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Schwer
verliebt
Erst lachen, dann
lieben
Die innere Schönheit suchen: In jeder von
uns steckt eine Gwyneth Paltrow. Auch wenn Männer sie erst unter Einfluss
von Hypnose erkennen können, wie in "Schwer verliebt" von den
Farrelly Brothers
Der Humor von Bobby und Peter Farrelly ist nicht
wirklich lustig. Er fällt vielmehr als Retardierung sozialer Verhaltenskonventionen
mit der Tür ins Haus. Daraus haben ihre bisherigen Filme wie "Dumm und Dümmer" oder "Verrückt nach Mary" nie
einen Hehl gemacht. Wenn es furzte und ausfloss, war Frohsinn angesagt. Die
denunziatorische Raserei gegenüber allem körperlich und mental Benachteiligten
ist ihre Methode der Abgrenzung.
Seltsam moralische Untertöne brechen das gefestigte
Bild über die Filme der Farrelly-Brüder allerdings; in ihrem brachialen
Abgesang auf die Wertegemeinschaft wirken diese Untertöne wie vage Selbstvergewisserungsaffekte.
Der Farrelly-Humor des Weg- beziehungsweise Auslassens - das Überspitzen
einer Situation bis zum szenischen Kollaps, das Überspielen der Pointe
mit grellen Effekten, die Sinn und Ordnung schlicht wegblasen - schafft so nur
eine Gag-Option, auf die man sich einlassen kann, aber nicht muss. Mit dieser
Ambivalenz haben sich ihre Filme meistens clever arrangiert, zumal in der Grobschlächtigkeit
am Rande auch oft von der Diffizilität sozialer Verhältnisse erzählt
wird. Könnte man zumindest so sehen. Eigentlich ist es aber wohl doch nur
Sinntötung auf halbwegs selbstreflexivem Niveau.
Wie verändert sich die Wahrnehmung dieses prekären
Humors ohne Wertekanon aber, wenn er unter melodramatischen Vorsätzen zurechtgestutzt
wird? Wenn, wie in ihrem neuen Film "Schwer verliebt", aus dem burlesken
Holzhammer eine veritable Moralkeule wird? In "Schwer verliebt" zeigt
sich die ganze Schizophrenie der Farrelly-Filme, die letztlich doch wieder die
zum Helden machen (müssen), deren Deformationen vorher anderthalb Stunden
lang vorgeführt wurden.
Es ist nur konsequent, dass sich dieses schizophrene
Potenzial im Objektiv der Kamera doppelt. Schon in ihrem letzten Film "Ich,
beide und sie" doppelte es sich im Kopf von Jim Carrey. Hal, ein nicht
sehr ansehnlicher Angestellter mit höchsten Ansprüchen an die Beschaffenheit
des weiblichen Geschlechts, lernt nach einer Hypnosebehandlung durch den Fernsehguru
Tony Robbins, die innere Schönheit seiner Mitmenschen zu erkennen: Er verliebt
sich in die 150 Kilo schwere Rosemary, die für ihn allerdings wie Gwyneth
Paltrow aussieht. Der Film verrät diese Pointe notwendigerweise sehr schnell,
denn sein ganzer Humor funktioniert über diesen schizophrenen Blick.
Dass der Film seiner Prämisse nicht so recht
glauben kann, wird zu einem echten Problem in der Farrelly-Logik. Über
die Hässlichen darf in "Schwer verliebt" schließlich schamlos
gelacht werden, weil sie charakterliche Krüppel sind. Derweil muss Gwyneth
Paltrow trotz 300 Pfund Reingewicht Gwyneth Paltrow bleiben, um als Identifikationsfigur
dienen zu können. An dieser moralischen Kehrtwende entblößt
sich endlich also die Doppelmoral der Farrelly-Filme. Dass wir das dann auch
noch lustig finden können, ist unser ganz persönliches Problem.
Andreas Busche
Dieser Text ist
zuerst erschienen in der taz vom 15.2.2002
Schwer
verliebt
USA
2001 - Originaltitel: Shallow Hal - Regie: Bobby Farrelly, Peter Farrelly -
Darsteller: Gwyneth Paltrow, Jack Black, Jason Alexander, Rene Kirby, Susan
Ward, Joe Viterelli, Jill Fitzgerald, Anthony J. Robbins, - FSK: ab 6 - Länge:
113 min. - Start: 14.2.2002
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