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Robocop
3
Das
ist einer von den Filmen, über die man entweder ziemlich wenig oder sehr
viel sagen muß. Ziemlich wenig, was die cineastischen Qualitäten
anbelangt: ein paar hübsche Montage-Einfälle, aber auch ein paar reichlich
vermurkste Anschlüsse; eine Dramaturgie, die in einzelnen Segmenten der
Handlung klappt, aber den großen Bogen nicht hinbekommt; Schauspieler,
die immer ein bißchen zum Überspielen neigen, weil ihnen der Regisseur
offensichtlich nicht sagen konnte, wieviel Realismus, Parodie oder B-Movie-Heroismus
er eigentlich anstrebte; Special Effects, die ihr Maß nicht finden - das
eine Mal sind sie ganz in Ordnung, das andere Mal wäre an die goldene Regel
zu erinnern, daß es besser ist, auf Spezialeffekte zu verzichten, als
sie schlecht und billig zu machen (es sei denn, man mache sich mit schlechten
und billigen Spezialeffekten einen Scherz); eine Architektur, die immer glaubhaft
sein will, und trotzdem zum Parodistischen verurteilt ist. Und so weiter. Einer
jener SF-Actionfilme, die nicht wirklich gut und nicht wirklich schlecht sind,
Plünderkino, das sich aus den berühmten Vorbildern bedenkenlos bedient,
aber seiner eigenen Plünderungsästhetik ziemlich ratlos gegenübersteht.
Ziemlich
viel indes müßte gesagt werden über die seltsamen politischen,
philosophischen und psychologischen Diskurs-Fragmente, die in einem Film spuken,
der weder die mythologische Geschlossenheit der TERMINATOR-Serie,
noch den kalten, schwarzen Zynismus des ersten ROBOCOP-Films
von Paul Verhoeven erreicht, aber vielleicht gerade in seiner Unbeholfenheit,
in seinem Taumeln zwischen Naivität und Selbstreflexion Aufschluß
gibt über den Stand der Dinge in der Zivilisationsgeschichte.
Bevor
also die erste Doktorarbeit über die ROBOCOP-Serie erscheint, nur ein kleiner
Zwischenbescheid. Die Geschichte, sie wurde von Frank Miller verfaßt,
einem durchaus kompetenten und gelegentlich vom Hauch der Genialität gestreiften
Autor von Comic-Szenarios (wir erinnern uns daran, daß er „Batman"
neuen Glanz verlieh), beginnt damit, daß ein japanischer Konzern Detroit
aufkaufen will, um dort das übliche Konsumparadies zu eröffnen. Eine
sinistre paramilitärische Truppe unter einem skrupellosen und machthungrigen
Führer, der direkt mit den Japanern arbeitet, wird eingesetzt. um die Menschen,
die dort leben - sie leben schlecht dort, aber sie leben immerhin - zu evakuieren.
Japaner
sind die Bösen dieses Films, aber Japanerin (vermutlich) ist auch die Mutter
der kleinen Heldin. Diese wird von ihren Eltern getrennt, und später, als
der defekte und dann reparierte Robocop sie so sanft im Schoß hat, erfahren
wir, daß auch sie getötet wurde. Sie ist ein Computer-Kid und schafft
es immer wieder, durch ihr Können dem Geschehen eine eigene Wendung zu
geben. Schwarz ist einer der Hauptschurken des Stückes, aber schwarz ist
auch jener aufrechte Polizist, der sich mit seinen Männern gegen den Terror
wendet. Es gibt eine gute Widerstandsgruppe, angeführt von einer schwarzen
Frau, und es gibt eine böse Widerstandsgruppe, Punks, Riot Girls, Abschaum.
Am Ende bewaffnen die bösen Militaristen die bösen Punks; nur der
mittlerweile gar flugfähige Robocop kann verhindern, daß ein entsetzliches
Massaker unter der Zivilbevölkerung angerichtet wird.
Die
Story? Also ein Robocop, jener aus Mensch und Maschine zusammengesetzte Mechanismus
zur Bekämpfung des Bösen soll im Dienste dieser japanisch- superkapitalistischen
Invasion zur Waffe gegen die Menschen werden, die sich ihr Zuhause nicht rauben
lassen wollen; zu diesem Zweck soll seine„ Menschlichkeit" abgeschaltet
werden, aber nachdem eine Wissenschaftlerin sich verweigert und eine Polizistin
neben ihr gestorben ist, schließt er sich, einigermaßen defekt,
den Rebellen an. Er muß noch eine Art Samurai-Cyborg aus Japan besiegen,
bevor er der Retter aller Einwohner von Detroit wird. Aber dabei ist er auch
so etwas wie eine mythische Verlängerung des kleinen Mädchens, der
Nachfahr von Flipper und Fury, eine Maschine. Man hat das vielleicht nicht so
intendiert, aber in ROBOCOP 3 erfahren wir sehr genau, daß für eine
denkbare Gesellschaft eine defekte Maschine anrührender ist als ein toter
Mensch.
„I
want to be a machine", sang John Foxx, als er noch in einer Gruppe war,
die sich, lange vor Grunge und Kurt Cobains paradigmatischem Tod als „Generation
X" bezeichnete. Von dieser Sehnsucht handeln Filme wie ROBOCOP 3, von einer
neuen Symbiose zwischen Kind und Maschine, von der Geborgenheit in Datennetzen
und der Mütter- und Väterlichkeit der Maschinen, vom Grauen der Wirklichkeit
und vom Verrat des Menschlichen. Aber sie handeln, das ist das Teuflische daran,
auch von Menschen, die nur durch Ideologie überleben, die sich gleichsam
nur für ihre ideologische Neuerfindung opfern müssen, und sie handeln
davon, wie das Gut-Böse-Schema selbst schon maschinell erzeugt wird.
Feindbilder werden seriell geschaffen; die guten Leute aus den Armenvierteln und ihre guten Polizisten rehabilitieren sich durch das von außen kommende Böse. Die brutale Militärmaschine im Dienste japanischer Usurpation trägt deutliche Züge des deutschen Faschismus: Ihre Anführer erscheinen wie aus dem Bilderbuch der Nazi-Schergen, und die Räumung der Stadt erinnert fatal an die Räumung des Gettos in Spielbergs SCHINDLERS LISTE. Übermalungen und Verwerfungen bestimmen ein Angst-Bild, das selbst nicht weiß, wie ernst es gemeint sein soll. ROBOCOP 3 wirkt wie verfilmter Datenschrott aus den Netzwerken des universalen Bilderflusses.
Georg
Seeßlen
Diese
Kritik ist zuerst erschienen in:
ROBOCOP3
ROBOCOP
3
USA
1993. R:
Fred Dekker. B: Frank Miller, Fred Dekker. P:
Patrick Crowley. K: Gary B. Kibbe. Sch:
Bert Lovitt. M:
Basil Poledouris. T: Kirk Francis. A:
Hilda Stark, Cate Bangs. Sp: Jeff Jarvis, Rob Bottin. Ko:
Ha Nguyen. Pg:
Orion Pictures. V:
Columbia. L: 104 Min. FSK: 16, nffr. St: 5.5.1994. D: Robert John Burke (Robocop),
Nancy Allen (Anne Lewis), Rip Torn (Ceo), John Castle (McDaggett), Jill Hennessy
(Dr. Marie Lazarus), CCH Pounder (Bertha), Mako (Kanemitsu), Robert Doqui (Reed),
Renny Ryan (Nikko).
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