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Einer
gegen das Imperium
Als
Anfang der 80er-Jahre das Fantasy-Kino mit Filmen wie CONAN DER BARBAR oder
AM ANFANG WAR DAS FEUER einige imposante Erfolge verzeichnen konnte, waren einmal
mehr die Italiener zur Stelle. Flink stampften sie eine ganze Reihe billig hergestellter
Produktionen aus dem Boden, deren Protagonisten sich in unwirtlichen Gefilden
bewähren mussten. Ob angesiedelt in der Urzeit der Menschheitsgeschichte
oder in den Ruinen eines Atomkriegs - immer stand im Zentrum die ausgeprägte
Neigung des Menschen, seinen Mitgeschöpfen schwer eins auf die Omme zu
kloppen!
Dass
IL MONDO DI YOR (aka EINER GEGEN DAS IMPERIUM) im Vergleich zum Gros der Mitbewerber
deutlich besser abschneidet, liegt sicher auch an dessen relativ üppig
bemessenem Etat, aber vor allem ist dies der Verdienst von Regisseur Antonio
Margheriti (aka Anthony M. Dawson), einem der ganz großen Heroen des Italo-Exploitationkinos.
Der leider vor kurzem verstorbene Margheriti hatte sich im Laufe seiner überaus
fleißigen Karriere einen Namen gemacht mit billig hergestellten Abenteuer-
und Actionfilmen, welche die Grenzen ihrer für gewöhnlich schmalen
Budgets sprengten und meist wesentlich teurer aussahen, als sie es tatsächlich
waren. Überhaupt galt bzw. gilt sauberes Handwerk als Qualitätsmerkmal
seiner zahlreichen Western sowie Sandalen- und Horrorfilme - wo Margheriti draufsteht,
darf man bedenkenlos zugreifen. Es war nur eine Frage der Zeit, wann sich der
quasi in allen Genres beheimatete Italiener auch auf das Barbaren-Terrain verirren
würde. Ein erfreulicher Glücksgriff, wie sich im Folgenden zeigt,
denn YOR liefert Freude in Hülle und Fülle!
Die
höheren Weihen erhält IL MONDO DI YOR allerdings erst durch seinen
Hauptdarsteller, dem großen Reb Brown! Dieser Mann ist schier nicht zu
fassen. Vom ersten Moment an, wenn er mit seiner blonden Zottelperücke
und einem grenzdebilen Grinsen im Gesicht ins Bild tritt, weiß man: Hier
geht nichts mehr schief! Völlig sinnfrei läuft der Mime während
des Vorspanns durch eine zerklüftete Einöde, nur bekleidet mit einem
Lendenschurz und Fellpuschen, begleitet von der heroischen Titelmusik der OLIVER
ONIONS. Nicht zu glauben, dass Mr. Brown tatsächlich einmal eine gute Rolle
in Philippe Moras DEATH OF A SOLDIER versehen durfte, wo es um einen geisteskranken
Mörder im Militärumfeld ging. Im Privatleben betätigte sich der
Kalifornier - so die IMDB - als professioneller Boxer, Footballspieler und sogar
Deputy-Sheriff - ein Mann für alle Fälle! Nachdem er in Albert Pyuns
Barbarenfilm THE SWORD AND THE SORCERER (aka TALON IM KAMPF GEGEN DAS IMPERIUM)
noch unter "ferner liefen" agierte, kam mit IL MONDO DI YOR seine
erste Hauptrolle, die ihn dann später zu filmischen Glanzstücken wie
Bruno Matteis STRIKE COMMANDO (aka COBRA FORCE) und ROBOWAR (aka ROBOMAN) führen
sollte.
Sein
Yor ist der nette Barbar von nebenan und rettet gleich erst einmal zwei Mitmenschen
das Leben. Die wunderschöne Ka-Laa und ihr väterlicher Freund Pag
wähnen sich nämlich von einer hübsch animierten Riesenechse angegriffen,
der Yor beherzt die Lichter aushaut. Obwohl diese Szene durch eine gewisse Blutrunst
auffällt, wird schon hier klar, dass Yor die Bedrohlichkeit eines Knuddelbären
besitzt - da kann er noch so grimmig gröhlen! Auch sagt er so schöne
Dinge wie "Das Blut unserer Feinde gibt uns Mut und Kraft!". Ka-Laa
ist von dem blondierten Recken jedenfalls mächtig angetan und schmeißt
sich an ihn ran.
Dass
sie auf das richtige Pferd bzw. den richtigen Esel setzt, zeigt sich schon bald,
als ein Stamm militanter Affenmenschen ihre Sippschaft überfällt.
Mit Keulen, die von Gesundheitskeulen so weit entfernt sind, wie das Keulen
möglich ist, werden alle Freunde Ka-Laas abgeschlachtet. Ihr selbst gelingt
unter der Obhut Yors die Flucht. In einem ausgehöhlten Baum kommt es zu
einer ersten zaghaften Annäherung - der innewohnende sexuelle Sprengstoff
dieser Szene flimmert kurz auf, um dann jäh zu erlöschen.
