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Das
Omen
"Wenn die Juden gen Zion ziehen,
und ein Komet die Nacht zerreißt,
wenn das Heilige Römische Reich obsiegt,
der Tod mir und dir das Leben entreißt.
Aus dem ew'gen Meer steigt er,
Armeen an beiden Ufern schafft,
der Mensch kämpft gegen seinen Bruder,
bis der Mensch dahingerafft."
Neben Roman Polanskis "Rosemarys
Baby" (1968) und William Friedkins
"Der Exorzist" (1973) ist wohl "Das Omen" von Richard
Donner als dritter bedeutender Film jener Jahre zu nennen, in dem der Teufel
die Fäden der Geschichte zieht. Der Film löste eine Reihe von Sequels
aus, ein geradezu übles Remake wurde 2006 produziert. Während in "Rosemarys
Baby" eine junge Frau im Rahmen einer Art Verschwörung zur Mutter
einer Teufelsgestalt wird und in "Der Exorzist" der Teufel in ein
Kind fährt, lässt Donner in "Das Omen" eine Art Prophezeiung
wahr werden, die sich an einer Textstelle in der Bibel festmacht: Der Teufel
zeugt einen Sohn, lässt ihn von einer "ganz normalen" Familie
aufziehen, damit er sich dann irgendwann die Erde und die Menschen untertan
machen kann.
Robert Thorn (Gregory Peck) und seine Frau Katherine
(Lee Remick) erwarten ihr erstes Kind. Doch bei der Geburt stirbt das Baby,
und die in einem römischen Krankenhaus tätigen Priester bieten Thorn
an, statt dessen ein zur gleichen Zeit geborenes Kind, deren Mutter angeblich
bei der Geburt gestorben ist und das keine Verwandten haben soll, zu adoptieren,
sprich: der unwissenden Katherine unterzuschieben. Thorn stimmt nach anfänglichem
Zögern zu, denn er weiß, wie problematisch für Katherine das
Wissen um die Fehlgeburt wäre. Nichts ahnend ist Katherine überglücklich
über den scheinbar gemeinsamen Sohn, den die beiden Damien (Harvey Stephens)
nennen.
Damien wächst heran wie ein normales Kind. Inzwischen
ist Thorn zum Botschafter in London ernannt worden. Man zieht in eine prunkvolle
Villa in London - und bis zum fünften Geburtstag Damiens verläuft
alles zur Zufriedenheit der Eltern. Eines Tages jedoch - während des Geburtstagsfests
Damiens - passiert etwas Schreckliches. Damiens Kindermädchen steht - während
die Gäste sich vor der Villa aufhalten - auf dem Fenstersims, ruft etwas
wie: Für dich, Damien, würde ich alles tun - und springt mit einem
Strick um den Hals in den Tod. Entsetzen macht sich breit. Kurz darauf meldet
sich eine Mrs. Baylock (Billie Whitelaw) bei den Thorns als neues Kindermädchen.
Eine Agentur habe sie geschickt, nachdem diese von dem schrecklichen Tod des
ersten Kindermädchens erfahren habe.
Mrs. Baylock scheint ihr Geschäft zu verstehen
- und sie ist resolut und immer in der Nähe von Damien. Kurze Zeit später
meldet sich ein Pater Brennan (Patrick Troughton) bei Thorn in der Botschaft,
redet vom Teufel und davon, Thorn solle das Blut Jesus trinken. Thorn hält
den Priester für verrückt - doch der lässt nicht locker und verabredet
sich mit Thorn in einem Park vor einer Kirche. Er behauptet, Damien sei nicht
Thorns Kind, sondern die Geburt des Teufels - gezeugt von diesem und einem Schakal.
Thorn ist entsetzt und fühlt sich durch Brennan belästigt.
Kurz darauf wird der Priester direkt vor der Kirche
von einer vom Dach herunterfallenden Stange durchbohrt.
Der Fotograf Keith Jennings (David Warner), der die
Familie Thorn seit einiger Zeit zunächst nur aus beruflichem Interesse
beobachtet hat, meldet sich bei Thorn und zeigt ihm von ihm geschossene Fotos,
auf denen merkwürdige Zeichen zu sehen sind - die den Tod des Kindermädchens
und des Priesters anzukündigen scheinen. Thorn kommen langsam Zweifel,
ob Damien wirklich ein normales Kind ist, oder ... Und es geschehen weitere
Dinge, die seine und Jennings Vermutungen zu untermauern scheinen
...
