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Lars
und die Frauen
Craig Gillespies Kinodebüt ist einer dieser
Filme, die Publikum und Kritik versöhnen, und wurde außerdem für
einen Oscar nominiert. Nicht schlecht für einen Film, in dem ein Junge
eine Sexpuppe liebt.
RealGirl« heißt die amerikanische Firma,
die über das Internet naturgetreue und nach Wunsch ausgestattete Sexpuppen
aus Silikon für 6.499 Dollar vertreibt. 500 Dollar Transportkosten zusätzlich,
denn so ein RealGirl ist kein Leichtgewicht und wird in einer schrankgroßen
Kiste geliefert. Auch bei Lars Lindstrom steht irgendwann der Postbote mit dem
Riesenpaket vor dem Haus, das eigentlich nur eine ausgebaute Garage auf dem
brüderlichen Grundstück ist, in die sich der menschenscheue junge
Mann nach dem Tod der Eltern verkrochen hat. Die Kollegen und die übertrieben
fürsorgliche schwangere Schwägerin waren bis dahin der einzige Außenkontakt
des Angestellten.
Doch jetzt ist Bianca da, so hat Lars das Silikongeschöpf
getauft – und der Katalogschönheit auch gleich eine romantisch bewegte
Vita mitgegeben als körperbehinderte dänisch-brasilianische Missionarin.
Lars hält Bianca für einen lebendigen Menschen, wie Bruder Gus und
Schwägerin Karin beim Kennenlern-Abendessen entsetzt feststellen müssen.
Dass er die Puppe nicht zu ihrem Primärzweck nutzt, macht die Sache nicht
weniger unheimlich. Lars ist zwar einsam, doch auch ein Gentleman. Und so quartiert
er die neue Freundin ganz keusch im brüderlichen Gästezimmer ein,
wo er sie zum Ausgehen abholt.
Die Psychologin, die Gus und Karin zuziehen, empfiehlt
als Therapie, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Karin ist mit dieser
Aufgabe in ihrem Element. Doch auch Gus macht nach anfänglichen Widerständen
mit und chauffiert die stumme Rollstuhlfahrerin zu Parties und Shoppingtouren.
Was aber noch erstaunlicher ist: Auch die übrigen Einwohner des nordmittelwestlichen
Kleinstädtchens nehmen das neue Gemeindemitglied mit offenen Armen auf.
Und als Biancas Begleiter wird auch Lars langsam ins aktive Gemeindeleben einbezogen.
So vorhersehbar alles Weitere ist: Es macht Spaß,
zuzusehen, wie hier mit viel Inszenierungslust und einiger Sensibiliät
eine vordergründig absurde Idee in filmische Realität umgesetzt wird.
Dabei gelingt es dem bisherigen Werbefilmer Craig Gillespie und der Autorin
Nancy Oliver (»Six Feet Under«) erfreulich gut, das Klamottengetöse
zu umschiffen, das bei solchem Thema etwa im deutschen Kino unvermeidlich wäre.
Auch Ryan Gosling (Half Nelson) baut seine Interpretation des Eigenbrötlers
überzeugend ohne die gängigen Manierismen. Lars
and the Real Girl (so der Originaltitel)
macht aus seiner durchgeknallten Grundidee einen erstaunlich zurückhaltenden
stillen Film: Eine amerikanische Kleinstadtkomödie aus dem Geist von Capra,
angesiedelt in einer Märchen-Provinz-Welt, in der alles gut wird, wenn
man nur zusammenhält. Von aktiv im harten Leben Stehenden lässt sich
solcher Stoff nur sporadisch in kleinen Dosen vertragen. Dieser Film ist eine
gute Gelegenheit. Dass dabei im winterlichen Setting und den skandinavisierenden
Namen auch ein bisschen Bullerbü-Idylle anklingt, ist wohl kein Zufall.
Silvia Hallensleben
Dieser Text ist zuerst erschienen
in: epd Film 3/2008
Lars
und die Frauen
Lars and
the Real Girl
USA 2007.
R: Craig Gillespie. B: Nancy Oliver. P: John Cameron, Sarah Aubrey, Sidney Kimmel.
K: Adam Kimmel, Sch:
Tatiana S. Riegel. M: David Torn. A: Arv Grewal. Pg: Sidney Kimmel Entertainment.
V: Central. L: 107 Min. FSK: o.Al.,ff. Da: Ryan Gosling, Emily Mortimer, Paul
Schneider, Kelly Garner.
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