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Rabid
– Der brüllende Tod
Cronenbergs
frühes Kinoschaffen reiht sich, ganz klar, noch in die lange Traditionslinie
des klassischen Exploitationkinos ein. RABID ist da keine Ausnahme: die Darstellerin
hat ihr Handwerk im Porno gelernt, T-Shirts sind dafür da, ausgezogen,
zumindest aber nassgespritzt zu werden, die Spielhandlung wird hölzern
dargeboten, ist in ihrer Ausformulierung vor allem der Lust am grellen Effekt
geschuldet und, natürlich, weitgehend hanebüchen. Für schöngeistige
Cineasten sicherlich kein erfreuliches Erlebnis, für denjenigen aber, der
es gerne auch mal wild mag, für den auch alte Midnite-Movies noch ihren
Reiz haben, ist dieser Film, wie nicht weniges aus der scheinbar unerschöpfbaren
Schatztruhe der Exploitation, ein kleines Fest.
Das
liegt zum einen natürlich an Cronenberg selbst, der, wie auch in seinen
anderen Filmen aus der Zeit, bevor er mit VIDEODROME auch
dem Feuilletonisten Servierbares abgeliefert hat, mit den Regularien klassischer
Horrorkost spielt wie kein zweiter, die gängigen Mythen, wenn auch immer
unter Gesichtspunkten ihrer Ausbeutbarkeit im Sinne der Sensation, in ein zeitgenössisches
Ambiente übersetzt. Dort gibt es natürlich keine Angst mehr vor alten
Aristokraten, die einem jüngst emanzipierten Bürgertum unter Umständen
desnächtens das Blut aussaugen, hier gibt es die Angst vor einer nur allzu
leichtfertig gehandhabten Wissenschaft: nach einer Hauttransplantation mutiert
die Achselhöhle von Rose zu einem, wer hätte es gedacht, natürlich
dornenbewehrten Zwitterding aus Vagina und Penis, mit dem sie in Momenten der
Apathie ihren Opfern das Blut anzapft. Diese Opfer wandern hernach als tollwütige,
nun ja, nennen wir sie mal so, "Zombies" durch die Stadt und sorgen
für Tod und Entsetzen. Binnen kürzester Zeit herrscht der Ausnahmezustand
in Toronto.
Eine
furchteinflößende Dystopie, die Cronenberg da geschaffen hat, durch
und durch pessimistisch entblättert er ein soziales System, das von innen
heraus, unrettbar, den Bach runter geht, im Chaos versinkt. Das klassische Böse
gibt es nicht mehr, Rose, die das Elend über die Stadt und, vermutlich,
auch über die Welt bringt, ist selbst nur Opfer, verzweifelt selbst ob
des Ausmaßes ihrer Triebtaten. Das stärkste Bild am Ende: in Zeitlupe
werfen seuchenschutzmaskierte Soldaten Rose' starren Leichnam in einen verdreckten
Müllwagen: Der Mensch, oder besser: was von ihm übrig bleibt, ist
nur noch Menschenmüll. Eindringlich. Gänsehaut.
Thomas
Groh
Diese
Kritik ist zuerst erschienen im:
Rabid
- Der brüllende Tod
RAGE
RABID
Der
Überfall der teuflischen Bestien
Kanada
- 1976 - 91 min.
Horrorfilm
FSK:
ab 18; nicht feiertagsfrei
Verleih:
Gloria (für Residenz)
Erstaufführung:
24.6.1977
Fd-Nummer:
20382
Produktionsfirma:
Cinepix-Dibar/New World
Produktion:
John Dunning
Regie:
David Cronenberg
Buch:
David Cronenberg
Kamera:
René Verzier
Musik:
Ivan Reitman
Schnitt:
Jean
Lafleur
Darsteller:
Marilyn
Chambers (Rose)
Joe
Silver (Murray Cypher)
Frank
Moore (Hart Read)
Patricia
Gage (Dr. Roxanne Keloid)
Susan
Roman (Mindy Kent)
J.
Roger Periard (Lloyd Walsh)
Howard
Ryshpan (Dr. Dan Keloid)
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