Spätestens
an dieser Stelle drängt sich ins Bewusstsein, dass die Schauspieler erstklassige
Seifenopern-Akteure abgeben würden - wenn ihr Gegenüber spricht, gucken
sie in den "reaction shots" immer so drein, als verstünden sie
absolut kein Wort, nicken aber immerhin freundlich ... Oder handelt es sich
etwa um Beamte im Staatsdienst?
Aus
solchen Erwägungen wird der Zuschauer jedoch gleich wieder herausgerissen,
denn erneut tauchen die fiesen Affenmenschen auf, entführen Frau Ka-Laa
zwecks Begattung und schmeißen Yor in eine Schlucht. Dieser überlebt
allerdings den schlimmen Sturz, befreit seine Flamme und taumelt anschließend
mit ihr von einem Abenteuer ins nächste.
Da
ist etwa die süße Roa, die mit ca. zehn überschminkten Mumienmännern
in einer Höhle haust und einen gigantischen Eiswürfel schmilzt. Sie
hat dasselbe Amulett um den Hals wie Yor und besitzt vielleicht den Schlüssel
zu ihrer beider Herkunft. Auch eine weitere Riesenechse sorgt vorübergehend
für Aufregung, doch gegen Yors geballte Muskelkraft hat Lurchi natürlich
keine Chance und gibt das Besteck ab.
In
einer Art prähistorischer Hippiekommune finden Yor und Ka-Laa für
kurze Zeit Unterschlupf, bis diese von Außerirdischen bombardiert wird!
Ein größenwahnsinniger Wissenschaftler, der sich selbst "Der
Höchste" nennt, lebt nämlich auf einer nahegelegenen Insel, baut
Androiden und hegt böse Pläne in seinem Busen. Doch natürlich
hat er die Rechnung ohne Yor gemacht, der mit einem Tattergreis in Pluderhosen
und einigen Rebellen alles daran setzt, dem Schurken ins Getreide zu fahren
...
Yor
ist wirklich Tarzan, James Bond und der Nikolaus in einer Person! Man kann von
diesem Film eigentlich unmöglich enttäuscht werden, denn kaum ist
eine Szene mit dem wunderbaren Reb Brown vorbei, lockt schon die nächste.
Dass ihm mit John Steiner ein ebenso bewährter wie charismatischer Mime
als Schurke gegenübersteht, erfreut das Herz des Exploitation-Freunds.
Luciano Pigozzi - so etwas wie der Peter Lorre des italienischen Kinos und ein
Dauergast in Margheriti-Filmen - spielt den gutmütigen Pag, während
man für die Rolle der Frau Ka-Laa Corinne Clery anwarb, die trotz ihres
Namens eigentlich Italienerin ist. In Just Jaeckins Edel-Softporno DIE GESCHICHTE
DER O. musste sie sich noch vom Aristokraten Udo Kier peinigen lassen, doch
IL MONDO DI YOR bringt die Clery wahrlich zurück zur Basis - volle Kelle
Proletenpower!
Dass
sich Corinne nicht auszieht (oder Reb!), gerät zu einem der wenigen Schwachpunkte
des Werks, aber in Italien haben solche Produktionen eher den Status von Kinderfilmen,
und in gewisser Weise sind sie ja auch so schon nackter als nackt. Wie John
Steiner auf einen hüllenlosen Reb Brown reagiert hätte, wäre
schon interessant gewesen - schließlich muss der sich in seiner Inselfestung
mit den doofen Androiden bescheiden, und die sehen alle aus wie Darth Vader
im Fetischstudio! Neben der bezaubernden Französin Carole André
chargieren fast nur noch türkische Akteure, was an dem Produktionspartner
liegt, der wohl gleichfalls die vielen neuen Drehorte beisteuerte.
Mit
IL MONDO DI YOR ist Margheriti ein ebenso unterhaltsames wie aufregendes Actionabenteuer
gelungen, das fraglos einen der Höhepunkte italienischer Barbarenfilmkunst
darstellt. Langweilige Momente gibt es kaum, es kracht und zischt an allen Ecken,
und auch in seinem Spezialmetier - der Effektkunst - lässt Antonio sich
nicht lumpen. Die vermutlich bereits in der Originalfassung nicht übermäßig
kopflastigen Dialoge wurden von der deutschen Synchronisation noch mit einigen
Esslöffeln puren Deliriums abgeschmeckt. Dies stünde einem schwedischen
Grübeldrama kaum gut zu Gesichte, hier ist es allerdings das Salz in der
Suppe!
Mein
persönlicher Lieblingsmoment kommt, wenn Yor seine futuristische Schusswaffe
direkt auf den Oberbösewicht richtet, selbige dann ohne sichtbaren Anlass
wegschmeißt und gröhlt: "Da helfen nur die alten Waffen!"
Eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte, die in einer fernen, übertechnisierten
Welt auf der Strecke geblieben sind? Möglicherweise ist das die Aussage
des Films, doch für uns spaßfixierten Fans des groben Unfugs zählt
da eher der Leitsatz: "Haue regiert die Welt!" Und was soll ich sagen
- es gibt zu IL MONDO DI YOR sogar eine 200-Minuten-Fernsehfassung, die ich
einmal in Händen hielt. Habe ich sie mitgenommen? Nein, ich ließ
sie liegen, und dafür schäme ich mich bis heute. Denn mit Reb Brown,
Frau Ka-Laa und den Monsterechsen macht das Leben einfach doppelt soviel Spaß!
[Anm.:
Auf ein bisher unerwähntes Highlight von IL MONDO DI YOR sei abschließend
unbedingt noch hingewiesen. Man beachte die große Ansammlung schlimmer
Frisuren (nicht nur Reb Brown schockiert!), für die sich Angnese Panarotto
verantwortlich zeichnet, und die allesamt in die Kategorie "serious hair
crimes" fallen. Nicht umsonst haben wir den Film unter dem Motto HORROR-HAARE
gezeigt! In diesem Zusammenhang empfehlen wir auch den Besuch der ebenso wunderbaren
wie erschütternden Website www.FIESE-SCHEITEL.de ,
welche haufenweise bizarre Haarschnitte, eingeteilt in verschiedene Kategorien,
aus den schönsten Jahrgängen präsentiert.]
Christian
Kessler
Diese
Kritik ist zuerst erschienen bei: http://www.buio-omega.de/
Bitte
auch ansehen: http://www.christiankessler.de/
Einer
gegen das Imperium
Originaltitel:
IL MONDO DI YOR
YOR
- LE CHASSEUR DU FUTUR (Frankreich)
Alternativtitel:
YOR - THE HUNTER OF THE FUTURE (USA/Großbritannien)
YOR
- EL CAZADOR QUE VINO DEL FUTURO (Spanien)
Land
und Jahr: Italien, Frankreich, Türkei 1983
Regie:
Anthony M. Dawson [= Antonio Margheriti]
Produktionsfirma:
Diamant Film & RAI, Italien
Produktion:
Michele Marsala
Ausführende
Produzenten: Sedat Akdemir & Ugur Terzioglu
Drehbuch:
Robert Bailey & Anthony M. Dawson [= Antonio Margheriti]
Buchvorlage
basierend auf dem Comic von Juan Zanotto & Ray Collins aus dem Jahre 1975
Kamera:
Marcello Masciocchi
Schnitt:
Giorgio Serrallonga & Alberto Moriani
Musik:
John Scott
Zusätzliche
Musik: Guido & Maurizio De Angelis
Regieassistenz:
Ignazio Dolce
Kamerassistenz:
Luigi Conversi
Schnittassistenz:
Pina La Rosa & Pietro Tomassi
Special
Effects: Edoardo & Antonio Margheriti
Modelle
& Miniaturen: Antonella Margheriti
Ausstattung:
Walter Patriarca
Kostüme:
Enrico Luzzi
Masken:
Mario Scutti
Hairstylist:
Agnese Panarotto
Stunt–Koordination:
Goffredo Under & Aldo Dell'Acqua
Produktionsmanagement:
Michele Germano & Roberto Onorati
Produktionsleitung:
Timucin Selgur
Aufnahmen
gefilmt an Original-Schauplätzen in der Türkei und in den A.F.M. Studios,
Istanbul;
Special
Effects und zusätzliche Innenaufnahmen: De Paolis Incir.
Darsteller
Reb Brown (Yor), Corinne Clery (Ka-Laa), John Steiner (Der Höchste), Carole
André (Ena), Alan Collins [= Luciano Pigozzi] (Pag), Ayshe Gul (Roa),
Aytekin Akkaya (Ukan), Marina Rocchi (Tarita), Sergio Nicolai (Kay), Ludovico
Dello Joio, Nello Pazzafini, Adnan Akdemir, Berent Akdemir, Ali Selgur, Zeynep
Selgur, Cenk Akin, Zeynep Oksuz, Nurdan Asar, Yadigar Ajder, Nilgun Bubikoglu,
Tevkif Sen, Yasemin Celenk, Levent Cakir u. a.
deutsche
Erstaufführung: 16.03.1984
Verleih:
Alemannia Filmverleih GmbH
Format
1:1,85
Laufzeit:
87 Minuten (deutsche Kino-Version); Originallänge: 98 Minuten
Home-Entertainment
Video:
All
Video;
Vestron
Video International, Großbritannien;
RCA/Columbia
Pictures Video, USA;
Roadshow
Home Video, USA (?).
DVD:
Best Buy Movie.
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