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Nächte
des Grauens
Hammer-Retro,
Teil 3: 1966 waren die Zombies noch ganz der klassischen Tradition verpflichtet:
willenlose Arbeitssklaven, derer man sich mittels exotischer haitianischer Voodoorituale
ermächtigen konnte. Bis zur modernen, esoterischen Hokuspokusses gänzlich
beraubten, Neuinterpretation der Untoten sollte es in der Lumière-Galaxis
noch 3 Jahre dauern, erst ein US-amerikanischer Werbefilmer aus Pittsburgh sollte
diesen filmgeschichtlich ungemein wichtigen Schritt wagen.
Hier
jedoch sind wir einer Einladung der vergleichsweise konservativen Hammer-Studios
gefolgt und dort beginnt ein Zombiefilm eben, ganz der Tradition verpflichtet,
in einer scharf kontrastierenden Parallelmontage, die das "das Eigene"
und "das Andere" nachhaltig betont: hier also das beschauliche England,
Cornwall, um genau zu sein, dort das geographisch noch nicht näher lokalisierbare
Voodooritual mitten im Verlauf, stilecht in einer Grotte, mit exotischen Masken
ausgestattet, von monoton vorgetragenen Beschwörungsformeln getragen und
von, nunja, trommelnden "Negern" begleitet, deren filmdramaturgischer
Zweck sich allein auf eben jenen exotischen Mehrwert reduziert. Dem folgt eine
beinahe etwas behäbige Gruselgeschichte um eben jenes Cornwall, in dem
auf überaus mysteriöse Weise in den letzten 12 Monaten ein seltsames
Sterben die Runde macht. Der noch junge und noch nicht so recht anerkannte Dorfarzt
ruft seinen ehemaligen Lehrmeister in den Ort, um mit dessen Hilfe dem Mysterium
auf den Grund zu gehen. Dass die eingeschworene (buchstäbliche) Lokalgemeinschaft
beiden nicht traut, ist schon allein den Genrekonventionen geschuldet: "Reing'schmeckte"
von Außen sind das, Intellektuelle obendrein, die hinter verschlossenen
Türen seltsam vor sich hin forschen.
Kurz
bevor der Film droht, langweilig zu werden, tritt er gehörig auf's Gaspedal:
Das Grauen, zuvor ja immer nur behauptet, tritt ganz offen, schockierend unvermittelt
in den Bildkader: Die Gestorbenen werden - "Von wem?" , "Ja,
genau darum geht's!" - ausgebuddelt, werden zu Wiederkehrern! Mit formalen
Mitteln weiß man dieses "Einbrechen ins Vertraute" zu unterstreichen:
Denkbar spektakulär und reißerisch wird der erste Zombie des Films
in Szene gesetzt. Was folgt, ist eine, für damalige Verhältnisse und
für den Kontext des viktorianischen Gothic-Gruslers, in dem wir uns bewegen,
einzigartige Achterbahnfahrt, die mit Schauwerten nicht geizt: Wo hat man schonmal
die Übergangsphase vom Toten zum Wiederkehrer derart charmant aufgelöst
gesehen? Wo gab es zuvor - später in Genrefilmen oft zitiert! - einen wildgeschwungenen
Spaten zur Dekapitation eines Zombies zu sehen? Die existenzialistische Erfahrung,
die Entfremdung, die man des Nächtens auf dem Friedhof durchlebt, wenn
sich vor den eigenen ungläubigen Augen die Erde auftut und Untote ausspeit,
wurde kongenial mit formalen Mitteln zum Ausdruck gebracht! Und der Showdown,
ja, Mensch, der wilde Showdown nimmt schon wesentliche Aspekte von Fulcis erst
13 Jahre später entstandenem Heuler Woodoo vorweg.
Jedoch,
nicht nur allein die Toten kehren wieder, auch den Sets und Locations wird ein
zweites Leben gegönnt: wie's bei den Hammer-Schinken der klassischen Horrorphase
schöner Brauch ist, wurden die Bauten, aus ökonomischen Gründen,
auch für andere Filme verwendet, für Das
schwarze Reptil,
um genau zu sein. Auch einige Darsteller sind dieselben, was zu nicht wenigen,
schönen Déja-Vu-Effekten führt, vom heimeligen Gefühls
des "Alte-Freunde-Wiedersehens" mal ganz abgesehen, wenn sich dieselben
Gestalten durch dieselben Bauten bewegen. Der Fairness halber sei's aber nicht
verschwiegen: Plague ist
der eigentlich ältere der beiden Filme, in der filmischen Biographie des
Autors dieser Zeilen jedoch der Zweitgesehene!
Fazit?
Plague ist
ein überaus schöner, nostalgischer Horrorstreifen, den es zu entdecken
gilt. Mit einigen ganz köstlichen, kindlich naiven, genau deshalb aber
sehr effektiven Spielereien kann er auch heute noch das Herz des Zuschauers
erobern. Grund zur Vorfreude gibt's obendrein: der Film ist für den Mai
kommenden Jahres von Anolis in der, bislang, voll zu überzeugen wissenden
"Hammer-Edition" für den deutschen DVD-Markt angekündigt.
Eine
Veranstaltung, übrigens, des "CineClub klassisch", der sich über's
Web gemeinsam zum Ansehen alter Horrorklassiker, jeweils zuhause, verabredet.
Die anschließende Filmdiskussion zu Plague findet
sich hier. Eine sehr schöne Idee, der sich weitere Filmenthusiasten und
Freunde des altehrwürdigen, modernden Gruslers gerne anschließen
dürfen.
Thomas
Groh
Dieser
Text ist zuerst erschienen im:
Nächte
des Grauens
THE
PLAGUE OF THE ZOMBIES
Im
Bann des Voodoo-Priesters
England
- 1966 - 90 min. – Horrorfilm - FSK: ab 16; nicht feiertagsfrei - Verleih: -
Centfox - Erstaufführung: - 5.8.1966 - Fd-Nummer: - 14254 - Produktionsfirma:
Seven Arts/Hammer - Produktion: Anthony Nelson-Keys
Regie:
John Gilling
Buch:
John Elder
Kamera:
Arthur Grant
Musik:
James Bernard
Schnitt:
James Needs
Darsteller:
Andre
Morell (Sir James Forbes)
Diane
Clare (Sylvia)
Brook
Williams (Dr. Peter Thompson)
Jacqueline
Pearce (Alice)
John
Carson (Clive Hamilton)
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