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Es
ist nur allzu bezeichnend für einen Film wie Offset,
der so Vieles erzählen möchte, dass in seiner besten Szene geschwiegen
wird. Das unbequeme Schweigen bei einem deutsch-rumänischen Abendessen,
bei dem kein Gefühl von Familie, von Zusammengehörigkeit aufkommen
will und in dem unbeholfene dreisprachige Versuche ein Gespräch anzufangen,
etwa über Rumäniens Bemühungen der EU beizutreten, kläglich
verhallen, erzählt davon, was aus diesem Film hätte werden können.
Die
beiden, die in diesem Film schließlich nicht zueinander finden, sind die
Rumänin Brindusa (Alexandra Maria Lara) und der Deutsche Stefan (Felix
Klare), die sich in der Druckerei in Bukarest, in der sie Sekretärin ist
und er eine neue Maschine installieren soll, kennen lernen. Schon sind die Hochzeitsvorkehrungen
getroffen, schon hat Stefans Familie die Anreise aus Paderborn angetreten, als
der Chef der Druckerei und ehemalige Liebhaber Brindusas, Jorga (Razvan Vasilescu)
zufällig von den Hochzeitsplänen erfährt. Er möchte sie
um nichts in der Welt an Stefan abtreten und er ist ein Mann, der daran gewöhnt
ist, zu bekommen, was er verlangt.
Was
in diesem Film vor der Kulisse (und um nichts weiter handelt es sich dabei)
der Metropole aus sozialistischen Platten- und Prachtbauten und bröckelnden
Gründerzeitfassaden aufeinander prallt, ist deutscher Kleinstadtspießerwahn
und Ostblock-Pat(riarch)entum. Auf der einen Seite stapfen die Fischers durch
den Schnee und mokieren sich darüber, dass niemand die glatten Straßen
gestreut hat. Hier gibt es kleine, aber feine Unterschiede (z.B. den zwischen
sauber und sauber) und sich vor Verlesen der Sitzordnung an einen fremden Tisch
zu setzten, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Das Auto, das Sohnemann fährt,
ist rumänisch und das merkt man auch, aber den Flughafen, ja, den haben
doch wohl wir gebaut, oder? Vor den schrecklichen rumänischen Zahnstochern
aus Stahl hat Frau Fischer schrecklich Angst, wie vor überhaupt allem hier.
„So ist die deutsche Familie, aber keine Angst, das ist nicht ansteckend.“ Na,
gerade noch mal Glück gehabt.
Auf
der anderen Seite thront Jorga vor einer riesigen Weltkarte und spricht Englisch,
aber nur wenn er Lust hat. Er wohnt in einem sterilen, protzigen Klotz aus Beton
und Glas, wie ihn viel Geld überall auf der Welt kaufen kann, schert sich
einen Dreck um Frau und Kind und macht Angebote, die man nicht ablehnen kann.
Indem
der Film zwischen diese Fronten sein tragisches Liebespaar setzt, das mit dieser
Welt nichts mehr anfangen, sie aber auch nicht ganz hinter sich lassen kann,
und dessen Tragik schon deshalb nicht berührt, weil es Alexandra Maria
Lara und Felix Klare von Anfang nicht daran gelegen ist, ihre Figuren so zu
spielen, als ob sie irgendetwas für einander empfinden würden, ist
er komplett, der Stoff aus dem mittelmäßige deutsche TV-Filme gemacht
sind. Der Gesamteindruck wird auch dadurch nicht besser, dass der Film im Showdown
ziemlich alles dafür tut, den Phobien Frau Fischers Recht zu geben. Ach,
wären wir doch bloß nie hierher, in den Osten gekommen! Ach, wären
wir doch bloß im sicheren Paderborn geblieben!
Und,
sagt uns dieser culture
clash
nun wirklich irgendetwas über den Zusammenprall von „Ost und West, Jung
und Alt“, über die „Barrieren der Kulturen“ (Presseheft) über das
(nicht) zusammenwachsende Europa und die Globalisierung und das ganze Zeug?
Wenn er das tut, dann eben nur in den wenigen Momenten, in denen er schweigt,
anstatt, bei dem Versuch so vieles zu erzählen, nur ein Klischee ans andere
zu reihen.
Nicolai
Bühnemann
Deutschland 2006; Regie: Didi Danquart; Darsteller: Alexandra Maria Lara, Felix Klare, Razvan Vasilescu, Katarina Thalbach, Manfred Zapatka, Ilona Abur, u.a. Länge: 109 Min. Deutsch-rumänisch-englisch-französische Originalversion mit deutschen Untertiteln. Deutscher Kinostart: 2. 11. 2006
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