zur
startseite
zum
archiv
Get
Carter
(1971)
Do
they get him?
Jack
Carter (Michael Caine) heißt Racheengel – nothing else if you ask me.
Carter
– über ihn ist nichts bekannt. Vielleicht nur, dass er für eine gewissen
Gerald Fletcher (Terence Rigby) gearbeitet hat und mit dessen Frau Anna (Britt
Ekland) das Bett teilt. Aber Frauen sind für Carter nur Dutzendware; er
schläft mit ihnen, doch das bedeutet wirklich nichts. Carter weiß
mit Moral nichts anzufangen; für ihn sind alle anderen eben andere, Mittel
zum Zweck, zu welchem auch immer. Carter ist Profikiller, trinkt bitteres Bier
nur aus einem dünnwandigen Glas und hat Telefonsex mit Anna, während
die Inhaberin einer Pension, Edna (Rosemarie Dunham), eine Frau in mittleren
Jahren, keine zwei Meter von ihm entfernt im Schaukelstuhl hin und her wippt.
Später wird Carter auch mit Edna schlafen, mit Glenda (Geraldine Moffat),
der Freundin des Gangsters Kinnear (John Osborne), nur nicht mit Margaret (Dorothy
White), der Lebensgefährtin seines Bruders Frank.
Frank
ist tot, angeblich betrunken mit dem Auto verunglückt. Sein Sarg steht
in einem Zimmer der schäbigen Wohnung, in der Margaret lebt, irgendwo in
den Arbeitervierteln Newcastles, wo Worte wie Hoffnung, Glück und Liebe
aus dem Sprachschatz verbannt wurden. Carter schaut den toten Frank an, rasiert
sich dabei, bis der Sarg geschlossen und Frank beerdigt wird. Carter ist sich
sicher, dass sein Bruder weder Selbstmord begangen, noch einen Unfall hatte.
Deshalb ist er von London nach Newcastle gekommen – um die zu finden, die Frank
ermordet haben. Frank hinterlässt eine Tochter, Doreen (Petra Markham),
ein Mädchen im schulpflichtigen Alter, die aber längst nicht mehr
zur Schule geht, sondern bei Woolworth als Verkäuferin arbeitet.
Carter
kennt die Szene in Newcastle, all die alten Gauner und Gangster, zu denen auch
Eric Paice (Ian Hendry) gehört, den er auf der Rennbahn trifft – in Chauffeurskleidung
mit dunkler Brille. Carter hat ein Gespür dafür, wo er die Mörder
seines Bruders finden wird. Eric will nicht sagen, für wen er den Chauffeur
spielt. Carter sagt ihm, wofür er ihn hält: Er nimmt ihm die Brille
ab und sagt: „Your eyes look like pissholes in the snow.“ Carter verfolgt Eric
heimlich, trifft auf Kinnear, der mit Harry und anderen pokert. Carter zeigt
seine Entschlossenheit, die Mörder zu finden. Er trifft auch auf Cliff
Brumby (Bryan Mosley), der ihm später viel Geld anbieten wird, damit Carter
verschwindet. Carter schlägt alles aus, auch die Rückfahrkarte nach
London, die ihm der scheue Thorpe (Bernhard Hepton) an der Pension vorbeibringt.
Carter wird zur Gefahr, und die Killer Con (George Sewell) und Peter (Tony Bleckley),
später auch Eric, versuchen den Unruhestifter zu schnappen.
Mit
„Get Carter“ inszenierte Mike Hodges („Der
Croupier“,
1998) eine Art Ur-Crime-Story, die Geschichte eines skrupellosen, kaltblütigen
Killers, der das Gesetz der Straße, der Gangster verletzt, weil er nach
der Ursache für den Tod seines Bruders sucht, und die Mörder hinrichten
will. Vieles erinnert an Scorseses „Taxi
Driver“
(1976), in dem Robert de Niro als Travis Bickle eine ähnliche Figur verkörperte.
