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Scary
Movie
Heftige Parodie auf Scream und Konsorten, dem überbordenden Zucker-Brüder-Stil
nicht unähnlich: Ohne Rücksicht auf Geschmacksgrenzen und Verluste.
Kritik
Die am schwierigsten zu beschreibenden Filme sind
weder unzugängliche Kunstfilme noch kompliziertere Unterhaltungsware -
die am schwierigsten zu beschreibenden Filme sind eigentlich die überdrehte
Art von Parodie, die zuallererst mit den Filmen der Zucker-Brüder (etwa
die Nackte
Kanone und Hot
Shots-Reihen) in Verbindung gebracht
wird. Hier gibt es nur noch die Rudimente einer Handlung, aufgefädelt an
einer Endlosserie von Gags, die zwischen völliger Verblödung und durchgeknallten
Parodien schwanken. Die besten Scherze davon zu verraten, wäre ein Vergehen
am Leser und einen anderen Hintergrund als den, pures Lachen zu erzeugen, gibt
es nicht: Zu sprunghaft wechseln die Bezugspunkte und Methoden von Szene zu
Szene, als das man hier ein anderes Weltbild als das der Komik um jeden Preis
behaupten könnte.
Jetzt kommt Scary
Movie, die längst fällige
Parodie des eintönig gewordenen postmodernen Slasher-Films, der mit Ausnahme
der impulsgebenden Scream-Filme (und bis zu einem gewissen Grad der auch jetzt
zu uns kommende Final
Destination) zum völlig
einfallslosen Flickwerk verkommen ist. Das liegt nahe - und tatsächlich
entstand diese Komödie, die letztendlich den Arbeitstitel des ersten Scream
trägt, aus der Verbindung zweier Drehbücher, deren jeweilige Titel:
"Last Summer I Screamed Because Halloween Fell On Friday The 13th"
und "Scream If You Know What I Did Last Halloween" bereits das Lächerlichkeitspotential
der Nachfolgewelle ausschlachteten. Keenen Ivory Wayans, Regisseur von Parodien
wie I´m Gonna Git You Sucka und der Fernsehserie In
Living Color, die angeblich mit der
völligen ironischen Überzeichnung schwarzer Stereotypen (die auch
hier vertreten ist) war Co-Autor des erstgenannten Buchs und übernahm auch
die Regie.
Und die folgt dem altvertrauten Prinzip, einfach
im Nonstoptempo Gags auf den Zuschauer zu werfen, so dass das Dauerfeuer die
schwächeren Scherze ausgleicht. Dies ist nicht nur angesichts dessen nötig,
dass der Urvater des Genres schon selbstparodistische Züge trug (Kann man
eine Parodie parodieren? Die Frage spaltet seit Casino
Royale die Gemüter.), sondern
auch weil die Qualität der Witze notwendigerweise unausgeglichen ist. Und
so bleibt es dem individuellen Geschmack überlassen, wie man damit umgeht,
dass der unfähige Mörder beim ersten Stich nur das Brustimplantat
des Opfers (Carmen Electra) herausholt oder dass aus der Wunde eines angeschossenen
Dauerkiffers Rauch aufsteigt. Das sind nur zwei Beispiele für den Witz
des Films, der irrsinnig changiert und kein leichtes Ziel im Vorübergehen
auslässt - neben den Slasherfilmen müssen auch so unterschiedliche
Werke wie Sixth
Sense, Matrix - und in einer ganz hinreissenden Parodie Amistad plus Titanic dran glauben.
Es geht also drunter und drüber, und dadurch
gelingt es dem Film seine Leerläufe (gelegentlich bleibt die Trefferquote
unter den Scherzen doch etwas niedrig) durch absolut überdrehte Momente
wettzumachen (herausragend ist Shannon Elizabeths Parodie des notorischen Garagentürsequenzvorspiels
aus dem ersten Scream-Film). In einem schwachen amerikanischen Komödienjahr
ist dieser Film der erste Lichtblick in den Kinos seit South
Park (mit dem er sich aber bei weitem
nicht messen kann) - und konsequenterweise führt er den postmodernen Humor
des Slasherfilms mit der Ausgelassenheit der jüngeren Wiedererkennungswertparodien
(zumeist um Leslie Nielsen) sowie den rüden Witzen jüngerer Hits wie
Verrückt nach Mary und American
Pie zusammen. Kein Wunder, dass er
in den USA abging wie eine Rakete: Die derzeitige Komödie findet in Scary Movie
den kleinsten gemeinsamen Nenner - gottseidank erweist sich der dennoch als
hochgradig unterhaltsam. Ein Besuch in der B.A. Corpse-Highschool (man hat auch
den alten Zucker-Gag übernommen, den Hintergrund mit Wortspielen zuzupflastern
- genau schauen wird belohnt) lohnt sich.
Fazit: Nicht durchgehend hervorragende, aber längst
überfällige Parodie der jüngeren Horrofilme, die schwächere
Szenen mit überdrehtem Dauerfeuer wettmacht.
Christoph Huber
Dieser Text ist zuerst erschienen
bei www.allesfilm.com
Scary
Movie
(Scary
Movie, USA 2000)
Dt.Start:
05. Oktober 2000; Premiere: 07. Juli 2000 (USA)
Länge:
88 min
Regie:
Keenen Ivory Wayans
Drehbuch:
Shawn Wayans, Marlon Wayans
Darsteller:
Shawn Wayans (Ray), Marlon Wayans (Shorty), Anna Faris (Cindy Campbell), Cheri
Oteri (Gail Hailstorm), Shannon Elizabeth (Buffy), Jon Abrahams (Bobby), Lochlyn
Munro (Greg), Regina Hall (Brenda), Dave Sheridan (Doofy), Dan Joffre (Kenny),
Carmen Electra (Drew Decker), Kurt Fuller (Sheriff), David L. Lander (Principal
Squiggman), Frank B. Moore (Nicht Drews Freund)
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