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Der
Fluch der goldenen Blume
Gong Li steht zum ersten Mal seit elf Jahren wieder
für Zhang Yimou vor der Kamera. In dem Historiendrama Der Fluch der goldenen
Blume spielt sie die intrigante Gattin eines böswilligen Kaisers.
Zwischen 1987 und 1995 stand Gong Li in den ersten
sieben Filmen ihres damaligen Lebensgefährten Zhang Yimou als Hauptdarstellerin
vor der Kamera. Nach der Trennung des Paares im Jahr 1995 endete auch die berufliche
Zusammenarbeit. Während Gong Li im weiteren Verlauf ihrer Karriere unter
anderem mehrere Male mit Zhang Yimous innerchinesischem Kontrahenten Chen Kaige
zusammenarbeitete (zum Beispiel Verführerischer
Mond, Feng
Yue, 1996) und seit einigen Jahren
versucht, eine zweite Karriere in Hollywood zu starten (Die
Geisha, Memories
of a Geisha, 2005; Miami
Vice, 2006; Hannibal
Rising, 2007, geriet Zhang Yimou
in eine kleine Schaffenskrise, die erst mit dem Erfolg seines hyperstilisierten
Martial-Arts-Spektakels Hero (Ying
xiong, 2002) endete.
Nun sind die Schauspielerin und der Regisseur wieder
vereint. Allerdings unterscheidet sich ihre neue gemeinsame Arbeit immens von
den perfekt strukturierten, ebenso politischen wie sinnlichen Melodramen á
la Ju Dou
(1990) oder Shanghai Serenade (Yao a
yao yao dao waipo qiao, 1995), mit
denen beide bekannt wurden. Der Fluch
der goldenen Blume (Man
cheng jin dai huang jin jai) ist
nach oben erwähntem Hero und dessen Nachfolgefilm House
of Flying Daggers (Shi mian
mai fu, 2004) bereits der dritte
Film Zhang Yimous im Genre des chinesischen Schwertkampfdramas, genannt Wuxia.
Dieses Genre, das seine Hochzeit im Hongkong der
siebziger Jahre erlebte, definierte sich in letzter Zeit vor allem über
filmtechnische Exzesse auf allen Ebenen. Die Filme versuchten eine Synthese
zeitgemäßer Actionsequenzen im Stil der Matrix-Trilogie (1999-2003) und opulentem Kostümkino.
Obwohl er zwei der besten Filme des Genres in diesem Jahrtausend drehte, war
Zhang Yimou an dieser Entwicklung, die in Chen Kaiges Wu
Ji (2005) einen unrühmlichen
Höhepunkt fand, nicht ganz unschuldig. Nach House
of Flying Daggers schien er sich
mit dem ruhigen, stellenweise leicht didaktischen Drama Riding
Alone for Thousands of Miles (Qian li zou dan qi,
2005) denn auch konsequenterweise wieder anderen filmischen Gefilden zuzuwenden.
Der Fluch der Goldenen Blume
verzichtet fast vollständig auf die aufwändigen, exaltierten Martial-Arts-Sequenzen,
die das Genre in den letzten Jahren prägten. Auch die bedingungslose Stilisierung,
die gerade Zhang Yimous eigene Genrebeiträge auszeichnete, sucht man vergebens.
Entkleidet des hyperkinetischen Spektakels der Vorgängerfilme, präsentiert
Der Fluch der Goldenen Blume die materiellen und ideologischen Grundlagen des
Wuxia-Films neuerer Prägung in Reinform. Zhang Yimous neues Werk ist zu
allererst, und insbesondere in der zähen Anfangsphase des Films, obsessives
Ausstattungskino der unangenehmeren Art.
Der Bildraum ist, ebenso wie in den vorherigen Genrebeiträgen
des Regisseurs, von flatternden Tüchern und extravaganten Gewändern,
von Blumen, Ölen und Gewürzen in allen Farben und Formen ausgefüllt.