Carter ist bereits tot vor seinem Tod. Er hat sich festgelegt, ist festgefahren
in einer Welt, die er selbst mit geschaffen hat. Sein Leben ist gelaufen. Die
Kaltblütigkeit, mit der er sich rächt, lässt wenig spüren
davon, dass in ihm noch irgend etwas lebt. Nur wenn er Franks Tochter Doreen
begegnet, trifft man auf Spuren von Emotion, die Carter hinter seinem steinernen
Gesicht gut verbergen kann. Er will Doreen mit nach Südamerika nehmen,
wenn das alles hier vorbei ist. Doreen aber will nicht. Er warnt sie, sie soll
Männern nicht vertrauen. Er weiß, wovon er redet, denn die Männer,
die er kennt, einschließlich sich selbst, kennen kein Vertrauen.
Die
Kälte hat ihre eigenen Gesetze, und Carter verletzt sie, indem er sie anwendet.
Frank hat einen „Fehler“ begangen, für den er nach diesen Gesetzen mit
seinem Leben bezahlen musste. Carter geht es nicht so sehr um Frank, um einen
Menschen, einen nahen Verwandten. Es geht ihm ums Prinzip, mafiaähnlich
handelt er, zögert nicht, kann warten, zieht die Schlinge um die Mörder
enger, schlägt präzise zu, wenn die Zeit gekommen ist. Carter ist
entschlossen.
Die
Bilder von Wolfgang Suschitzky und die Musik Roy Budds tun ein übriges,
um die Kälte der sozialen Strukturen und der in ihnen handelnden Figuren
deutlich werden zu lassen. Das ist das besondere an diesem Film: Spiel der Akteure,
Musik, Szenerie – all das stimmt, passt zusammen. Die Ärmlichkeit, Trostlosigkeit,
Verlassenheit, das Heruntergekommene der Vorstädte Newcastles untermauern
diese Atmosphäre. Das Gesetz der Rache bringt Carter selbst in Gefahr,
aber daran denkt er nicht. Geht er drauf, hat er Pech gehabt.
Hodges
inszenierte „Get Carter“ als Puzzlespiel für den Zuschauer. Eines fügt
sich zum anderen, bis Carter und wir den Grund für Franks Tod erfahren.
„Get Carter“ ist kein Actionfilm, in dem permanent die Fetzen fliegen. Eher
ruhig, fast bedächtig, mit spärlichen Dialogen inszeniert entrollt
sich die Geschichte bis zum bitteren, aber nichtsdestotrotz logischen Ende.
Das
Remake des Films von 2000 (Regie: Stephen T. Kay) mit Sylvester Stallone in
der Hauptrolle übrigens ist – davor sei gewarnt – nur ein müder Abklatsch,
der von der Stimmung des Originals nichts mehr hat.
Wertung:
10 von 10 Punkten.
Ulrich
Behrens
Diese
Kritik ist zuerst – unter dem Namen POSDOLE
- erschienen bei: ciao.de
Zu diesem Film gibt es im archiv mehrere Kritiken
Get
Carter
(Get
Carter)
Großbritannien
1971, 112 Minuten
Regie:
Mike Hodges
Drehbuch:
Mike Hodges, nach dem Roman von Ted Lewis
Musik:
Roy Budd
Director
of Photography: Wolfgang Suschitzky
Schnitt:
John Trumper
Produktionsdesign:
Assheton Gorton
Hauptdarsteller:
Michael Caine (Jack Carter), Ian Hendry (Eric Paice), Britt Ekland (Anna Fletcher),
John Osborne (Cyril Kinnear), Tony Bleckley (Peter), George Sewell (Con McCarty),
Geraldine Moffat (Glenda), Dorothy White (Margaret), Rosemarie Dunham (Edna),
Petra Markham (Doreen), Alun Armstrong (Keith), Bryan Mosley (Cliff Brumby),
Glynn Edwards (Albert Swift), Bernard Hepton (Thorpe), Terence Rigby (Gerald
Fletcher)
Internet
Movie Database:
http://german.imdb.com/title/tt0067128
©
Ulrich Behrens 2004
zur
startseite
zum
archiv