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Inspektor Lavardin: Tödliches Rätsel
Morden
wie gedruckt
Ein Kriminalfilm ohne jede Spannung,
geht das? Ein Inspektor, der nichts falsch macht, der die Zufälligkeit
von Indizien wie den neuen Buchstaben im Scrabble-Spiel genießt; der den
Gewissheitsbogen zu schlagen versteht als Stehaufmännchen, das niemals
fällt? Diese Haltung ist jedoch nötig in einem Szenarium, wo nichts
ist, was es scheint. Die berühmte Romanautorin ist nur die Gattin eines
Milliardärs. Ihre Sekretärin und Vertraute ist die eigentliche Autorin.
Ihr Vater ist ziemlich sprachbegabt und erfolgreicher Teilnehmer an einem Fernsehquiz, bei dem man
eine Kreuzfahrt gewinnen kann. Aber hauptsächlich übersetzt er die
Werke seiner Tochter in verschiedene europäische Sprachen. Denn die Romane
sind Vorlagen für reale Verbrechen, in ihnen wird simuliert, was als Anweisung
tatsächlich passieren wird.
Wie Lavardin das nur herausbekommen
hat? Immer die Seite 100. Aber er war ja schließlich nicht der einzige,
auch die vorgeschobene Autorin hat schließlich davon Wind bekommen, deshalb
musste sie sterben, von ihrem eigenen Clan erledigt. Nichts willkommener für
den Inspektor als dieser Mord. Er lenkt den Anfangsverdacht noch einmal und
verstärkt auf den reichen Mann. Den Schuh mit dessen Schuhen zieht sich
Lavardin nicht an. Oder sollte etwa eine Pistole nur deshalb im Handschuhfach
des Rolls Royce der Lady liegen, weil sie Krimis schreibt? Diese Metapher würde
nur anzeigen, dass die Pseudoautorin tatsächlich keine Rolle im Waffenhandelgeschäft
zu spielen vermag, denn genau darum geht es und sie ist die Figur, die zu viel
ist und das auch noch mitbekommen hat. Zeit, ihrem Gatten Hörner aufzusetzen,
hat sie nicht mehr, das Rendezvous hat sie mit dem Tod. Diese Enttäuschung
für den Zuschauer muss und kann beglichen werden; gleich zwei Personen,
und dazu noch Inspektoren der französischen und italienischen Polizei,
bemühen sich um die rätselhafte Sekretärin, die aber im Zentrum
ihrer Hauptnebentätigkeit des Schreibens weiterhin ausführendes Organ
bleibt. Die nackten Fakten moderiert sie bloß an, für jedermann zu
lesen, aber nur für Eingeweihte zu verstehen.
Aber die Hermeneutik bleibt insgesamt
auf der Strecke, wenn das Arbeiten der Gegner beim Quiz, der bezeichnenderweise
„Hieroglyphen“ heißt, sich einer reinen Automatik verdankt. Gewonnen hat,
wer am geschicktesten alle nicht relevanten Daten von Lexika auszufällen
imstande ist. Die Mensch-Maschine auf dem Gelände der ars combinatoria,
auf dem schon immer Eleganz und Geschwindigkeit glänzen konnten. Willkommenes
Gelände also für den Franzosen, der, im Gegensatz zu seinem italienischen
Kollegen, genau das kapiert, was dieser nur apportiert. Das bringt ihm sogar
die Zuneigung der undurchschaubaren Tochter ein. Aber ihr Kuss stammt nicht
aus ältester Zeit, er ist ein bekanntes Requisit, ebenso wie die Krimiregelmäßigkeit,
zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Und so was geht nie mit rechten Dingen
zu. Kein Wunder, dass die Quiz-Kontrahenten auf den Joker setzen, auf den Zufall
par excellence.
Dieter Wenk (07.00)
Dieser Text
ist zuerst erschienen in:
Inspektor Lavardin: Tödliches Rätsel
LES DOSSIERS DE L'INSPECTEUR LAVARDIN: MAUX CROISES
Frankreich - 1988 - 90 min. - Verleih: offen - Erstaufführung:
30.11.1991 ARD
Regie: Claude Chabrol
Buch: Dominique Roulet, Claude Chabrol
Kamera: Jean Rabier
Darsteller:
Jean Poiret (Inspektor Lavardin)
Caroline Beaune (Evelyne)
Jacques Brunet (Albert Lemarchand)
Rosine Cadoret (Louise Lemarchand)
Riccardo Cucciolla (Serge Orzyck)
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