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Nur
Samstag Nacht
– Saturday
Night Fever
Beweg deinen Hintern
Ist nicht jeder Tanz erquicklicher anzuschauen, als
jemandem beim Luftgitarrespielen zusehen zu müssen? Trotzdem waren wir
damals, Ende der 70er, näher an der Luftgitarre als an Disko. Wir hassten
diesen Tanz, wir weigerten uns, den Film zu sehen, und wir glaubten, das Gitarrensolo,
nein, eigentlich jedes instrumentalische Solo (vielleicht abgesehen vom nur
noch drögen Trommelsolo, das wir aber immer tapfer haben über uns
ergehen lassen) als Gipfel von Musik überhaupt betrachten zu dürfen.
Getanzt haben wir natürlich trotzdem, freestyle, sehr anstrengend, ohne
jede Hilfe von außen. Es war alles lächerlich.
Blick auf New York, Manhattan, die gerade mal vier
Jahre alten Twin Towers, ein Typ steigt aus der Metro, es ist Tony (John Travolta),
er kommt gerade von der Arbeit und geht nach Hause. Er verdient wenig, sein
Job interessiert ihn nicht, seine Mutter kann nicht kochen, sein Vater ist arbeitslos,
nörgelt aber an allem herum, der einzige Held der Familie ist Tonys Bruder,
ein Priester, der aber im Laufe des Films aussteigt und die Kutte an den Nagel
hängt. Tony hat ein paar Freunde, die genau so arm dran sind wie er.
Genau so arm? Nicht ganz. Auf seine Art ist Tony
auch ein Held. Er ist der Samstagabend-Held des 2001, ein Schuppen, wo man gerne
die Bee Gees auflegt, zu denen Tony famos tanzen kann. Tony könnte hier
jede Frau haben, sie stehen auch tatsächlich Schlange, aber zu mehr als
tanzen hat Tony meist keine Lust. Bis Tony Stephanie sieht. Liebe auf den ersten
Blick. Ein bereits eingegangenes Engagement mit der penetranten Annette, die
nur ficken will und blöd ist wie das alltäglich hart werdende Brot,
sagt Tony ab, den Preis von 500 Dollar für die beste Tanzshow will er mit
Stephanie gewinnen. Diese ist eine Aufsteigerin aus demselben Milieu, aus dem
Tony kommt. Beim ersten Date trägt sie dick auf. Das schüchtert Tony
ein. Das ist nicht seine Welt. Aber er bleibt dran. Überzeugt als Tänzer.
Erweist sich als Kavalier, wobei er seinen Job verliert (allerdings doch nur
für einen Tag, Tony ist u.k.). Woanders versagt er, sein Freund Bobby,
der immerhin sein Auto für die nächtlichen Fahrten zur Verfügung
stellt, hat ein riesiges Problem – seine Freundin ist schwanger –, und niemand
will es wissen. Grund genug, dass sich Bobby von einer der New Yorker Brücken
fallen lässt.
Aber auch im Tanzsaal eskalieren die Dinge, Tony
und Stephanie gewinnen zwar den ersten Preis, aber im Grunde merkt Tony, dass
andere besser getanzt haben und dass Disko ziemlich blöde ist. Er gibt
den Preis mit dem Geld denen, die es verdient haben und skandalisiert damit
seine Partnerin, die ihm ihrerseits blöde Sachen an den Kopf wirft. Einen
Tag später ist alles wieder gut. Die beiden raufen sich zusammen, wollen
neu anfangen, heraus aus der Bronx, hinein nach Manhattan. Die Geburt des Self-made-Paares
aus Disko. Sehr amerikanisch.
Aber warum gibt es dann immer noch diese ewig trüben
Tassen wie Annette, die überhaupt nichts lernen und noch jede Erniedrigung
einstecken? Das sind natürlich die Leute, die nicht aufhören, zu Disko
zu tanzen und dazu verdammt sind, ewig die gleichen Erfahrungen machen zu müssen.
Es ist wie mit den Händen, die immer nur um sich selbst kreisen oder wie
mit den Händen, die mal nach oben, dann wieder nach unten zeigen und so
jede Dialektik vermissen lassen, die den Luftgitarristen seinerzeit von sich
selbst erlöst hat, weil er das nicht mehr ertrug.
Dieter Wenk
Dieser Text ist zuerst erschienen
bei:
Nur
Samstag Nacht
SATURDAY
NIGHT FEVER
USA
- 1977 - 119 min. FSK: ab 16; Erstaufführung: 13.4.1978 - Produktion: Robert
Stigwood
Regie:
John Badham
Buch:
Norman Wexler
Vorlage:
nach einer Story von Nik Cohn
Kamera:
Ralf D. Bode
Musik:
Barry Gibb, Robin Gibb, Maurice Gibb, David Shire
Schnitt:
David Rawlins
Darsteller:
John
Travolta (Tony Manero)
Karen
Lynn Gorney (Stephanie)
Barry
Miller (Bobby C.)
Donna
Pescow (Annette)
Joseph
Cali (Joey)
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