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Schrei
der Eule
Vorsicht
vor diesen Männern
Es
knistert im Gebälk, etwas später auch im Garten. Dann knistert das
Feuer, und es ist beinahe Liebe auf den ersten Blick, das heißt, es ist
Liebe, aber leider nur einseitig. Robert (Christophe Malavoy) sieht zwar gut
aus (man muss allerdings ein bisschen abstrahieren, der Anzug stammt aus den
80ern, überhaupt, diese schlimmen Klamotten, die einem dieser Film und
ein bestimmter historischer Geschmack zumuten), aber er ist psychisch schwer
angeschlagen. Ein Dauerschatten liegt auf seinem sympathischen, immer melancholischen,
manchmal auch gequälten Gesicht.
Bekanntlich
schreckt das Frauen gar nicht ab. Das weiß Robert auch, und deshalb sagt
er der etwas naiven Juliette (Mathilda May), in deren Garten er sich immer mal
wieder bei Dunkelheit rumtreibt und deren bloße Beobachtung ihn wunderbar
beruhigt, dass sie sich bloß nicht in ihn verlieben solle, er sei ein
schwieriger Mensch und gar nicht darauf aus, neue Bekanntschaften zu machen.
Außerdem sei er gerade dabei, sich von seiner Frau zu trennen. Die beiden
lernen sich trotzdem kennen, obwohl Juliette mit ihrem Freund Patrick zusammenwohnt,
den sie in Kürze heiraten will. Aber dieser Robert hat etwas, was Juliette
nicht loslässt. Ziemlich bald teilt sie Robert mit, dass sie nicht mehr
daran denkt, Patrick zu heiraten.
Diese
Entscheidung ist so desaströs wie der Anblick der Siedlung, in der Robert
übergangsweise Wohnung bezogen hat, nachdem er Paris und seine Frau verlassen
hat. Eine filmische Einstellung, ähnlich unheimlich wie die einzige bedrohliche
Situation aus David Lynchs Film über diesen Alten, der seinen Bruder besuchen
will und während der Fahrt auf dem Rasenmäher einmal an so einem riesigen
Silo vorbeikommt (The
Straight Story).
Patrick kann die Entscheidung nicht akzeptieren, er kämpft um Juliette
und fordert Robert heraus.
In
dem Moment, in dem der Kommissar auftaucht und das Ganze etwas Krimimäßiges
bekommt (na ja, ist ja auch nach Patricia Highsmith), fällt das Niveau
ab (die Sache mit dem Toten im Wasser). Oder aber Chabrol wollte gerade zeigen,
dass da ein im Grunde ganz Unschuldiger, der etwas ins Rollen gebracht hat,
alles Weitere aber überhaupt nicht mehr kontrollieren kann und will, von
einer unerbittlichen polizeilichen Erkennungsmelodie überzogen wird, die
vom Verhalten der anderen Beteiligten, vor allem von Patrick, der untertaucht,
so verstärkt wird, dass die Hilflosigkeit Roberts beinah etwas Märtyrerhaftes
bekommt, das durch den Selbstmord Juliettes noch weiter getrieben wird. Nicht
umsonst bekommt Robert Prügel wie einst der Heilige Sebastian (die Pfeile
sind durch Kugeln ausgetauscht). Ziemlich kolportagemäßig – aber
so ist sie ja oft, die Wirklichkeit – kommt dann noch Roberts Frau ins Spiel,
die sofort mit Patrick anbändelt, diesen bei seinem Amoklauf gegen Robert
unterstützt und ihn, böse, wie nur Frauen seien können, auf einen
gemeinsamen Rachefeldzug gegen Robert einlädt. Die Erinye und ihr Kompagnon
laufen allerdings ins offene Messer, das sie sich selbst hinhalten. Und Robert
kann nur noch fassungslos betrachten, was er mit seinem Voyeurismus im niemals
ganz unschuldigen Garten angestellt hat. Der depressive Zauberlehrling. Diagnose:
unheilbar.
Dieter
Wenk
Dieser
Text ist zuerst erschienen bei:
Schrei
der Eule
LE
CRI DU HIBOU
Claude
Chabrol - Der Schrei der Eule
Frankreich
- 1987 - 108 min. - Literaturverfilmung, Drama - FSK: ab 12; feiertagsfrei -
Verleih: Delta, Warner Home (Video) - Erstaufführung: 3.3.1988/25.10.1988
Video - Fd-Nummer: 26699 - Produktionsfirma:
Italfrance/CI.VI.TE.CA.SA-Films
Produktion:
Antonio Passalia
Regie:
Claude Chabrol
Buch:
Claude Chabrol, Odile Barski
Vorlage:
nach einem Roman von Patricia Highsmith
Kamera:
Jean Rabier
Musik:
Matthieu Chabrol
Schnitt:
Monique Fardoulis
Darsteller:
Christophe
Malavoy (Robert)
Mathilda
May (Juliette)
Virginie
Thévenet (Véronique)
Jacques
Penot (Patrick)
Jean-Pierre
Kalfon (Kommissar)
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