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„Der geteilte
Himmel“ ist eine getreue Verfilmung von Christa Wolfs gleichnamigem Roman, eine
ruhig erzählte, tragische Liebesgeschichte, die sich unter dem Vorzeichen
der deutsch-deutschen Teilung ereignet. Erzählt wird die Geschichte in
chronologischen Rückblenden aus der Sicht von Rita, die sich zur Erholung
im Sanatorium befindet und sich an die Ereignisse der letzten zwei Jahre ihres
Lebens, 1959 und 1960, erinnert.
Rita und
Manfred sind ein frisch verliebtes Paar, dem alle Wege der Welt offen zu stehen
scheinen. Manfred holt Rita vom Land zu sich nach Halle, er verschafft ihr ein
Praktikum im Betrieb, in dem auch sein Vater arbeitet, unterstützt sie
in ihrem Entschluss Lehrerin werden zu wollen. Sie leben ganz romantisch in
einem Dachzimmer im Haus seiner Eltern und alles scheint gut für sie zu
laufen.
Doch es
wird immer deutlicher, dass das Leben stärker ist als ihre Liebe. Ihre
unterschiedlichen Ansichten über die politische Situation der beiden deutschen
Staaten, stellt vor allem Ritas Liebe immer wieder auf die Probe. Manfred ist
ein zweifelnder mit den Umständen in der DDR unzufriedener junger Mann.
Er ist als Chemiker tätig und muss ein ums andere Mal feststellen, dass
sein neu entwickeltes Verfahren im Betrieb aus politischen Gründen nicht
anerkannt wird. Zudem streitet er sich oft mit seinem Vater, der - ehemals überzeugter
Nazi - nach ein paar Wochen das Parteiabzeichen der SED am Revers stecken hatte.
Manfred kann mit der kollektiven Ausrichtung des neuen Staates nichts anfangen:
ihm ist die eigene Karriere wichtiger ist als das kollektive Gut, er geht in
den Westen und lässt seine Liebe zurück.
Rita hingegen ist die DDR-Bürgerin neuen Typs. Sie beurteilt
die Situation zwar durchaus kritisch und verurteilt die willkürliche und
durch keine Logik zu erklärende Behandlung, die einer Kommilitonin widerfährt.
Aber sie ist bereit, mit aller ihr zu Verfügung stehenden Kraft dem Sozialismus
zu dienen. Insgesamt betrachtet ist sie auf dem „richtigen“ Weg. Ihr innerer
Konflikt wird daran veranschaulicht, was sie bei ihrer Arbeit im Waggonwerk
erlebt. Hier freundet sie sich mit dem alten Werksleiter Meternagel an, der
von Manfreds Vater in einer ziemlich hinterhältigen Art hintergangen wurde
und seinen
Platz räumen musste. Rita spricht
ihm Mut zu, den Mund aufzumachen und mithilfe ihrer Unterstützung kann
er seine Idee verwirklichen, das Plansoll höher anzusetzen. An diesem konkreten
Beispiel tritt die Lage deutlich zutage, in der sich die junge DDR zu dieser
Zeit befindet: unmotivierte Arbeiter, die sich nicht dazu durchringen können,
mehr zu arbeiten als sie müssen, um den Staat, in dem sie leben, voran
zu bringen.
Das Schicksal
von Ritas und Manfred Beziehung wird immer wieder durch ihre Behausung, das
Dachzimmer bildlich eingefangen: der Regen prasselt aufs Dachfenster, es wirkt
wie eine sichere Höhle; Rita entwirft später die Metapher vom Leuchtturm,
der den Schiffen um sie herum Geleit gibt und in den sicheren Hafen führt.
Doch das Ende ihrer Beziehung ist nicht aufzuhalten, als Manfred sich für
seinen beruflichen Erfolg in den Westen absetzt. Rita folgt ihm zwar kurze Zeit
später, doch die kalte und unpersönliche Atmosphäre, die sie
dort erlebt, lässt sie zurückehren. Einzig die Darstellung West-Berlins
ist etwas übertrieben klischeehaft geraten, mit blasiert blickenden Oberkellnern;
reiche Warenwelt kontra Zusammengehörigkeitsgefühl. Es ist nicht zu
verkennen, für welche Seite Rita sich entscheidet.
Der Film kann auf mehreren Ebenen gelesen werden, was ihn sicherlich bis heute zu einem wichtigen filmischen Erbe der DDR macht. Zu einen gibt es die eher oberflächlichere Liebesgeschichte, die der Teilung der beiden deutschen Staaten zum Opfer fällt. Auf der anderen Ebene spiegelt der Film doch sehr gut und genau die Umstände der damaligen Zeit, vor allem aus Sicht der DDR wider. Es ist eine ziemlich deutliche Erklärung für die Legitimität des sozialistischen Staates der DDR. Aber Wolf hält sich mit propagandistischen Mitteln jedweder Art angenehm zurück und er zeigt unaufdringlich, fast distanziert, in recht simplen Zusammenhängen das deutsch-deutsche Dilemma auf. Es ist also alles andere als ein regimekritischer Film -„Der geteilte Himmel“ hat ganz klar eine pro-sozialistische Aussage -, trotzdem wurde der Film kurz nach der Premiere wegen „eindeutig anti-sozialistischer Tendenzen“ von der staatlichen Zensur aus dem Verkehr gezogen. Passend zu einer Zeit, in der die recht liberale Kulturpolitik wieder zurückgenommen und gegen die DEFA-Produktion wieder eine schärfere Zensur eingeführt wurde.
Aus heutiger Sicht schafft Konrad Wolf eine Gratwanderung zwischen den beiden Seiten, es wird weder für die eine noch die andere übertrieben Partei ergriffen, wobei er zwar eher den Weg Ritas als den richtigen vorschlägt - dies aber keineswegs schulmeisterlich unglaubwürdig, sondern immer mit Hinweis auf das Schicksal. Der Film besticht durch eine höchst eigenwillige und ungewöhnliche Ästhetik, die zum einen der brillanten Montage und zum anderen dem leicht verwaschenen Schwarz-Weiß der Bilder zu verdanken ist. Die melancholische Stimmung wird meisterhaft eingefangen und die Zerrissenheit Ritas deutlich vermittelt. Im Gedächtnis bleiben Bilder von der Saale, die Blicke aus dem Dachfenster über die Stadt: das kleine private Glück wird in den Zusammenhang mit dem großen Ganzen gestellt, verliert und wird darin zerrieben. Die zwischen Lähmung und Aufbruch wechselnde Atmosphäre der Zeit überträgt sich in beklemmender Weise auf den Zuschauer.
Doch in
keinem Moment rutscht es ab ins Kitschige, dafür sorgt der nüchterne
Off-Kommentar, der aus einer Überblickssicht die Dinge beschreibt. Die
rückblickenden Erinnerungen sagen: alles ist schon passiert. Das Ende der
beiden Figuren ist unausweichlich, das ist dem Zuschauer von Anfang an unmissverständlich
klar und es gibt keinen Raum für unpassende Sentimentalitäten.
DDR (1964),
114 min., Regie: Konrad Wolf, nach dem gleichnamigen Roman von Christa Wolf,
Darsteller: Eberhard Esche (Manfred Herrfurth), Renate Blume (Rita Seidel),
Hilmar Tate (Ernst Wendland), Hans Hardt-Hardtloff (Rolf Meternagel), Martin
Flörchinger (Herr Herrfurth), Erika Pelikowsky (Frau Herrfurth)
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