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Ein
Einsamer kehrt zurück
Ruhigen
Gewissens kann man dieses Sequel zu Clint
el solitario
(Italien 1967) zu den Nebenwerken des italienischen Westerns zählen. Ein
zwar handwerklich routiniert inszenierter und erzählter Film, dem aber
für eine signifikante Rolle innerhalb des Subgenres doch die Impulse fehlen.
Seiner späten Entstehungszeit - 1972 hatte der Italowestern seinen Zenit
bereits überschritten, hierzulande kam der Film gar erst drei Jahre später
in die Kinos - mag es zuzusprechen sein, dass der Film dafür eher schon
als Zitatarchiv funktioniert. Wenn Clint, der Einsame aus dem Titel, nach fünf
Jahren Flucht vor Kopfgeldjägern und ähnlichen Häschern nach
Hause zurückkehrt, wo ihn Gattin und Sohn verstoßen haben und die
kleine Tochter ihn nicht wiedererkennt, um dort dann als Arbeitskraft sukzessive
in den Schoß der Familie zurückkehren, fühlt man sich unweigerlich
an Peter Fondas The
Hired Hand
erinnert, der ein Jahr zuvor enstanden ist. Auch Klaus Kinski als wortkarger,
zynischer Kopfgeldjäger erinnert bisweilen an seine Figur in Corbuccis
Il
Grande Silenzio,
auch wenn ihm hier, zum Ende hin, der Luxus einer sogar recht menschlichen Note
gewährt wird. Kein Wunder: Wenn der Italowestern ein Kino der allgegenwärtigen
Auflösungserscheinungen ist, dann fungiert der späte Il
Ritorno di Clint il solitario,
nicht bloß narrativ, beinahe schon als Rückkehr zu Frau, Heim und
Herd: Der Anti-Held des italienischen Westerns ist 1972 bereits alt geworden.
Spannend
aber ist, wie der Film seine Vorgeschichte zu Beginn kurz rekapituliert. Auch
wer den ersten Teil nicht kennt, kann dieses Patchwork aus Erinnerungen und
melancholischen Gesichtsausdrücken - ein klein wenig Kenntnis der typischen
Stories des Subgenres vorausgesetzt - schnell deuten und erfassen. Gleich zu
Beginn entsteht dadurch eine Dynamik in der Geschichte, die einem das Gefühl
vermittelt, bereits einen ganzen Film vorneweg gesehen zu haben und schon tief
in diesen Film involviert zu sein. Das sorgt für Spannung und Aufmerksamkeit.
Gottlob verfällt der Film anschließend nicht in Apathie, sondern
kann seine nur minimalistisch erzählte Geschichte, in der sich die Jagd
eines Kopfgeldjägers auf Clint elegant mit dem typischen Genremotiv der
zu erlösenden Stadt, die von einer mafiösen Clique terrorisiert wird,
koppelt, spannend erzählen und schlüssig auflösen.
Wie
gesagt, der Film ist sicher im Genre nichts Besonderes. Aber er ist eben doch
solide und vermag zu unterhalten. Nicht zuletzt auch Kinskis pointierte Mimik
trägt dazu bei. Ein netter Film also. Schade bloß, dass der TV-Ausstrahlung
offensichtlich eine gekürzte Fassung zugrunde lag.
Thomas
Groh
Dieser
Text ist zuerst erschienen im:
Ein
Einsamer kehrt zurück
(Il
Ritorno di Clint il solitario)
Italien
1972
Regie:
Alfonso Balcázar; Drehbuch: Enzo Doria, Giovanni Simonell; Kamera: Jaime
Deu Casas; Musik: Ennio Morricone; Darsteller: George Martin, Klaus Kinski,
Marina Malfatti, Augusto Pescarini, Susanna Atkinson, Daniel Martín,
Fernando Sancho u.a.
Länge:
ca. 85 Minuten (geschnittene Ausstrahlung auf Tele 5 im Dez.2003)
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