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Querelle
- Ein Pakt mit dem Teufel
„Each
man kills the thing he loves”
„Jemand muss sich in die tiefsten
Tiefen
dieser
Gesellschaft begeben, um sich für
eine
neue zu befreien oder sich befreien
zu
können. Dass jemand, der das tut, wie
auch
immer faszinierend ist, ist klar. (...)
Das
Thema ist die Identität des Einzelnen
und
wie er sich diese verschafft. Das hängt
damit
zusammen (...) , dass man, um
vollständig
zu sein, sich selber noch einmal
braucht.
(...) Jeder, der sich an Grenzen begibt,
oder
an gesellschaftliche Grenzen, oder alles,
was
sie übertritt, muss zwangsläufig in dieser
Gesellschaft
pornographisch sein, und jede
denkbare
Utopie birgt natürlich in sich die
Gefahr
faschistoider Momente. Das ist ganz
klar.”
(Rainer
Werner Fassbinder) (1)
Alles
scheint künstlich und zeitlos, selbst das Medium, die Kulisse, die Figuren,
die Dialoge. Ein Erzähler aus dem Off und eingeblendete Texte vermitteln.
Die künstliche Sonne hängt am Horizont, zumeist verdeckt durch Häuser
schmettert sie in die Zwischenräume, die die Szenerie beherrschen und doch
ein Ganzes, eine Art Homogenes bilden, das grelle Licht zwischen Orange und
Gelb – fast immer gleich bleibend. Nur ab und an strömt ein kaltes Blau
durch die Räume, die so für immer festgelegt scheinen wie die Figuren,
die sich in ihnen bewegen. Der Hafen von Brest, ein Schiff ist angekommen, der
Zerstörer „Vengeur”. Doch es scheint anders. Es scheint, als ob in dieser
Szenerie immer alles schon so war, wie es jetzt ist, und es scheint zu bleiben.
Der Raum bildet sich aus Hafen, Schiff, dem Bordell „Feria” und den mal engen,
mal etwas breiteren Gassen von Brest.
„Querelle”,
dem die Verleihfirma aus kommerziellen Gründen den Zusatztitel „Ein Pakt
mit dem Teufel” verpasste, ist vielleicht Fassbinders am schwersten zugänglicher
Film. Vielleicht. Aber auch nur vielleicht. Die literarische Vorlage von Jean
Genet, einem der außergewöhnlichsten (französischen) Schriftsteller,
„Querelle de Brest”, erschien 1947, war zeitweise verboten aufgrund der Schilderung
homoerotischer Szenen.
Ein
Matrose, Querelle (Brad Davis), geht von Bord und will in dem Bordell „Feria”
Opium verkaufen, das er zusammen mit seinem Komplizen Vic (Dieter Schidor) geschmuggelt
hat. Abnehmer ist der Besitzer des „Feria”, Nono (Günther Kaufmann). In
dem Bordell ist der reiche Polizist Mario (Burkhard Driest) Stammgast. Unter
seinen Augen und mit seiner Zustimmung verkauft Querelle das Rauschgift. Im
„Feria” trifft er auch seinen Bruder Robert (Hanno Pöschl), der ein Verhältnis
mit Nonos Frau Lysiane (Jeanne Moreau) hat.
Mario
macht auf Querelle einen starken Eindruck; er ist fasziniert von der Macht und
stets präsenten Körperlichkeit des Polizisten. Und aus diesem Grund,
sozusagen um ihm allein und einzig ebenbürtig zu werden, tötet Querelle
seinen Komplizen Vic, indem er ihm die Kehle durchtrennt. Um diesen Mord zu
sühnen, gibt sich Querelle zum ersten Mal in seinem Leben einem Mann hin:
Beim Würfelspiel mit Nono verliert Querelle. Hätte er gewonnen, hätte
er Lysiane bekommen. Jetzt muss er sich Nono hingeben. Aber Querelle ist danach
nicht geschlagen und verloren – im Gegenteil: er fühlt sich wieder sicher
und stark. Alle scheinen ihn zu bewundern: Lysiane, sein Vorgesetzter Leutnant
Seblon (Franco Nero), der von Querelle träumt, und auch Mario, dem er sich
ebenfalls hingibt.
Dann
lernt er Gil (Hanno Pöschl) kennen, einen Maurer, der seinen Vorgesetzten
Theo (Neil Bell) mit einer Flasche getötet hat, weil der seine Ehre verletzt
hatte. Querelle versteckt Gil, zieht ihn an wie seinen Bruder Robert, samt Bärtchen,
und zwischen beiden entwickelt sich so etwas wie tiefe Freundschaft und Zuneigung.
