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Flame
„Aren't
we heroes?" „No, we're just women". Eine
Antwort, die sarkastisch gemeint ist, polemisch, resigniert auch, bitter. Denn
natürlich sind sie Heldinnen, auch wenn die Welt, in der sie leben, das
nicht wahrhaben will: Florence und Nyasha, „Comrade Flame" und „Comrade
Liberty". Damals, im rhodesischen Befreiungskrieg der späten siebziger
Jahre hatten sich die beiden Mädchen als Guerilla-Kämpferinnen eine
aktive Beteiligung am gesellschaftlichen Aufbruch ihrer Gesellschaft erstritten.
Über 20 Jahre später, 1995, sind sie gerade mal geduldete Mitglieder
einer wieder von Männern dominierten, diesmal allerdings schwarzen Gesellschaft.
„Flame" war damals, in den Dschungelzeiten, Florences Kriegername. Noch
früher, als „Flame" noch Florence hieß, lebte das Mädchen
mit Eltern und Geschwistern in einem kleinen rhodesischen Dorf, ein eher ratloser
Teenager, der auf das Erwachsenwerden in Form eines Ehemannes wartete. Doch
bevor der auftaucht, wird ihr Vater verhaftet.
Florence
schließt sich der Guerilla an, und sie überredet ihre Freundin mitzukommen
durchs Land in die Urwälder von Mozambique, wo sich die Trainingscamps
der bewaffneten Gruppen verstecken. Fast zärtlich begleitet die Kamera
die beiden afrikanischen Dorfmädchen auf ihrer beschwerlichen Reise. Schön
ist das anzusehen, trotz aller Entbehrungen, bunte Farbtupfer im kargen Geröll
die Kleider der beiden, eins blau, das andere knallig rosarot. Liebevoll vertraut
die beiden Heroinnen in einem Unterschlupf zusammengekuschelt. Inszeniert mit
einem poetisierenden, aber ganz und gar nicht verklärenden Blick auf die
afrikanische Landschaft.
Die
in Großbritannien geborene Regisseurin Ingrid Sinclair erzählt diese
Geschichte so schlicht und so einleuchtend schön, als hätte sie das
Kino gerade erfunden. Dabei gelingt es ihr, durch einen klugen Handgriff die
Fallen des üblichen vereinnahmenden Dritte-Welt-Pathos zu vermeiden: FLAME
nämlich gibt sich als intimer, privater Film, der sich, abgesehen von einem
kurzen historischen Vorspann, ganz auf die Perspektive seiner Protagonistinnen
verläßt. So ist ein Überfall von Soldaten auf ein Dorf nur distanziert
aus der Sicht der hilflosen Beobachter zu sehen, die „große Politik"
wird über Medien, Fernsehschirme vermittelt. Den Fokus aber hat FLAME auf
das Lagerleben gerichtet. Die neue Welt, die sich den Mädchen bei der Ankunft
auftut, die kleinen Freund-und Feindschaften im „Frauenbataillon", besonders
aber das Mackergehabe der Genossen, ihr Waffenfetischismus („Hoch die Gewehre!")
und ihr autoritäres Gehabe sind im kritischen Zentrum des Blickfelds.
Daß
der Film dabei auch die Vergewaltigung weiblicher Kämpferinnen durch ihre
männlichen Genossen nicht ausspart, hat in Zimbabwe den Zorn der Veteranenverbände
hervorgerufen. So wurde die Rohschnittfassung von FLAME vorübergehend wegen
„Pornographie" und „subversiver Inhalte" beschlagnahmt, der Film,
dem Pornographisches nun wirklich kaum nachgesagt werden kann, aber schließlich
durch die oberste Zensurbehörde des Landes freigegeben. Als er dann Mitte
1996 ins Kino kam, wurde er sowohl in Zimbabwe wie in Südafrika zu einem
beachtlichen Publikumserfolg und erhielt zusätzlich zu Preisen der Festivals
in Karthago, Amiens und Harare die Auszeichnung der OAU als bester Film des
Jahres. Ein notwendiger Tabubruch offensichtlich. Dabei geht FLAME zwar eindeutig,
doch eher versöhnlich sanft mit diesem Aspekt seines Themas um. Der Vergewaltiger,
„Comrade Che", wird sich später bei „Flame" entschuldigen: die
Einsamkeit, der Stress. Das macht die Tat nicht ungeschehen. „Flame" akzeptiert
die Entschuldigung nicht, nimmt aber den Mann als Freund. Hat Nyashy/„Liberty"
vielleicht recht? Die Freundin, die zur Missionsschule ging und eine Collegekarriere
anstrebt, wirft „Flame" Abhängigkeit von der Gunst des Männerlächelns
vor.
Kämpferin
versus Karrieristin: FLAME kann sich Polarisierungen wie die zwischen den beiden
Freundinnen leisten, ohne in Schematismen zu verfallen, weil Ingrid Sinclair
weder vorgibt noch versucht, epische Fülle widerzuspiegeln. Fast lehrstückhaft
schlicht wird diese Fabel erzählt, von plakativer Simplizität sind
viele der englischsprachigen Dialoge. Doch was zu sehen ist auf der Leinwand,
die Bilder, die Gesichter, ist erfüllt von Ambivalenzen. Und diese Spannung
funktioniert nur, weil die beiden Hauptdarstellerinnen einen überwältigenden
Reichtum an Ausdrucksmöglichkeiten an den Tag legen: In einer einzigen
Sekunde, einem Gesichtsausdruck sind sie neugierig und verunsichert, tollkühn
und ratlos, entschlossen und ängstlich zugleich. Zusätzlich, und das
ist ein Genuß, zeigt die Kämpferin „Flame" auch, wie der weibliche
Körper aufleben kann, wenn er aus dem Passiv ins Aktiv rutscht und anfängt,
sich zu bewegen. Die Frau in T-Shirt und Kampfhose, nicht als Ausstellungsstück,
sondern ganz selbstverständlich, und dabei wunderschön.
FLAME
ist als eine einzige große Rückblende erzählt. Am Ende des Films
dann, in der Nachkriegszeit, treffen sich alte Freunde, um, wie der Rest der
Nation, den Tag der Befreiung zu feiern. Man plaudert, lacht, trinkt. Im Fernsehen
gibt es Bilder von der offiziellen Parade, Militär in Massen. Soldaten,
Tiefflieger in Formation. Als „Flame" die Flugzeuge hört und sieht,
droht sie zusammenzubrechen. Da fordert sie Rado, der Chauffeur, eher ein Unheld,
und einer, der auch den damaligen Angriff miterlebt hat, zum Tanzen auf. Florence
nimmt die Aufforderung an. Und beide lächeln.
Silvia
Hallensleben
Dieser Text ist zuerst erschienen in: epd film 3/98
Flame
FLAME
Zimbabwe
1996. R: Ingrid Sinclair. B: Ingrid Sinclair, Barbara Jago, Philip Roberts.
P: Simon Bright, Joel Phiri. K:
Joao Costa. Sch:
Elisabeth Moulinier. M:
Philip Roberts, Dick Chingaira, Keith Goddard. T:
Faouzi Thabet. A:
Catherine Tredgold. Ko:
Hfeetan Bhagat. Pg:
Black b White Film Co./JBA/Dnland. V: Kairos. L: 90 Min. St: 5.3.1998. D: Marian
Kunonga (Florence/Flame), Ulla Mahaka (Nyasha/Liberty), Norman Madawo (Danger),
Moise Matura (Che), Dick „Chinx" Chigaira (Rapo), Jackie Jojo (Shingi),
Stanford Sengu (Panther).
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