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Johnny Flash
Lehrjahre
eines Clowns
Es ist schwer, Worte für
das Kino des Helge Schneider zu finden. Jauchzen Anhänger „subversiv-genial”,
kontern Normalsterbliche „bedeutungsloser Schwachsinn” - der Mann polarisiert,
keine Frage. Johnny
Flash, der erste
„Helge-Film”, ist daher eine audiovisuelle Tortur, der sich NUR Fans unterziehen und selbst
die werden den Humor späterer, reinrassiger Schneider-Filme vermissen.
Das Machwerk, das noch nicht
einmal der Meister selbst verantwortet hat (Regie: Werner Nekes), zeigt die
tragische Geschichte eines jungen, aufstrebenden Schlagerstars: Jürgen
P. alias Johnny Flash. Das Würstchen, das noch bei seiner Mutter (wie in
allen späteren Filmen herrlich famos: Andreas Kunze) wohnt, gerät
sowohl in die Fänge eines zwielichtigen Talentsuchers (wieder: Andreas
Kunze) als auch in das Bett einer Fernsehschlampe (nicht Andreas Kunze). In
dieser Bedrouille gefangen und unzähligen weiteren Alltagsmissgeschicken
ausgesetzt schlawinert Johnny sich durch und geht am Ende als neuer Stern in
das Schlagerfirmament ein.
So bekloppt sich die Handlung
anhört, so eigentümlich stümperhaft ist auch ihre Verfilmung:
Die Ausleuchtung ist katastrophal, die Kameraführung infantil und offensichtlich
konzeptlos, Geschichte nicht vorhanden und selbst die wenigen Gags sind schlecht.
Schneider muss in diesen frühen Jahren sein Filmhandwerk gelernt haben:
Wo bei Johnny
Flash – hoffentlich!
– das knappe Budget den Unsinn diktierte, da übernimmt er in seinen späteren
Produktionen bewusst den Trashfaktor und kommt damit John Waters und seiner
„Trash Trilogy” sehr nahe. Positiv zu erwähnen sind ausschließlich
Kunzes grauenhaft unkomische Mehrfachnebenrollen und Schneiders Hauptrolle als
Johnny Flash, die zum einen eine gelungene, weil beleidigende Ohrfeige des deutschen
Schlagerestablishments der 80er Jahre ist, zum anderen starke autobiographische
Züge des damals noch ziemlich unbekannten „Clowns” (Schneider) trägt.
In dieser Hinsicht und gestützt auf einer Flasche Wein lässt sich
Johnny Flash als Frühwerk des „letzten
Dadaisten” (ZEIT) durchaus ertragen und bedingt (s.o.) weiterempfehlen.
Thomas Hajduk
Johnny
Flash
BR
Deutschland 1986
Regie:
Werner Nekes
Drehbuch:
Peter Ritz, Werner Nekes
Kamera:
Bernd Upnmoor, Serge Roman
Musik:
Helge Schneider
Darsteller:
Andreas Kunze: Mutter Pozkothen, Manager Toi, Bankangestellter, Schneider, Optiker,
Arzt, Plattenverkäufer
Helge
Schneider: Jürgen "Johnny Flash" Potzkothen
Heike
Melba-Fendel: Musikredakteurin Jeannette Dohm
Dore
O.
Marianne
Traub: Sekretärin von Toi
Bernd
Upnmoor
Serge
Roman
Christoph
Schlingensief
Produktionsfirma:
Werner Nekes Filmproduktion (Mülheim an der Ruhr)
Produzent:
Werner Nekes
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