Um diese Freundschaft zu verewigen, verrät Querelle Gil an die Polizei;
er opfert ihn, um sich selbst unsterblich zu machen.
Querelle
wird fast zum Idol aller im Hafen Anwesenden. Auch Lysiane versucht, ihn für
sich zu gewinnen. Vergeblich. Nur Leutnant Seblon gelingt es, Querelle durch
seine uneigennützige Liebe für sich zu gewinnen. Die „Vengeur” und
mit ihr Seblon und Querelle verlassen Brest.
„Zum
ersten Mal küsste Querelle einen
Mann
auf den Mund. Es schien ihm, als
stoße
er sein Gesicht gegen einen Spiegel,
der
sein eigenes Bild zurückwarf, als
wühle
seine Zunge im starren Inneren
eines
granitenen Kopfes.” (3)
Diese
Geschichte, die vor allem außergewöhnlich scheint, weil Querelles
Verhalten widersprüchlich erscheint, erschließt sich kaum aus der
Wiedergabe ihrer wesentlichen Punkte. Man hat behauptet, dieser Film sei Fassbinders
Vermächtnis. Doch sein Tod ist für mich nur ein schwaches Argument
für diese These, zumal man in fast jedem seiner Filme so etwas wie Vermächtnis
sehen könnte. Ich sehe in „Querelle” eher einen weiteren Schritt in Fassbinders
Werk, der sich logisch aus seinen früheren Filmen erschließen lässt.
Dass Liebe und Tod in seinen Filmen eine immense Bedeutung spielten, ebenso
die Frage danach, wie jemand Identität erlangen könne, ist sowieso
ein offenes Geheimnis.
Spiegelungen
sind in „Querelle” ein Schlüssel zum Verständnis dieses letzten Films
von Fassbinder, den er nicht mehr selbst montieren konnte. Fassbinder starb
am 10. Juni 1982, der Film kam am 17. September 1982 in die Kinos. Querelle
z.B. spiegelt sich in seinem Bruder Robert, mit dem ihn eine Art Hassliebe verbindet;
aber auch mit Gil, der Querelles Bruder äußerlich immer ähnlicher
wird, der den „richtigen” Bruder Querelles repräsentiert, während
Robert das Negative, das Objekt seines Hasses verkörpert. Was für
Querelle gilt, gilt aber auch für alle anderen Personen, für Lysiane
etwa, die als Ausgeschlossene in einer Männerwelt zuerst Robert und dann
seinen Bruder als männliches Pedant zu sich selbst sucht. Auch Leutnant
Seblon spiegelt sich in Querelle als Ausdruck seiner unerfüllten Liebe.
Dieses
wechselseitigen Spiegelungen montiert Fassbinder in eine künstliche Welt,
oder wie er sagt: in eine surrealistische Landschaft (2), in der der Raum und
die in ihm Agierenden wie Kunstprodukte erscheinen, fast wie märchenhafte
Figuren einer weit entfernten Welt, die der unsrigen entrückt zu sein scheint.
Aber in dieser Entrückung liegt wiederum ein Rückbezug zu uns selbst.
Der Hafen als zeitweiliger Ankerplatz, als Ruhepunkt, aber auch als Unruheherd,
und das Schiff in seiner Bestimmung als Permanenz der Bewegung, der Suche, des
Risikos, des Unbekannten und als Machtinstrument symbolisieren in gewisser Weise
den Raum, in dem die Suche nach vollkommener Identität der Agierenden stattfindet.
Eine
Zugang zu „Querelle” ist für mich nur möglich, wenn ich diesen Film
in einer Art systemischen Perspektive betrachte, in einer Gesamtschau der (symbolischen)
Beziehungen, die die Personen zueinander eingehen, und eben nicht in der Betrachtung
der einzelnen Figuren für sich selbst. Identität erscheint dabei weniger
als ein fester, fixierter Zustand eines einzelnen, sondern als Prozess, in dem
sich einzelne ihrer Identität in Beziehung zu anderen vergewissern wollen,
dies zumindest versuchen.
Seblon
ist äußerlich betrachtet ein Träumer, aber einer, der es am
„perfektesten” versteht, seine eigene sexuelle Energie in Macht umzusetzen.
