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Meet
me in
"Hab´ ich ein Glück," strahlt
die Kleine, "dass ich in meiner Lieblingsstadt geboren bin!" Tootie
Smith (Margaret O´Brien) ist erst fünf und schon eine echte Lokalpatriotin.
Im Sommer 1903 fiebert die Familie Smith aus Saint Louis der Weltausstellung
entgegen, die ihrer Stadt im kommenden Frühjahr besonderen Glanz verleihen
soll. Nur Papa Smith (Leon Ames) verdreht die Augen, wenn seine Töchter
zum x-ten Mal die Worlds-Fair-Hymne anstimmen: "Meet me in Saint Louie,
Louie!", das pfeifen schon jetzt die Spatzen von den Dächern, aber
im Musical wird nun mal gepfiffen, getanzt und gesungen. Da muss später
im Film sogar der Patriarch kapitulieren, wenn seine Frau (Mary Astor) ihn zum
sentimentalen Duett verführt.
Weil der Vater-Darsteller nicht
singen konnte, ist hier die schöne Baritonstimme von Arthur Freed zu hören
– der berühmte Produzent sprang gern mal als Stimm-Double ein. Freed und
sein bevorzugter Regisseur Vincente Minnelli waren das Dream-Team des Hollywood-Musicals
in den Vierzigern. Als Glücksfall erwies sich auch der Entschluss der 21jährigen
Judy Garland, die Hauptrolle der Smith-Tochter Esther zu übernehmen, obwohl
sie ihr zunächst als zu jugendlich erschien. Schließlich gerieten
Vincente Minnelli die Close-Ups von Garland, die er wenig später heiratete,
zu inszenierten Liebeserklärungen. Und noch sechzig Jahre nach der Uraufführung
springt der Funke zum Publikum über, bei Garland-Nummern wie dem "Trolley
Song" oder "The Boy next Door". Minnelli verzahnt musikalische
und szenische Bewegung so miteinander, dass Gefühle plastisch werden.
Auch technisch ist "Meet
me in St. Louis" ein Meisterstück: Schon 1943 wurden bei MGM die Orchesterparts
in Zweikanalton aufgenommen, interessanterweise über ein Jahrzehnt vor
der Entdeckung der Stereophonie durch die Schallplattenindustrie. Wovon in den
damaligen Kinos natürlich nichts zu hören war, davon kann nun der
DVD-Liebhaber profitieren: Eine Originaltonspur in Stereo.
In seinem ersten Farbfilm setzte
sich Minnelli für einen erstaunlich differenzierten Einsatz des Technicolor-Verfahrens
ein. Jede der vier Jahreszeiten, welche die Episoden des Familienalltags gliedern,
wird durch eine eigene Farbskala typisiert. Im Anschluss an eine üppige
Sommer-Palette dominieren im Herbst und Winter gedämpfte Töne, womit
Minnelli auch das Stimmungstief in der achtköpfigen Sippe charakterisiert:
Der Ernährer will sich beruflich verbessern und eröffnet seiner Familie,
dass sie gleich nach Weihnachten an die Ostküste ziehen muss. In der Heiligen
Nacht, in einer herzzerreißenden Gesangsszene, tröstet Judy Garland
ihre kleine Schwester Tootie mit "Have Yourself A Merry Little Christmas",
während beide kummervoll aus dem Fenster auf eine Schneefiguren-Familie
blicken, die sie im Garten gebaut haben. Doch Tootie ist untröstlich, rennt
in den Garten und schlägt ihren "Snow People" die Köpfe
ab: "Ich töte sie, bevor ich sie zurücklasse". Dieser symbolische
Amoklauf ist nicht die einzige Szene, in der Musicalseligkeit von eisigem Realismus
abgekühlt wird. Minnellis Familienfilm zeigte mehr Abgründe, als es
dem amerikanischen Publikum 1944 lieb war. Die erste Testvorführung fand
am Vorabend des D-Day statt.
Jens Hinrichsen
Dieser Text ist
zuerst erschienen in: film-dienst 14/04
Meet
Me In St.
Louis
USA
1944
Produktion:
Metro-Goldwyn-Mayer
Produzent:
Arthur Freed
Regie:
Vincente Minnelli
Buch:
Irving Brecher, Fred F. Finklehoffe nach Erzählungen von Sally Benson
Kamera:
George Folsey
Musik:
Hugh Martin, Ralph Blane u.a.
Schnitt:
Albert Akst
Darsteller:
Judy Garland (Esther), Margaret O´Brien (Tootie), Mary Astor (Mrs. Smith),
Lucille Bremer (Rose), Leon Ames (Mr. Smith), Tom Drake (John Truett), Marjorie
Main (Katie), Harry Davenport (Grandpa), Henry H. Daniels (Lon), Joan Carroll
(Agnes)
Länge:
108 Min.
FSK:
o.A.
Anbieter:
Warner Home Video
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