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Mr.
& Mrs. Smith
Der
Film beginnt auf der Beratercouch. Die Ehe läuft nicht gut, und Mr. und
Mrs. Smith (Brad Pitt und Angelina Jolie) suchen einen Therapeuten auf, während
die Credits laufen. Sie sprechen fast in die Kamera, über ihre Ehe, ihren
Sex, ihr Kennenlernen. Einig sind sie sich über nichts und das wäre
auch schade – gerade am Anfang zieht Mr.
& Mrs. Smith
seinen Humor aus der so grotesk gescheiterten Beziehung seiner beiden Protagonisten.
Natürlich lebt dieser Anfang davon, dass man mehr weiß als die Figuren:
Schon auf den Plakaten zum Film wird verraten, was die beiden verbindet – ohne
dass sie es wissen: Sie sind Auftragskiller, arbeiten für konkurrierende
Organisationen und kommen sich dabei natürlich schneller in die Quere,
als ihr Ehetherapeut sie behandeln kann.
Die Beziehung von John und Jane Smith macht eine Entwicklung
durch, natürlich, und wenn die Filmemacher sagen, sie wollten eine romantic
comedy mit Granaten und Gewehren erzählen, dann deuten sie damit schon
an, was hier eigentlich geschieht: Gewalt wird zur Metapher für die Entwicklung
der Charaktere. Es ist ein listiger Schritt, den Hollywood da macht – die Verbindung
zweier eigentlich grundverschiedener kinematografischer Sprachen. Wo die einen
Filme – die Beziehungsdramen – von problembeladenen Partnerschaften erzählen,
von internalisierten Konflikten, die sich in Tränen lösen oder in
Wut, da sprechen die anderen – die Actionfilme – von Bewegung, von Körpern
und ihrem Aufeinandertreffen, vom Lösen der Konflikte in der externalisierten
Gewalt. Natürlich hat auch die Körperlichkeit des Actionfilms immer
eine zu Grunde liegende Ebene des Narrativen: In seinem klugen Text zur Mindful
Violence hat der Stunt-Coordinator Aaron Anderson genau das beschrieben – jeder Kampf im Kino ist in seiner Essenz auch eine kleine
Geschichte, erzählt mit den Mitteln der Gewalt. Die körperliche Auseinandersetzung
ist damit immer auch Beschreibung einer Charakterentwicklung, es gibt immer
einen Gewinner und einen Verlierer, und die Möglichkeit, dass dieser Status
flexibel ist, sorgt für die Spannung. "In the strictest sense, martial
arts are simply military tactics on a personal level.", schreibt Anderson,
und genau das ist das Konzept, dem sich auch die Filmemacher von Mr. & Mrs. Smith
verschrieben haben. Die kleinen Geheimnisse, die hier die Eheleute vor einander
haben, sind eben einfach das geheime Waffenfach unter dem Herd oder der Geheimgang
in der Werkzeuggarage, die kleinen Lügen decken keine Seitensprünge,
sondern Mordaufträge, und wenn es dann zum Streit kommt zwischen den Charakteren,
die hier gezeichnet werden, dann gibt es weder Tränen noch Wutausbrüche
im bürgerlichen Haushalt, sondern zerschossene
Kühlschränke und vergifteten Wein. Den schönen Satz "ein
Happy End ist lediglich eine Geschichte, die nicht zu Ende erzählt wurde"
darf Jolie mittendrin einmal sagen, und auch, wenn sich die Filmemacher selbst
nicht ganz an dieses Credo halten, so beschreibt sie damit doch in wenigen Worten
die Gemeinsamkeiten der beiden Genres: Die endlose Gewalt und die scheiternde
Beziehung – beide können eigentlich nur böse enden.
Ein
wenig vom Rosenkrieg hat
das, nur dass Jolie und Pitt sich freilich weit eher ans fernöstliche Actionkino
anlehnen und an die Choreografien, die viele ihrer Kämpfe eher nach Tanz
aussehen lässt, als nach brachialer Gewalt. Insbesondere am Ende gibt es
dann eine jener Sequenzen, für die allein bereits der Kinobesuch lohnt:
Die beiden Helden, in einem Baumarkt voll geschmackloser Ausstattungsstücke
fürs traute Heim, verwandeln mit ihren Kugeln und Granaten die Spießbürgerhölle
in ein Inferno. Die Konsumwelt wird lustvoll zerschossen und flambiert, wie
es Antonionis Zabriskie Point oder Romeros Dawn of the Dead vorgemacht haben.
Zur Atempause geht es in den Aufzug, in dem Easy Listening dudelt und ein Plakat
für die Family Card wirbt, mit der sich der Einkauf noch entspannter fortsetzen
lässt, nur damit nach wenigen Sekunden Ruhe dann das Chaos zurückkehren
kann, das des Kampfes und der Ehe, die in jenen Szenen eins werden. Die zerstörte
Idylle des Bürgertums ist dann freilich auch eine Utopie, und es ist wohl
dieser Rückzug ins Utopische, der dem Film dann doch sein Happy End erlaubt
– zumindest vorläufig, denn bei dem Erfolg, der für Mr.
& Mrs. Smith
zu erwarten ist, wird die Fortsetzung nicht lange auf sich warten lassen, und
dann wird, vielleicht, die Geschichte doch noch zu Ende erzählt.
Benjamin
Happel
Dieser
Text ist zuerst erschienen in:
Mr.
& Mrs. Smith
USA 2005 - Originaltitel: Mr. and Mrs. Smith - Regie: Doug Liman - Darsteller: Brad Pitt, Angelina Jolie, Vince Vaughn, Adam Brody, Kerry Washington, William Fichtner, Chris Weitz, Keith David, Michelle Monaghan, Rachael Huntley - FSK: ab 12 - Länge: 120 min. - Start: 21.7.2005
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