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Infernal
Affairs
Zwischen
subtilem „Thrill“ und gewalttätiger, prähistorischer bis primitiver
„Action“ klafft eine deutliche Lücke, die sich entgegen jeder Erwartung
nicht durch elementare Unterschiede, sondern spezifische Kleinigkeiten definieren
lässt. Es kommt der Moment, an dem weniger bleihaltige Munition und Fontänen
von Blut gefragt sind. In diesen Augenblicken werden aus Protagonisten und Antagonisten
Menschen, Personen, reale Figuren in einem fiktiven Universum, die längst
mehr sind als Stereotype oder undeutliche Skizzen eines zerstreuten Autors.
Charaktere gewinnen ein Innenleben, offenbaren vielleicht etwas von ihrer Seele,
deren psychischen Konturen man von nun an etwas mehr entnehmen kann als dies
in anderen Szenen der Fall ist.
Details
beherrschen die Szenerie und es zählt nicht mehr nur der visuelle Effekt
oder die stringente Fortsetzung einer temporeichen Handlung, ganz im Gegenteil
entwickelt die Geschichte scheinbare Nebenplots, Verästelungen und Veränderungen,
die für den finalen Kampf zwischen Gut und Böse unwichtig erscheinen,
obwohl sie es doch sind, die letztendlich eine Definition für Gut und Böse
liefern. Kann ein Thriller dieses Maß an psychologischer Tiefe und charakterlicher
Entfaltung erreichen, gewinnt er zunehmend an Profil und letztendlich auch erheblich
an Qualität. Michael Mann hat das verstanden und mit „Heat“ (1995) bis
zur elegischen Kleinstarbeit exerziert, dass dies auch oder gerade im asiatischen
Action-Kino zur filmischen Grundlage gehört, beweisen die Regisseure Andrew
Lau und Alan Mak mit „Infernal Affairs“ (2002).
Im
Mittelpunkt steht ebenjener immerwährende Kampf zwischen Gut und Böse,
die sich hier nur in vertauschten Rollen gegenüberstehen. Yan (Tony Leung)
gehörte zu den Besten seines Jahrgangs auf der Polizeischule und schien
für Polizeichef Wong (Anthony Wong) der perfekte Kandidat um als Undercover-Agent
die Triaden zu infiltrieren und möglichst präzise Angaben über
die Organisation und ihre Deals ans Licht zu bringen. Bereits seit knapp zehn
Jahren führt Yan das Leben eines Spitzels, lebt in verschiedenen Welten
mit unterschiedlichen Identitäten, so dass der Verlust seiner eigentlichen
Herkunft mehr und mehr fortschreitet.
Doch
nicht nur er versteht es dieses perfide Spiel aus Vertrauen und Täuschung
perfekt zu inszenieren, denn auch auf Seiten der Polizei agiert ein Verräter,
der in Person von Lau (Andy Lau) ehrgeizige Ambitionen verfolgt. Ein aufstrebender
Karrierist, der es unter Polizeichef Wong zum leitenden Beamten gebracht hat
und in verantwortungsvoller Position sämtliche Informationen an den Drogen-Boss
Sam (Eric Tsang) weitergibt. Aus dieser verunsicherten Situation ergibt sich
eine seltsam angespannte Atmosphäre, jeder Fehler kann bestraft werden,
keine Seite ist bereit eine Niederlage zu akzeptieren, denn es scheint ohnehin
nur eine Frage der Zeit bis jenes Katz-und-Maus-Spiel einen tödlichen Verlauf
nimmt.
Die
Suche nach den Verrätern wird für beide Parteien unlängst zur
primären Aufgabe. Sowohl Yan als auch Lau stehen unter Beobachtung oder
werden selbst zu Beobachtern, da ihr riskantes Handeln in feindlichem Gebiet
geradezu nach einer Eskalation der Ereignisse schreit. Das Aufgeben der eigenen
Identität für eine gemeinsame, vielleicht auch private Sache ist derweil
nur mit jener Loyalität zu erklären, die Lau und Yan ihren Vorgesetzten,
ihrem Staat oder auch sich selbst und ihrer Selbstverwirklichung entgegenbringen.
Lau
und Yan, das sind zwei differierende Lebensphilosophien in gleichartiger Ausführung.