Doch während Hero und House
of Flying Daggers diese Elemente
vorrangig als Spielmaterial benutzten und in flirrende Bewegung versetzten,
pflegt Der Fluch der Goldenen Blume
ein rein fetischistisches Verhältnis
zu seinen Schauwerten, die hier stets und ausschließlich auf Jahrtausende
alte chinesische Traditionen verweisen. In der Materialität der Kampfesrüstungen
wie der sanft schimmernden Gewänder der Kurtisanen sucht der insistierende
Blick der Kamera die Essenz einer martialischen Kulturnation und verfolgt dabei
ein deutlich reaktionäres Projekt. Die ebenso fein gewirkten wie oft fast
unnatürlich statischen Ornamente des Palastes, durch die bedingungslose
Artifizialität des gesamten Filmes von Anfang an jeder konkreten historischen
Zuordnung und damit auch jeder politischen Kritik entzogen, sind dem eigentlichen
Plot stets vorgeordnet und drohen nicht nur die Figuren, sondern bisweilen auch
die Zuschauer zu erdrücken.
Und es gibt kein Entkommen. Denn im Gegensatz zu
Hero
und House of Flying Daggers, die von einer fast dialektischen Bewegung von der
Beengung der imperialen Räumlichkeiten zum Außen der utopisch stilisierten
Natur bestimmt waren, spielt der Film fast ausschließlich innerhalb der
Wände des kaiserlichen Domizils. Hinter der – nebenbei bemerkt nicht einmal
besonders inspiriert fotografierten – Oberfläche tritt mit zunehmendem
Fortgang der Handlung ein kammerspielartiges Familiendrama zu Tage, das deutlich
die Dramen Shakespeares heraufzubeschwören versucht. Im Mittelpunkt aller
Intrigen steht ein Königspaar. Der Herrscher Ping (Chow Yun Fat) ist dabei,
seine Gemalin Phoenix (Gong Li) durch ein langsam wirkendes Gift in den Wahnsinn
zu treiben. Diese wiederum durchschaut das böse Spiel bald und hat eigene
Pläne. In das eheliche Kreuzfeuer geraten die drei Söhne und potenziellen
Trohnfolger Wan (Liu Ye), Jai (Chou Jay) und Yu (Junjie Qin). Vor allem dank
einer glänzend aufgelegten Gong Li weiß Der
Fluch der goldenen Blume im handlungsbetonten
mittleren Abschnitt des Films durchaus zu überzeugen, wenn man sich mit
den oben beschriebenen Eigenheiten des Settings abfinden kann.
Sobald sich der Film seinem Ende neigt, lassen die
einzelnen Mitglieder der Königsfamilie ihren Armeen freien Lauf. Nun beginnen
wieder die altbekannten, und nicht nur in diesem Fall etwas ermüdenden
Kämpfe zwischen gewaltigen, verschiedenfarbigen Armeen, die sich so lange
gegenseitig massakrieren, bis das Blut im Schlossgarten meterhoch steht. Der
Tod abertausender gesichtsloser und vollständig computeranimierter Kämpfer,
die nichts weiter sind als Verfügungsmasse der Intrigen der Hauptfiguren
und in weiterem Sinne des Drehbuchautors, gehört zwar zu den Konventionen
des Genres, hinterlässt jedoch in einem Film, der so sehr damit beschäftigt
ist, noch das kleinste Insignium imperialer Macht perfekt auszuleuchten, einen
reichlich bitteren Nachgeschmack.
Lukas Foerster
Dieser Text ist zuerst erschienen in: critic.de
Der
Fluch der goldenen Blume
China
2006 - Originaltitel: Curse of the Golden Flower / Man cheng jin dai huang jin
jia - Regie: Zhang Yimou - Darsteller: Gong Li, Chow Yun Fat, Jay Chou, Liu
Ye, Chen Jin, Ni Dahong, Li Man, Qin Junjie - FSK: ab 12 - Länge: 114 min.
- Start: 26.4.2007
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