zur
startseite
zum
archiv
Milchwald
Wie
man hinein ruft...
Was
erhältst du, wenn du eine grimmige Geschichte mit bestechend bedeutungsüberladenen
Bildern mischst? Eine letztlich nur schwer zu ergründende Symbolik sowie
eine erstaunliche Kurzweiligkeit.
Schwester
und Bruder nerven die Stiefmama, woraufhin diese sie kurzerhand an die Luft
setzt. Der Rest ist in Grundzügen bekannt, die Analogie durchaus beabsichtigt.
Hier finden sich auch die einzig überzeugenden Momente, wobei aufgrund
der konstanten Kälte eher "Hans und Grete" die Schlechtigkeiten
unserer Gesellschaft ergründen: Wer daheim auf weiter, beinahe unerschlossener
Flur im Semiglanze des vom tagein, tagaus arbeitenden Papa finanzierten, neuen
Fertigteil-Einfamilienhauses bei tagein, tagaus heruntergelassenen Rolläden
wohnen und nach der Kindertante Stiefmama beim Shoppen im Billig-Nachbarland
begleiten muß, der schaut schlechterdings lieber den Billig-Nachbarländern
gelangweilt beim Geschlechtsakt zu oder legt sich geschwind unter den nächsten
Lastkraftwagen. Und wenn Stiefmama dann ahnt, daß die Billig-Nachbarländer
sich am Hans vergangen haben könnten, schickt es sich zweifelsohne, beim
zweiten Anlauf tot umzufallen.
Im
Bild. Dieses und all die anderen untermalen mit ihrer entscheidenden Nüchternheit
sämtliche Aussagen, energisch überzeichnet sowie um jeden überflüssig
scheinenden Dialog reduziert. Die eindringlich ständige Vergegenwärtigung
der durchaus existenten Grausamkeiten erreicht den Reflektierten als auch bisher
Unreflektierten somit immer wieder; doch nicht. Die künstlerisch anmutenden
Mittel stellen sich eher als eine Art der "filmischen Empfängnisverhütung"
beim Rezipienten heraus. Ein bedachter Bruch, Ausblick, Ansatz einer Lösung
hielte die gewaltige Kraft des Ganzen in sich. Dieser bleibt aus und all die
angestaute Energie verpufft in der einzigen Sequenz, welche zudem in jedermanns
Fotoalbum klebt.
Somit
wirkt selbige doppelt überzeichnet und demnach im logischen Sinne sich
selbst negierend, damit ziellos offen. Sicher auch gewollt. Aber was bleibt
ist eine Schüssel voller Aussagen leerer Erdnußschalen.
Christian
Lailach
Dieser
Text ist zuerst erschienen im:
Milchwald
D
2003. R, B: Christoph Hochhäusler. B: Benjamin Heisenberg. K:
Ali Gözkaya. S:
Gisela Zick. M:
Benedikt Schiefer. P: fieberfilm. D: Judith Engel, Horst-Günther Marx,
Miroslav Baka, Sophie Conrad u.a. 87 Min. Royal ab 11.11.04
zur
startseite
zum
archiv