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Mord und Margaritas
Genie
und Schnauzbart
Die Zeit nach Bond ist für
jeden Darsteller schwierig: Der kernige Timothy Dalton treibt sich in Sandalen-Zweiteilern
fürs Fernsehen herum, George "Old Slowhand" Lazenby hat in fast
so vielen "Emanuelle"-Filmen mitgespielt wie Sylvia Kristel, und der
ewige Charmeur Roger Moore wurde das letzte Mal in "Spice World" gesichtet,
wenn man alberne Klamotten mit Cuba Gooding Jr. nicht mitzählt (und bei
Gott, das sollte man auch nicht). Selbst der unverwüstliche Sean Connery
brauchte eine Verschnaufpause zwischen seinen vielen Bond-Abschieden und einem
dann doch fulminanten Comeback.
Brosnan nun besinnt sich mit "The
Matador", wie der Film wesentlich eleganter im Original heißt, auf
sein Talent als Comic Actor, das er ja schon als Remington Steele andeutete
und in Filmen wie "Mars Attacks!" immer wieder eindrucksvoll unter Beweis stellen durfte.
Er und sein charmanter Schnauzbart sind die unbestrittenen Hingucker dieser
durchaus amüsanten Charakterkomödie, spielen beide furios auf und
wurden gemeinsam (durchaus zurecht) für einen Golden Globe nominiert. Die Rolle des abgehalfterten
Auftragsmörders, Möchtegernkosmopoliten und Schürzenjägers
mag auf den ersten Blick wie nicht viel mehr als ein bitterer Bond-Abgesang
erscheinen, aber Brosnan weiß nicht nur die sarkastischen Momente zu gestalten,
sondern auch die stillen, anrührenden. Hier ist ein Mensch, der jenseits
aller Killer-Klischees Einsicht lernt, am beeindruckendsten wohl dort, wo er
einem anderen das Töten ausredet. Daneben sorgen der ewige Saubermann Greg
Kinnear und die abermals hinreißende Hope Davis für den erwartungsgemäß
nur oberflächlich bürgerlichen Kontrast, der aber dankbarerweise auch
nie in einen Rollentausch-Slapstick abrutscht. Das Schnitt- und Kamera-Team
findet indes für einige Spannungsmomente eindrucksvolle Motive und Montagen
und würzt so einen ansonsten sehr nüchternen Film mit fiebrigen oder
auch phantastischen Impressionen.
Prinzipiell aber besteht die Qualität
des Films in all dem, was er eben nicht geworden ist, in den zahlreichen Klippen,
die er umschifft. Der Plot bleibt trotz aller Ähnlichkeiten mit "Analyze
This" (Angstattacken beim Auftragsmord) und "The Whole Nine Yards"
(Jedermann trifft Profikiller) immer abwechslungsreich und erwachsen genug,
um nie so langweilig oder albern zu werden wie diese vermeintlichen Vorbilder.
Die Wendungen mögen nicht immer originell sein, aber die frische Regie
von Richard Shepard spielt all ihre Stärken aus, überkommt jedes Klischee,
entzieht sich aller Erwartung und schwenkt statt dessen hier mal zum Freundschaftsdrama
und dort mal zum Charakterportrait. Wahrscheinlich wird dieser Film niemandes
Leben verändern, aber er wird auch niemandes Intelligenz beleidigen; und
mit einer netten Person an der Seite und einer Packung Nachos zur Hand wird
daraus sicher ein unterhaltsamer Abend.
Daniel Bickermann
Dieser Text ist zuerst erschienen im: Schnitt
Mord und Margaritas
The Matador
USA 2005. R,B: Richard Shepard. K:
David Tattersall. S: Carole Kravetz. M: Rolfe
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