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Sakikos geheimer Schatz

 

15 Jahre ist es jetzt auch schon her, da outete sich Madonna als „Material Girl". Die Japaner, wir wissen es, können fast alles besser. Sie haben sogar virtuelle Popstars. Und gegen die Heldin dieses japanisches Films ist Madonna eine idealistische Träumerin. Sakiko Suzuki ist kein Popstar, sondern Bankangestellte. Sie selbst (gespielt von dem japanischen Model Naomi Nishida!), beschreibt sich in der Off-Erzählung als unscheinbares, ob mangelnder weiblicher Ausstrahlung verlachtes Ding. Ganz mag man ihr das nicht glauben. Trotzdem ist die Flucht in die Sachwerte hier allzu offensichtlich. Sakiko ist ein weiblicher Dagobert Duck, eine, die die Auszahlung der Zeche in bar einer Einladung zum Kaffeetrinken vorzieht. Hobbies: Geldzählen. Hinter dem Schalter darf sie das hauptberuflich tun. Doch fremdes Geld zählen, merkt Sakiko bald, macht nicht glücklich. Und so wedelt sie sich traurig mit einem Fächer überdimensionierter Yen-Scheine Luft zu und träumt sich als tragisches Opfer einer Geiselnahme.

 

Kaum geträumt, wird die auch schon Wirklichkeit, und Sakiko landet erst im Kofferraum des Fluchtwagens und dann, nachdem dieser mitsamt Gangstern vom Boden abhebt, in einem einsamen Kratersee mitten in der Wildnis. Dort, auf dem Seegrund, muß auch der gelbe Koffer mit der Beute liegen, die, wie Sakiko aus dem Fernsehen erfährt, noch nicht sichergestellt wurde. 500 Millionen Yen! Sakiko hat wieder ein Lebensziel. Und jede Menge Energie. Bravourös absolviert sie ein Geologiestudium, sammelt Schwimm- und Bergsteigtrophäen, und das nur, um dem Koffer mit den vielen Yen ein bißchen näher zu kommen. Die naheliegende Deutung dieser Groteske als Zerrspiegel herrschenden Karrieregebarens kann den Reiz dieses Films nicht einmal im Ansatz erklären. So blöde das japanische Girlie auch herumgrimassiert, so demonstriert ihre überdrehte Bockigkeit doch die einzig erträgliche Lebenshaltung zwischen all den Spießern in diesem Film. Der 1967 geborene Regisseur Shinobu Yaguchi, dessen Spielfilmdebüt HADASHI NO PICNIC (Down the Drain, 1992) auch schon um eine Mädchenfigur kreiste, sympathisiert mit seiner verrückten Heldin. Dabei überläßt er die Erzählung ihrem fantastisch freien Lauf, um sie dann doch immer wieder satirisch im Realen zu gründen.

 

Am schönsten aber ist, wie hier erzählt wird: in einer ökonomisch kalkulierten Bildsprache fast ohne Fahrten und Schwenks irgendwo zwischen Tableau und Comic, Ozu und Slapstick. Da wird eine Fahrradfahrt zur Sex-Metapher, ohne daß ein einziges einschlägiges Symbol bemüht würde. Da wird eine Reise nach Australien samt Besteigung des Ayers Rock und darauffolgender Presserezeption in nur fünf Einstellungen erzählt. Yaguchi zeigt uns, wie Kino funktioniert: durch grobe Täuschung und das Ausnutzen unserer Sehnsucht nach Kohärenz. Einmal bastelt sich Sakiko aus Miniabzügen der Banküberwachungskamera ein kleines Daumenkino. Richtig kombiniert, fangen die Bilder an zu sprechen. Zusammengebastelt im besten Sinne ist auch dieser Film.

 

Silvia Hallensleben

 

Diese Kritik ist zuerst erschienen in:  epd film

 

Sakikos geheimer Schatz

HIMITSU NO HANAZONO

Japan 1997. R: Shinohu Yaguchi. B: Shinohu Yaguchi, Takuji Suzuki. P: Hideyuki Takai, Hiroshi Yanai. K: Masahiro Kishimoto. Sch: Miho Yonedo. M: Kuniaki Yagura. T: Nohoru Ikeda. Pg: Toho Co./Pia Corp. V: Salzgeber. L: 83 Min. DEA: Berlinale 1997. St: 28.11999. D: Naomi Nishida (Sakiko), Go Riju (Edogawa), Taketoshi Naito (Professor Morita).

 

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