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The
Last Samurai
Der
Film lief zweigeteilt und das macht Sinn: Nicht unbedingt wegen der Spiellänge,
denn zweieinhalb Stunden hat man auch schon ohne Pinkelpause überstanden.
Eher schon aus dramaturgischen Gründen: Die eine Geschichte ist die eines
desillusionierten, von Schuldkomplexen zerfressenen Colonels um 1870, der für
ein Heidengeld nach Japan abgeworben wird, "um Japse zu töten",
dort in die Gefangenschaft der Samurai gerät und dann sein ganz persönliches
Auenland findet. So weit, so gut: Wie der Film unterschiedliche Wahrnehmungen
eines Phänomens als traditionsbedingt nachzeichnet und die Möglichkeit
des Dialogs in den Raum stellt, das ist schon sehr schön anzusehen. Wie
man überhaupt sacht und interessiert bleibt, beinahe schon zu politisch
korrekt, aber sei's drum. Nicht zuletzt die Details, auch und gerade in der
Ausstattung sind es, die einem diese erste Hälfte versüßen.
Man vergisst glatt Cruise, der, wie stets, nur mit wenigen Gesichtsausdrücken
staunend durch die Kulissen stapft. Es gibt Filme, in denen passt das wunderbar:
Eyes
Wide Shut
natürlich, oder Vanilla
Sky.
Aber nun gut, halten wir fest: Erste Hälfte geht okay, beinahe schon ein
eigener Film.
Dann
die zweite Hälfte. Die ist schrecklich. Da geht's dann, allem zuvor Gezeigten
zum Trotz, nur noch um die Einverleibung und die Rückkehr: Letztendlich
bleibt auch Cruise nur der Held, der mit Pferd von Schlachten heimkehrt und
seine Frau verrichtet auf dem Feld das Werk, es will Abend werden, sie blickt
auf, erstaunt, erfreut, eine Nahe dann bitte noch und der Held hat Land wie
Frau in Besitz genommen. Western, klassisch - Hollywood! Jede Nuance, die zuvor
noch in Aussicht stand, wird hemmungslos von Hans Zimmers wie stets fast unerträglicher
Musik niedergeschmettert, jeder Zwischenton von den Bildern ausgetrieben, gleich
als wäre das Publikum ein Haufen nasebohrender Proleten, die das asiatische,
zumal japanische Sachte nicht verstehen könnten. Charakteristisch eine
Szene: Vor der finalen Schlacht bittet die Frau, die Cruise in Gefangenschaft
gepflegt hatte und deren Gatten er zu Beginn auf dem Schlachtfeld getötet
hatte, den Harnisch ihres Mannes zu tragen. Ein Bekleidungsritual folgt dem,
jeder Handgriff ist perfekt choreografiert, sogar Cruise wirkt einmal nicht
neben dem Film und man fragt sich, was in der Frau wohl vorgehen mag, in diesem
Moment, ist hocherfreut über die tiefe Ambivalenz der Szene, möchte
fast meinen, dass - doch dann! Ein Kuss! Alle Ambivalenz dahin, mit dem Dampfhammer
wird da noch eine Liebesgeschichte im Bildkaderausformuliert, die, wäre
sie nur in den sanften Gesten geblieben, weit intensiver, interessanter geblieben
wäre. Ein schrecklicher Moment, bei dem man den Schlag in die Magengrube
förmlich zu spüren glaubt.
Der
Film lief zweigeteilt und das macht Sinn: So bleibt mir wenigstens die Illusion,
mit der ersten Hälfte doch einen schönen Film gesehen zu haben und
blende die zweite ganz einfach als anderen Film aus.
Thomas
Groh
Dieser
Text ist zuerst erschienen im:
The Last Samurai - USA / Neuseeland / Japan 2003 - Originaltitel: The Last Samurai - Regie: Edward
Zwick - Darsteller: Tom Cruise, Timothy Spall, Ken Watanabe, Tony Goldwyn,
Billy Connolly - Prädikat: besonders wertvoll - FSK: ab 16
- Länge: 154 min. - Start: 8.1.2004
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