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Das
Mädchen aus dem Wasser
Von
Narfs und Killeraffen
Der
Mysterythriller „Das Mädchen aus dem Wasser“ erzählt von übersinnlicher
Sinnstiftung und erzeugt dabei allerhand kuriosen bis bedenklichen Unsinn.
Spätestens
wenn im letzten Drittel des Films ein überheblicher Filmkritiker einer
aggressiv knurrenden Kreuzung aus Hyäne und Kunstrasen begegnet und vor
seinem Ableben schnell noch einen Monolog über Horrorfilm-Konventionen
hält, ist klar: M. Night Shyamalans sentimentales New Age-Märchen
„Das Mädchen aus dem Wasser“ ist womöglich der persönlichste
und ganz sicherlich der durchgeknallteste Sommerblockbuster der Saison.
Seit
dem Sensationserfolg der Gespenstergeschichte „Der
sechste Sinn“,
der sich nicht zuletzt ihrem stilbildenden Überraschungsende verdankte,
handeln die lethargischen Mysterythriller des M. Night Shyamalan nicht bloß
von Geistern, Aliens oder Waldmonstern, die dysfunktionale Kleingemeinschaften
bedrohen, sondern mindestens genauso sehr von ihren eigenen elaborierten Erzählmanövern
und angestrengt kühnen plot
twists.
Zuletzt, in „The
Village“,
stellte Shyamalan die Schreck-Mechanismen seiner Schauergeschichten so waghalsig
auf den Kopf, dass man darin eine hochaktuelle Fabel über religiös
unterfütterten Isolationismus lesen konnte. Damit ist jetzt Schluss: Jede
einzelne selbstreflexive Volte und kapriziöse Handlungsidee in seinem neuen
Film dient allein dazu, Shyamalan in seiner spielbergianischen Lieblingspose
als großer Tröster, Sinnstifter und Gruppentherapeut einzuzementieren.
Der
sanfte, traurige Hausmeister eines Wohnblocks (Paul Giamatti) findet eines Tages
im Schwimmbecken eine Art Meerjungfrau, eine „Narf“ (Bryce Dallas Howard). Die
heißt symbolträchtig „Story“, hat die Aufgabe, einen Menschen zu
Großem zu inspirieren, und wird von besagter grasbuckeliger Hyäne
gejagt. Einer (erfundenen) koreanischen Legende zufolge können nur einzelne
Auserwählte unter den Bewohnern des Blocks Story vor dem Biest schützen.
Von einer absurden Enthüllung zur nächsten überproduzierten Suspense-Szene
taucht der Film immer tiefer ein in das haarsträubende pseudo-mythologische
Regelwerk rund um Narfs, Killeraffen und Riesenadler. Das wäre auf seine
unbeirrbare Weise ja ganz sympathisch, würden nicht Shyamalan’sche Untugenden
wie Schicksalshörigkeit und Sehnsucht nach Führerfiguren den wirren
Spaß entschieden verderben.
Joachim
Schätz
Dieser Text ist zuerst erschienen im: falter (Wien), www.falter.at
Zu diesem
Film gibt’s im archiv mehrere Texte
Das Mädchen aus dem Wasser
USA 2006 - Originaltitel: Lady
in the Water - Regie: M. Night Shyamalan - Darsteller: Paul Giamatti, Bryce
Dallas Howard, Jeffrey Wright, Bob Balaban, Freddy Rodriguez, Sarita Choudhury,
Jared Harris, Bill Irwin, Noah Gray-Cabey - FSK: ab 12 - Länge: 109 min.
- Start: 31.8.2006
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