Er zeichnet seine Wünsche, Erlebnisse usw. auf Tonband auf. Er repräsentiert
sozusagen die medial ummantelte Macht „als solche”, eine Macht, die zu sich
selbst gekommen ist, die ständig nur protokolliert, das sie zum personifizierten
Zeichen „der Macht” geworden ist. Seblon existiert in diesem Sinne ganz allgemein
als schützende Mutter seiner Matrosen, als Schutzmechanismus für eine
Männerwelt, in der das Homoerotische ein Geheimnis bleibt und unter Strafe
(bei Enthüllung) bleiben muss. Man kann ihn aber auch als Vater sehen;
das bleibt offen. Querelle ist für Seblon eine Art Sohn, und in ihm offenbart
sich letztlich – wiederum Zeichen, das zur Realität Bezug nimmt – ein dem
Gottvater-Jesus analoges Verhältnis, nur das Seblon hier eher als Stellvertreter,
als Funktionär einer höheren Macht handelt, sozusagen als weltlicher
Papst, der in seinen Aufzeichnungen auch auf den defizitären Zustand seiner
selbst verweist: auf die gefühlvolle Gefühllosigkeit des Einsamen.
Demgegenüber
und in Bezug darauf repräsentiert Lysiane die vom Thron gestürzte
Weiblichkeit. Auch Lysiane kann sich medial vermitteln, nicht durch Aufzeichnungen,
sondern indem sie Robert zuflüstert oder indem sie singt „Each man kills
the thing he loves”. Sie steht für die Mutter eines Kindes (Robert), für
die Heilige Maria, die Unberührte, denn in dieser Männerwelt ist für
wirkliche Frauen kein Platz. Lysiane ist das Sinnbild einer Frau, der entmachteten
Frau, die erfahren muss, dass sich die Männer nicht für sie interessieren,
sondern für das Würfelspiel der Macht (Nono), für Rache (Querelle).
Und
Mario? Er ist der andere Stellvertreter der weltlichen Macht, der in seinem
Handeln allerdings durchaus flexibel reagieren kann. Während er den Drogendeal
nicht verfolgt, weil er Nono auf seiner Seite weiß und behalten will,
möchte er Querelle gerne verhaften, verliert diesen Kampf aber letztlich
gegen Seblon und dessen Machtbereich, so dass er sich auf den anderen Mörder
konzentriert: auf Gil, das zweite Spiegelbild Querelles.
Nono
ist ein nüchterner Machtmensch. Das Würfelspiel versetzt ihn spielerisch
in die Lage, seine Bedürfnisse zu befriedigen. Und er weiß Mario
als schützende Staatsmacht an seiner Seite. Non ist ein nach Kriterien
der Vernunft Handelnder, das Würfelspiel symbolisiert die Waage zwischen
Erfolg und Verlust und garantiert Nono eine Art ausgeglichenes Leben.
Robert
ist sozusagen weniger wirklicher Bruder Querelles als sein Alter Ego. Er ist
der gescheiterte Versuch Querelles, sein Spiegelbild zu finden, ein Mann, der
das Heterosexuelle verkörpert und in dem Weibliches offenbar geblieben
ist. Zum Schluss behauptet Lysiane, Robert habe nie wirklich existiert, sondern
nur in der Vorstellung Querelles. Robert ist ein Trugbild in dieser Männerwelt.
Und
Robert ist zugleich Gil, der ungeschickte, weil aus Spontaneität handelnde
Mörder, den Querelle opfert. Gil sehnt sich nach Paulette, also nach dem
Weiblichen, das für ihn aber unerreichbar bleibt. In seiner Nähe ist
nur Paulettes Bruder, Roger, in der er Paulette wiederzuerkennen glaubt, dem
er sich nähert. Gil ist so zugleich der gescheiterte Heterosexuelle, der
zum wirklichen Opfer, nicht nur Querelles, sondern des Systems der Beziehungen
in „Querelle” wird.
„Querelle
war eine Art von unausgesprochenem
Pakt
mit dem Teufel eingegangen. Nicht seine
Seele
oder seinen Leib verschrieb er ihm,
sondern
etwas, was ebenso kostbar ist:
einen
Freund. Und der Tod dieses Freundes
heiligt
seine Verbrechen. Unsere Aufgabe ist
es,
das Universelle eines besonderen
Phänomens
auszudrücken. Es geht nicht mehr
um
ein Kunstwerk – denn das Kunstwerk ist
frei.”
(3)
Querelle
schließlich steht letztendlich – man könnte sagen – für den
normalen Bürger, den einzelnen, der in eine Welt geboren wurde, in der
alles fertig zu sein scheint. Er steht am Scheideweg zwischen teuflischem Tod-Bringer
und himmlischem Engel. Seine erste Bluttat, der Mord an seinem Komplizen Vic,
ist zum einen sozusagen der Weg aus der kindlichen Unschuld in die erwachsene
Schuld. Querelle „kauft” sich in die (Männer-)Welt ein. Er will Opium schmuggeln,
was zweierlei bedeutet: Er verschafft sich Zugang zum „Geschäft” im allgemeinen,
zu der Art von Tätigkeit, die Einfluss, Geld verspricht. Zugleich ist dieses
spezielle Geschäft illegal. Mario deckt jedoch das Geschäft, d.h.