Neben "Rosemarys Baby" und "Der Exorzist"
führte "Das Omen" von Anfang an ein gewisses Schattendasein -
etwa nach dem Motto: Schon wieder ein Film, in dem der Teufel sich der Menschheit,
der Erde und was weiß ich nicht bemächtigen will. Man mag seine Sympathien
für den einen oder anderen Film haben. Für mich steht fest, dass "Das
Omen" neben den beiden anderen beiden Filmen zu den besten jener Jahre
gehört, die Ängste vor übernatürlichen und bösen Kräften
zum Ausgangspunkt ihrer Geschichten nehmen. Donners Film hat dabei gegenüber
den beiden anderen durchaus einen eigenständigen Stellenwert - selbst wenn
man eingestehen muss, dass Parallelen sicher auszumachen sind.
Der Eigenwert des Films liegt nicht so sehr in dem
Aufsetzen auf einer Kino-Mode, sondern in der Art der Inszenierung selbst. Es
scheint von Anfang keinen Zweifel zu geben: Damien sei der leibhaftig gewordene
Antichrist. Alles, aber auch alles deutet in Donners Film, zu dem David Seltzer
das Drehbuch schrieb, darauf hin. Und doch inszenierte Donner die Geschichte
so, dass auch eine andere Interpretation der Geschichte möglich ist, nämlich
die, dass alle Vermutungen, Geschehnisse, Umstände auch eine ganz natürliche
Erklärung haben könnten und sich verschiedene Personen nur einbilden
könnten, den Leibhaftigen auf Erden in Gestalt des Jungen zu sehen.
Man kann dies an den Personen selbst festmachen:
an Katherine, die irgendwann merkt, dass Damien nicht ihr eigener Sohn ist,
und die nach dem Sturz in die Tiefe vermutet, er wolle sie ermorden. Ihr Psychiater
nimmt an, sie leide unter einer Psychose. Dies ist durchaus eine mögliche
Erklärung. Der Tod des Priesters durch die vom Dach der Kirche fallende
Stange könnte auch ein Unfall gewesen sein, der nur als Teufelswerk erscheint,
weil der Priester - fanatisch dargestellt von Patrick Troughton - in einer Art
religiösem Wahn sich einbildet, der Teufel sei auf Erden angekommen in
Gestalt eines von einem Satan und einem Schakal gezeugten Kindes. Selbst die
merkwürdigen Zeichen auf Jennings Fotos könnten einfach bestimmte
Licht- und Schatteneffekte sein. Dass das Krankenhaus, in dem Damien geboren
wurde, völlig abgebrannt ist, bedarf auch keiner übernatürlichen
Erklärung. Und selbst der Fund zweier Gräber durch Thorn und Jennings,
in denen sich ein Kind und ein Schakal finden, kann ganz andere Gründe
haben als die, der Teufel sei auf Erden erschienen. Die Antipathie von Katherine
gegenüber der eigenartigen Mrs. Baylock könnte erklären, warum
Katherine im Krankenhaus aus dem Fenster stürzte. Und selbst der Vorfall,
bei dem Damien seine Mutter anfuhr, die daraufhin über das Geländer
stürzte, könnte einfach ein Unfall gewesen sein.
Donner spielt mit beiden möglichen Erklärungen
- einer übernatürlichen und einer natürlichen. Bindeglied zwischen
beiden sind die Ängste und die Unsicherheit der beteiligten Personen, also
von Jennings, Thorn und Katherine. Gerade dieses Spiel ist es, was auch beim
Betrachter der Geschichte Unsicherheit und Zweifel an der einen oder anderen
Erklärung auslöst.
Hinzu kommt, dass sich Damien wie ein normales Kind
verhält, spielt, lacht, rennt - keine Grimassen, keine Zaubertricks, kein
Pferdefuß, nichts, was auf den Teufel hindeuten könnte. Und andererseits
verhält er sich dann auch wieder merkwürdig, etwa als die Thorns mit
ihm zu einer Hochzeit in eine Kirche fahren und Damien vor Entsetzen Katherine
in die Haare greift und ihr Gesicht zerkratzt. Die Auswahl von Harvey Stevens
für diese Rolle war ein Glückstreffer; denn er wirkt einerseits wie
ein harmloser normaler Junge, kann aber andererseits eben auch im wahrsten Sinn
des Wortes teuflisch dreinschauen.