Während Lau, kürzlich verheiratet und jüngst ins neue Haus eingezogen,
nicht so sehr die Interessen seiner Mafia im Sinn hat wie man dies vermuten
könnte, sondern in erheblich höherem Maße seinem eigenen Machtstreben
unterliegt, existiert Yan als Werkzeug der Polizei, ein penibel geschultes Instrument
hinter dessen technischer Fertigkeit als Spion jegliches Gefühl für
den Menschen verloren geht. Dieses Aufeinanderprallen unterschiedlicher Lebenskonzepte
lässt sich nicht durch ambitionierte Tricktechnik oder visuelle Spielereien
inszenieren, funktioniert nur in Dialogen und zwischenmenschlicher Interaktion.
Infernal
Affairs
– und darin gleicht er Manns „Heat“ – überbrückt diesen Mangel an
Menschlichkeit durch das Zusammenspiel zwischen den Lebenspartnern, bezieht
Laus Frau Mary (Sammy Cheng) ebenso in die Handlung und den täglichen Prozess
ein, wie eine Ex-Freundin von Yan, die er seiner Arbeit wegen verließ,
ohne zu wissen, dass ihr Kind auch seins ist.
Der
Film vermittelt so ein Gespür für die gespaltene Situation der Figuren.
Einerseits die vertraute Bindung zu ihren Lebenspartner oder wie bei Yan das
tiefe Bedürfnis auf der Couch seiner Psychologin (Kelly Chen) zu schlafen,
nur um so etwas wie menschliche Nähe zu fühlen, andererseits der fatale
Hang zur Verschleierung der eigene Identität, der Existenz in der Hand
des Gegners. Auf unterschwellige Art gelingt es Infernal
Affairs
dieses Ungleichgewicht, diese offensichtliche Diskrepanz zu verdeutlichen, um
neben einer ausgesprochen spannenden Handlung auch eine tiefergehende Figurenzeichnung
zu ermöglichen. Es sind diese Momente, welche den Film aus der Masse herausheben,
doch ist dies nicht zuletzt auch ein Verdienst der exquisiten Darstellerriege.
Infernal
Affairs
ist überwiegend dunkel, wirkt auf ästhetische Weise unterkühlt
und artifiziell, aber niemals unecht. Andrew Lau und Alan Mak erschaffen eine
atmosphärisch dichte Landschaft, deren gedämpfter Farbton wunderbar
mit den körnigen Bildern und rasanten Kamerafahrten korrespondiert. Stilistisch
erstklassig in Szene gesetzt und überdies immens unterhaltsam erzählte
Filmware aus Fernost, die in jeder Hinsicht überzeugt, sieht man von den
begrenzten Möglichkeiten der deutschen Synchronisation ab, die vielfach
den Eindruck vermittelt, dass zwischen den Zeilen, in der Übersetzung,
einiges an verbaler Kunst verloren geht. Sicherlich ein kleines und leicht zu
verschmerzendes Manko, gelingt es dem Film doch spielend, sein Publikum für
sich zu gewinnen. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich den Film ansehen,
im Verleih ist die DVD seit dem 2.9.2004, käuflich zu erwerben ist die
DVD ab 21.10.2004.
Patrick
Joseph
Diese
Kritik ist auch erschienen bei www.ciao.de
Infernal
Affairs
Wu
jian dao, Hong Kong 2002
Verleih
ab 2.9.2004
Verkauf
ab 21.10.2004
Ausgezeichnet
mit sieben HK-Oscars - darunter: BESTE REGIE, BESTES BUCH, BESTER HAUPTDARSTELLER
Genre :
Action/Thriller
ca.
97 min. PAL Color
Regie:
Wai Keung Lau und Siu Fai Mak
Darsteller:
Andy Lau, Tony Leung Chiu Wai, Anthony Wong Chau-Sang, Eric Tsang, Kelly Chen,
Sammi Cheng, Edison Chen, Shawn Yue
Altersfreigabe
FSK 16
DVD
Bildformat 2.35:1 Anamorphic Widescreen 16:9
Ländercode
2
Extras
Verleih: Audiokommentar mit optionalen deutschen Untertiteln; Trailer; Biografien;
Programmhinweise
Verkauf:
2 Disc-Set im Digipak mit Schuber - Audiokommentar; The Making of "Infernal
Affairs"; Confidential File; Alternatives Ende; Outtakes; Trailer; Teaser;
3 TV Spots; 3 Fotogalerien: Artwork, Merchandising und Storyboards; Biografien;
Programmhinweise; alle Extras mit optionalen deutschen Untertiteln
Untertitel
Deutsch für Hörgeschädigte, Deutsch
Ton:
Deutsch, DTS 5.1
Deutsch,
Dolby Digital 5.1 Surround
Deutsch,
headphone-surround
Kantonesisch,
Dolby Digital 5.1 Surround
Kantonesisch,
headphone-surround
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