Querelle bekommt staatliche Erlaubnis, natürlich auch, weil das Geschäft
mit Nono abgeschlossen werden soll. Mario integriert Querelle durch diese Handlung
in die erwachsene Männerwelt und bei Nono verschafft sich Querelle durch
den ersten Geschlechtsakt mit einem Mann die Sühne, die innere Strafe,
mit der allein er den Mord an Vic seelisch überwinden kann.
Der
Mord an Vic ist damit vor allem anderen Zeichen für die Aufnahme eines
nur scheinbaren Rebellen in die Machtstrukturen. Vic hingegen symbolisiert das
notwendige Opfer dieser Strukturen. Dass er, so will es scheinen, gar „freiwillig”
dieses Schicksal akzeptiert, sich vor dem Tötungsakt auszieht, steht für
nichts anderes als den Glauben, er, Vic, werde durch einen Liebesakt jetzt ebenso
in diese Männerwelt aufgenommen. Der Tod jedoch, der es nie zu diesem Liebesakt
kommen lässt, erscheint damit als höchste Auszeichnung eben dieser
Machtstrukturen.
Dies
wird umso deutlicher, als Querelle – was unserem Empfinden zu widerstreben scheint
– den einzigen Menschen, zu dem er eine wirkliche Freundschaft, ja Liebe empfindet,
am Schluss an Mario verrät: Gil. Dieser Verrat integriert Querelle in das
Machtgefüge; er wird sozusagen zum vom System geduldeten Mörder, denn
eigentlich ist er es, der Gil durch seinen Verrat tötet. Und er wird durch
die zu Marios Staatsmacht parallele Machtstruktur Seblons unter den Schutz des
Systems gestellt.
Die
im Film gezeigten homosexuellen Handlungen können als entscheidende Schnittpunkte
der Handlung, der Geschichte Querelles, seines Weges, gesehen werden. Sie sind
zugleich Unterwerfungsakte (Mario), aber eben auch Stationen auf dem Weg Querelles
zur Integration in das Machtgefüge dieser Männerwelt, hinter der letztlich
nichts anderes als die Moderne lauert: integrative Unterwerfungsakte, geprägt
durch eine visuell deutlich präsente Körperlichkeit sowohl Marios
(der mit Leder und Ketten bekleidete Polizist) und Nonos (an dessen physischer
Präsenz kaum ein Zweifel aufkommen kann).
Obwohl
Fassbinders letzter Film visuell, darstellerisch und textlich „aus der Reihe
zu tanzen” scheint, ist er doch eine konsequente Fortführung des Bemühens,
Gesellschaft und Individuum der Moderne, insbesondere des 20. Jahrhunderts zu
verstehen. Im magischen Dreieck von Macht (Seblon, Mario), Geld (Nono, Querelle)
und Sexualität (als Unterwerfungs- und Integrationsstrategie) offenbart
sich Macht als Organisationsprinzip von Gesellschaft, die – ganz im Foucaultschen
Sinne – weniger das Instrument einer herrschenden Klasse repräsentiert,
als das Zentrum, um das sich eine ganze Gesellschaft samt ihrer Geschichte und
damit auch den Mythen, die sich um diese Geschichte bilden, gruppiert. Das bedeutet
in Bezug auf „Querelle”, dass die Herrschaft des „Alles oder nichts”, des männlichen
Prinzips, das seinen Schlusspunkt eben im Tod und in der Handlung „zum Tod”,
im Mord, findet, durch Fassbinder in einer, wie er sagt, surrealistischen Art,
ich würde sagen, in einer überhöht artifiziellen Art und Weise
thematisiert wird.
Dabei
ist Mord sowohl im wörtlichen, vor allem aber im symbolischen Sinn zu verstehen.
Denn die Tötungen finden, führt man die Handlung im systemischen Blick
auf sie auf eine „realistische” Ebene herunter, in der Tötung von etwas
ihren Grund, das in den Personen selbst liegt. Unterwerfung zum Beispiel ist
vor allem ein Akt, der etwas in einem selbst auslöscht, in dem man einem
anderen etwas von sich „abtritt”, und zugleich etwas „Neues” projiziert: die
Bereitschaft, sich dem Prinzip der Macht als Organisationsprinzip von Gesellschaft
zur Verfügung zu stellen.