Dieses Spiel zwischen religiöser Mythologie,
Aberglauben, (satanischen) Wahnvorstellungen und der Realität jener Jahre
wird durch das exzellente Spiel der Schauspieler unterstützt. Gregory Peck
spielt einen ruhigen, gelassenen, fast zurückhaltenden Mann, der im Laufe
der Geschichte immer mehr von Zweifeln überzogen wird. Dieser Thorn hat
sich im Griff, aber gegen Ende glaubt er tatsächlich, Damien sei der Sohn
des Leibhaftigen. David Warners Jennings gehört auch eher zu jenen Menschen,
die nur glauben, was sie sehen - und wird in den gleichen Strudel des Zweifels
gezogen wie Thorn. Lee Remick schließlich spielt eine Frau, die aus insgesamt
glücklichen Umständen immer deutlicher und stärker in eine psychisch
stark belastende Situation gedrängt wird. Wahn oder reale Ängste?
Die Musik von Jerry Goldsmith und die oft Gemälden
gleichen Bilder Gilbert Taylors verleihen dem Film eine zusätzlich dichte
Atmosphäre.
Zu erwähnen ist noch, dass die erschreckenden
Szenen des Films - die Strangszene etwa, der Sturz Katherines vom Geländer
und besonders die Enthauptungsszene - so gut wie perfekt wirken. Ähnliches
gilt für eine Friedhofszene, in der Thorn und Jennings von blutrünstigen
Hunden bedroht und angefallen werden.
Donners Film ist auch heute noch sehenswert. Und
die Schlusseinstellung, in der Damien beim Begräbnis in die Kamera schaut
lässt auch uns zweifeln. Schaut uns der Teufel ins Gesicht?
DVD
20th Century Fox ist mit der Edition seiner Doppel-DVD
in einer stabilen Leichtmetall-Box im Januar 2007 ein Glücksfall gelungen.
Nicht nur wird der Film selbst in überarbeiteter Fassung mit exzellenter
Bild- und Tonqualität präsentiert. Auf der beiden DVDs finden sich
zudem zahlreiche Extras, die den Genuss des Films noch verstärken. Einziges
Manko: Es handelt sich um die ca. 4-5 Minuten gekürzte FSK-16-Fassung des
Films.
Neben den Audiokommentaren von Donner, Editor Baird
und Regisseur Helgeland bietet die erste DVD ein Featurette unter dem Titel
"Fluch oder Zufall" (6:21 Min.). Donner und andere Beteiligte am Film
erzählen von einigen mehr oder weniger riskanten Ereignissen während
der Dreharbeiten. Das Featurette spielt ein bisschen mit dem Gedanken, Satan
habe die Entstehung des Films verhindern wollen. So ganz ernst gemeint ist dies
aber wohl nicht.
In einem zweiten Beitrag erzählt Jerry Goldsmith
über die Entstehung seiner Filmmusik (17:41 Min.).
Auf der zweiten DVD befinden sich neben einer knapp
zwei Minuten langen Einleitung des Regisseurs zum Film folgende Featurettes:
"666: The
Omen Revealed" (46:16 Min.) und "Omen Legacy" (47:43 Min.).
Hier erzählen etliche Beteiligte am Film, aber
auch Priester und andere über Entstehung, Wirkung und Bedeutung des Films
und die Entstehung einzelner Szenen sowie die Probleme, einzelne Szenen zu inszenieren.
Notizbuch des Drehbuchautors (14:54 Min.):
Seltzer erzählt, wie er dazu kam, das Drehbuch
zu schreiben - über ein Thema, das ihn eigentlich nicht sonderlich interessierte.
Schließlich ein weiteres interessantes Featurette:
Regisseur Wes Craven nimmt Stellung zur Bedeutung des Films, auch für ihn
selbst (20:18 Min.).
Der Trailer, eine Bildergalerie und ein kurzes Featurette
über geschnittene und erweiterte Szenen runden das hervorragende Bild dieser
zweiten DVD ab.
Ulrich Behrens
Dieser Text ist zuerst erschienen
in:
Das
Omen
(The
Omen)
Großbritannien,
USA 1976, 111 Minuten
Regie:
Richard Donner
Drehbuch:
David Seltzer
Musik: Jerry
Goldsmith
Kamera:
Gilbert Taylor
Schnitt:
Stuart Baird
Produktionsdesign:
Carmen Dillon
Darsteller:
Gregory Peck (Robert Thorn), Lee Remick (Katherine Thorn), David Warner (Keith
Jennings), Billie Whitelaw (Mrs. Baylock), Harvey Stephens (Damien), Patrick
Troughton (Pater Brennan)
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