zur startseite
zum archiv
Love
& other Disasters
Macht dieser Film mit dem Genre der romantischen
Komödie das, was „Scary
Movie“ (fd 34 470) einst mit erfolgreichen
Horrorfilmen gemacht hat? Eine selbstreflexive Persiflage aus der Perspektive
desjenigen, dem eigentlich mehr der Sinn nach einer Hommage stand? Was dann
aber nicht so richtig geklappt hat, weil man besonders clever sein wollte? Und
trotzdem nur die im Schneideraum am Boden herumliegenden Witzchen, die anderswo
für zu leicht befunden wurden, hastig zusammengekehrt hat?
Im selbstredend superschicken „Love and Other Disasters“
begleitet man eine quirlige amerikanische Mode-Assistentin und einige ihrer
Freunde ein paar Tage lang durch ihre emotionalen Irrungen und Wirrungen, von
denen keine einzige denjenigen wirklich überrascht, der im Besitz eines
Fernsehapparates ist. Dass aber auch schon die bloße Häufung von
Soap-Klischees und -Versatzstücken in postmodernen Zeiten als augenzwinkernd
verstanden werden kann, darauf baut Filmemacher und Drehbuchautor Alek Keshishian,
wenn er seinen Film als bewegtes Drehbuch mit einem Blick ins dramaturgische
Räderwerk beginnen lässt und am Schluss das ohnehin absehbare Happy
End denn auch gleich im Hollywood-Mix mit Cameos von Orlando Bloom und Gwyneth
Paltrow gibt, was als originelle Idee in der Nachfolge von Woody Allens „Der Stadtneurotiker“ (fd 20 385; hier wurde die Liebesgeschichte zum
Theaterstück) nur auf den ersten Blick „trendy“ erscheint.
„Angejahrt“ ist aber bestimmt kein Wort in der Sprache
von Emily Jackson, genannt „Jacks“, die „als Assistentin der britischen Vogue“
mit Tempo und dynamischem Fahrstil das hippe London zwischen Mode- und Kunstszene
unsicher macht, ihren Ex zwar nicht mehr liebt, aber doch noch so häufig
mit ihm schläft, dass wenig Raum für neue Liebeshändel bleibt.
Ist aber auch nicht so schlimm, denn aktuell kümmert sie sich, die „Zugang
zur Welt der Reichen und Schönen“ (Presseheft) hat, ohnehin lieber um die
Amouren ihres schwulen Mitbewohners Peter, den sie gerne immer mal wieder verkuppelt.
Man kennt das ja: Wohnt sie mit einem dieser den eigenen Lifestyle und die eigene
Liberalität schmückenden Schwulen zusammen, kann Frau sogar nackt
in der Küche im Internet surfen, ohne „in Gefahr“ zu geraten. Der charmante,
aber nicht nur in romantischen Angelegenheiten unbeholfene Drehbuchautor (sic!)
Peter hat sich gerade wieder in einen Mann verguckt, dem er in einer Hotellobby
begegnete und von dem er wenig mehr als den Namen zu wissen glaubt. Da begegnet
„Jacks“ an einem Set für Modeaufnahmen Paolo, der als argentinischer Assistent
des schwulen Starfotografen Sasha vielleicht auch für Peter in Frage käme.
Denkt sie sich, die sich den besten „Gaydar“ (ein Radar fürs Schwulsein)
in ganz London nachrühmt. Natürlich hat sie die Rechnung ohne die
sexuellen Präferenzen des Argentiniers gemacht, was in der Folge zu Verwicklungen
und Fehleinschätzungen führt, in die wider Willen, aber letztlich
ihrer wahren Bestimmung folgend, auch „Jacks“ involviert ist. Bedenkt man das
ultrahippe Milieu, das hier mit seinen optischen Sensatiönchen – Mode,
Set-Design – vorgeführt wird, ist es schon einigermaßen erstaunlich,
wie reaktionär die „Gender Politics“ dieser durch und durch muffigen Komödie
ausfallen.
Zusätzlich irritiert, dass „Jacks“ und ihre
Freunde permanent damit beschäftigt sind, sich blitzgescheite One-Liner
in Screwball-Manier um die Ohren zu hauen, die allein dazu dienen, sich ironisch
vom eigenen Milieu, vom eigenen Lifestyle zu distanzieren oder – wozu gab es
schließlich „Ally McBeal“? – mit philosophischem Gestus die Chronik einer
Liebesgeschichte über die Qualität der Fürze zu beschreiben.
So hat man es denn mit einer unerträglich uninspirierten Mischung aus „Frühstück
bei Tiffany“ (fd 10 820), „Der Teufel trägt
Prada“ (fd 37 827), „Sex & the
City“, „Ally McBeal“ und „30 über Nacht“ (fd 36 670) zu tun, die sich augenzwinkernd
über sich selbst abwertend lustig macht und all die ihr vielleicht innewohnenden
Versprechen schon deshalb nicht einlöst, weil die von Brittany Murphy gespielte
Protagonistin nicht nur herzerfrischend unsympathisch ist, sondern Murphys Talent
noch nicht einmal reicht, um eine „Assistentin der britischen Vogue“ einigermaßen
glaubwürdig zu verkörpern. Überrascht, hier mitzutun, „augenrollt“
sie frivol in die Kamera, bevor sie sich sportiv und etwas zu gut gelaunt in
die nächste pseudoprovokante Plattitüde stürzt – und insgeheim
immer schon davon geträumt hat, für sich und ihren Gaucho ein Nest
zu bauen. Darauf eine „Latte“!
Ulrich Kriest
Dieser Text ist zuerst erschienen
in: film-Dienst
Love
& other disasters
Frankreich
/ Großbritannien / USA 2006 - Originaltitel: Love (and other disasters)
- Regie: Alek Keshishian - Darsteller: Brittany Murphy, Matthew Rhys, Santiago
Cabrera, Samantha Bloom, Catherine Tate, Frédéric Anscombre -
FSK: ab 6 - Länge: 90 min. - Start: 13.3.2008
zur startseite
zum archiv