Querelles
Weg ist damit sozusagen der Weg des zivilisierten Menschen – immer nahe am Übergang
zum Faschismus oder zur Humanität. Die Entmachtung des weiblichen Prinzips,
repräsentiert durch Lysiane, kontrastiert mit einer Suche nach Identität,
die den Tod, das heißt die vollkommene Identität, permanent als Möglichkeit
einbezieht. Hier genau liegen die Verknüpfungselemente zu den vorangegangenen
Filmen Fassbinders. Die Rückkehr des „Todesengels”, des „apokalyptischen
Reiters” ist in Querelle immer
gegenwärtig – aber ebenso der Befreier, das Gute, der Erlöser, je
nachdem, auf wen Querelle trifft. Querelle entscheidet sich im Film letztlich
gegen Lysiane und für Seblon, also für das System. Fassbinders Inszenierung
ist in dieser Hinsicht zwar logisch, aber nicht eindeutig in dem Sinne, dass
Querelle keine andere Wahl geblieben wäre. Die Alternative, die an jedem
Punkt des Films „lauert”, wäre hier die Flucht mit Lysiane gewesen – vielleicht
auf dem Schiff Seblons vielleicht auch auf anderen Wegen.
Wertung:
10 von 10 Punkten.
Ulrich
Behrens
Diese
Kritik ist zuerst erschienen bei:
P.S.
„Querelle” ist im deutschsprachigen Raum leider nur noch als Gebraucht-DVD oder
-VHS zu bekommen (bei ebay und amazon z.B.). Für die von Arthaus vor etlichen
Jahren editierte VHS-Fassung in deutscher Sprache gilt das gleiche. Über
amazon in den USA oder Großbritannien können Liebhaber des Films
diesen als DVD in englischer Sprache beziehen.
(1)
Zitiert nach: Dieter Schidor: Rainer Werner Fassbinder dreht „Querelle – Ein
Pakt mit dem Teufel”, München 1982, S. 130, 136 f., 128.
(2)
„Ich kann mir die Welt des Jean Genet, also zwangsläufig auch die Beschäftigung
mit dieser Welt, nicht an Originalschauplätzen vorstellen, da jedwede Handlung,
die in dieser Welt geschieht, jede Geste, jeder Blick, immer anderes bedeutet,
immer wesentlich mehr und immer Größeres, meist Heiliges. Ich habe
mich daher [...] dafür entschieden, dass der Film ‚Jean Genet's Querelle’
in einer Art surrealistischen Landschaft gedreht wird, die sich aus spezifischen
Teilen und Signalen aller angesprochenen Motive zusammensetzt. In dieser Landschaft
stehen einige Projektionswände, die ermöglichen, durch Aufprojektionen
diese Kunstwelt mit Partikeln der Wirklichkeit ins Unendliche zu verlängern.
Ein ganz wesentlicher Aspekt [...] ist, dass in jeder Szene die Möglichkeit
besteht, jedwedes andere Motiv in etwa kontrapunktisch mit ins Bild zu bringen,
[...] ."
Rainer
Werner Fassbinder: Querelle Filmbuch, München 1982, S. 11.
(3)
Im Film eingeblendete Zwischentexte.
Querelle
– Ein Pakt mit dem Teufel
(Querelle)
Deutschland
1982, 106 Minuten
Regie:
Rainer Werner Fassbinder
Drehbuch:
Rainer Werner Fassbinder, Burkhard Driest, Kurt Raab, nach dem Roman „Querelle
de Brest” (1947) von Jean Genet
Musik:
Peer Raben
Director
of Photography: Xaver Schwarzenberger
Montage:
Juliane Lorenz, Rainer Werner Fassbinder
Produktionsdesign:
Rolf Zehetbauer
Darsteller:
Brad Davis (Querelle), Franco Nero (Lt. Seblon), Jeanne Moreau (Lysiane), Laurent
Malet (Roger), Hanno Pöschl (Robert / Gil), Günther Kaufmann (Nono),
Burkhard Driest (Mario), Dieter Schidor (Vic Rivette), Roger Fritz (Marcellin),
Neil Bell (Theo), Volker Spengler (Transvestit), Harry Baer (Armenier), Y Sa
Lo, Isolde Barth (zwei Mädchen), Natja Brunckhorst (Paulette), Karl Scheydt,
Gilles Gavois, Michael McLernon (drei Matrosen), Robert van Ackeren, Wolf Gremm,
Frank Ripploh (drei Soldaten), Werner Asam, Axel Bauer, Vitus Zeplichal, Karl-Heinz
von Hassel (vier Arbeiter), Hilmar Thate (Erzähler)
Internet
Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0084565
©
Ulrich Behrens 2005
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