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Frei
nach Plan
Franziska Meletzkys krampfhaft beschwingte Komödie
"Frei nach Plan" ist ein Abgrund an Frauenzeitschriften-Spießigkeit.
Anne, Iris, Marianne: Drei Schwestern
im mittleren Alter treffen sich wieder in der brandenburgischen Provinz, sie
sind gekommen, den Geburtstag ihrer Mutter zu feiern, die freilich nicht sonderlich
feierwillig scheint. Jeder der Schwestern, auch der Mutter und ein paar Männern
dazu, gibt der Film ein Päckchen zu tragen, ein kleines Schicksal, aus
dem er Funken zu schlagen versucht. Die eine, Anne (Dagmar Manzel), ist pleite,
als Rocksängerin gestrandet (spät im Film wird auch sehr anschaulich,
warum). Die andere, Marianne (Kirsten Block), lebt eine langweilig gewordene
Ehe mit einem Mann (Robert Gallinowski), der auf Jobsuche ist und ansonsten
nichts besseres zu tun hat, als sie mit ihrer Schwester Anne zu betrügen.
Bleibt Iris (Corinna Harfouch),
die als früh gealterte Jungfer noch bei der Mutter (Christine Schorn) lebt,
unfroh, versteht sich. Später im Film bandelt sie sehr zögerlich mit
einem örtlichen Handwerker an. Verfrüht und für manche unerwartet
steht dann, die Familie und die Verwirrungen komplett zu machen, der Ex-Mann
(Otto Mellies) der Mutter vor der Tür. Er hat seine sehr viel jüngere
neue Partnerin dabei, die, wegen Narkolepsie, immerzu einschläft in fröhlicher
oder nicht so fröhlicher Runde am Tisch. Dies sind die Geschichten, die
"Frei nach Plan" erzählt, und zwar, indem er grobe Keile Humor
in grobe Klötze Frauenschicksale treibt, ein ums andere Mal. Zwischen den
Episoden, die krampfhaft tun, als seien sie mitten aus dem Leben gegriffen,
spielt beschwingt die Musik.
Buch und Regie (leider wahr: beides
in Frauenhand) nehmen diese hoch angestrengte Beschwingtheit freilich nur als
Lizenz, die Frauen, von denen sie erzählen, an keiner Stelle für voll
zu nehmen und also das, was ihre Tragik sein könnte oder ihre Stärke,
ihr Kampfesmut oder ihre Verbitterung, an dümmliche und dämliche Pointen
zu verschenken. Das Ensemble der DarstellerInnen kommt fast durchweg vom Theater
und darum wird das, was schon im Drehbuch nicht subtil gewesen sein kann, durchs
der eigenen Virtuosität deutlich bewusste Spiel der Beteiligten aller allenfalls
noch vorhandenen Uneindeutigkeiten beraubt. (Einzig Dagmar Manzel kämpft
mit so viel Frische gegen die Pläne, die das Drehbuch mit ihr hat, dass
man ihr gerne zusieht.) "Frei nach Plan" ist eine abgrundtief spießige
Mixtur aus Narkolepsie-Scherzen, Midlife-Beziehungskistenblödsinn auf Frauenzeitschriftniveau
und Seniorensex-Humor. Dann noch ein Tänzchen hier, ein Tänzchen da.
Anderthalb Ehebrüche, keine Hochzeiten, aber ein Todesfall. Und ganz am
Ende ein herrenloser Elefant.
Ekkehard Knörer
Dieser Text ist zuerst erschienen
in: www.perlentaucher.de
Frei
nach Plan
Deutschland 2007 - Regie: Franziska Meletzky - Darsteller: Corinna Harfouch, Dagmar Manzel, Kirsten Block, Christine Schorn, Robert Gallinowski, Otto Mellies, Simone Kabst, Robert Kersten, Ramona Libnow - FSK: ab 12 - Länge: 90 min. - Start: 6.3.2008
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