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Nicht
böse sein!
... und man kann den drei Männern nicht böse
sein, die in der kleinen Wohnung in Kreuzberg wohnen, Alki der eine, Drogi der
andere, Knasti der Dritte. – Schon falsch, diese Vokabeln zu gebrauchen. Das
wäre der Blick von außen: die Distanz, die jede TV-Redaktion fordert.
Das ganz Besondere, Sympathische und Menschliche ist aber an diesem Film, dass
das Team sich gegen das kalte Schema stellt, das Lager wechselt und solidarisch
mit Andi, Dieter und Wolfgang ist. Wolfgang Reinke (Regie) und Gines Olivares
(Kamera) bringen uns die Dreiergemeinschaft näher, so abstoßend sie
sonst im TV-Film wirken könnte: gezeichnet sind die Helden durch ihre Abhängigkeiten,
die Zähne fehlen, die Haut mit Pusteln bedeckt, aber Geschäftigkeit
den Tag hindurch, Stoff beschaffen, Zoff haben, sich umeinander kümmern,
den Teppich saugen und Spaghetti aufwärmen samt Tomatensauce. Die Hartz-IV-Empfänger,
die mit 345 Euro-Grundeinkommen, hat ein Team gefilmt, das nicht nur Nachbar
ist, sondern sich in der gleichen Situation befindet: Jobcenter, Hartz-IV. Finanzen:
die monatlichen Raten des Grundeinkommens.
Das Ergebnis ist sensationell. Jedem ist zu wünschen,
„Nicht böse sein!“ sehen zu können. Welch Erlebnis, sich von einem
Wärmestrom erfassen zu lassen! Grade von diesen drei Menschen, die sozial
ausgegrenzt und abgehakt sind, asozial mit anderen Worten, - grade von ihnen,
so viel Krach sie auch haben und machen, grade von diesen lässt sich soziales
Verhalten üben und Menschlichkeit.
Schon herbe, wenn es fies aggressiv wird. Wenn wieder
der Pulli geklaut ist. Aber zwei lassen das Gebrüll des anderen geduldig
ablaufen. Wenn er den Pegel erreicht hat und liegen bleibt, nichts zu essen,
sagt Andi: „Ich kann ihn nicht verhungern lassen.“ Und es gibt die andere Seite.
Einer lässt seine Gedichte, die er grade ausgedruckt hat, binden. Der andere
kümmert sich um eine eigene Wohnung („war nichts“). Alle drei laufen durch
sommerliche Wiesen, ein Schachspiel dabei und eine Gitarre. Die Kamera ist wie
selbstverständlich dabei. Dollyfahrten? Gar nicht um kümmern, denn
es gibt viel zu erzählen, und es wird viel erzählt.
Die Kamera ist das, was man sich wünscht. Die
Montage ist erheblich und nicht, wie sonst häufig zu erleiden, überheblich.
Die Regie geht nicht mit Menschen um, sondern lässt Menschen Mensch sein.
Weil Wolfgang Reinke weiß, was Zusehen und Zuhören ist, fließt
ihm und damit dem Film scheinbar ohne Anstrengung zu, um was sich andere leider
sichtbar bemühen müssen. Das Ergebnis ist sensationell. Das Wort,
den Film zu qualifizieren, ist altmodisch geworden: „Nicht böse sein!“
ist human.
Dietrich Kuhlbrodt
Dieser Text ist nur in der filmzentrale erschienen
Nicht
böse sein!
Deutschland
2006, 96 Minuten,
Regie:
Wolfgang Reinke
Kamera:
Gines Olivares,
FSK
ab 12 Jahren, FBW besonders wertvoll, www.nichtboesesein.de
Dokumentarfilm,
PAL, 16:9, stereo
Produktionsformat:
Mini DV / DVCAM
Vorführformate:
DigiBeta / Beta SP / DVCAM / DVD
Sprachen:
deutsch / englisch (UT)
FSK:
12. "Besonders wertvoll"
Kinostart:
8. November 2007
Verleih: b-media/Be there!
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