Leitung von Harry Tatleman eine extended version aus, die von Lynch
nicht autorisiert wurde und dementsprechend lieblos wirkte.
Reinhard
Bradatsch, 25.07.2000
Dieser Text ist zuerst
erschienen in:
Zu diesem Film gibt’s im
archiv der
filmzentrale mehrere Texte
Dune - Der Wüstenplanet
DUNE
Alternativtitel: Der Wüstenplanet
USA - 1983 - 135 min. - Scope
FSK: ab 12; feiertagsfrei
Verleih: Neue Constantin
Erstaufführung: 14.12.1984
Produktionsfirma: Dino de Laurentiis
Produktion: Raffaella De Laurentiis
Regie: David Lynch
Buch:
Vorlage: nach dem Roman von Frank Herbert
Kamera: Freddie Francis
Musik: Toto, Marty Paich, Brian Eno, Roger
Eno, Daniel Lanois
Schnitt: Anthony Gibbs
Special Effects: Kit West, Carlo Rambaldi,
Barry Nolan, Albert Whitlock
Darsteller:
Francesca Annis (Lady
Jessica)
Kyle MacLachlan (Paul Atreides)
Virginia Madsen (Prinzessin Irulan)
Silvana Mangano
(Reverend Mother Ramallo)
Jürgen Prochnow
(Duke Leto Atreides)
José Ferrer
(Shaddam IV)
Linda Hunt
(Shadout Mapes)
Patrick Stewart
(Gurney Halleck)
Piter de Vries (Brad
Dourif)
Freddie Jones
(Thufir Hawat)
Sting (Feyd-Rautha)
Dean Stockwell
(Dr. Wellington Yueh)
Max von Sydow (Dr. Kynes)
Sean Young (Chani)
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