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Shaolin Kickers

 

Treten und kneten

 

Ein Film vom Rande der bewohnten Welt, aus dem terrain vague der öden staubigen Vorort-Bolzplätze, wo krumme Stangentore sich hochrappeln und im Hintergrund triste Mietskasernen den Blick versperren.

 

Man kennt diese Welt, aus Filmen von Kurosawa zum Beispiel, in den Fünfzigern, oder von Pasolini, in den Sechzigern. Eine Welt ohne Gegenwart, in der nur manchmal ein wenig von der Zukunft aufblitzen mag, der Erfolg, die Anerkennung, das Glück. Die Hoffnung auf Erlösung, die im Kung-Fu-Genre die Helden prägt, hat der verbitterte Fung irgendwie schon aufgegeben, ein ehemaliger Fußball-Superstar, als Golden Leg gefeiert. Dann kam sein Sündenfall, Bestechung, er hat für seine Mannschaft einen Elfer verschossen, das entscheidende Spiel sabotiert.

 

Das war der Abstieg, das Bein wurde zertrümmert, die Karriere zerstört, nun fristet er ein Leben als Clochard. Erlösung kommt ihm stellvertretend, durch Sing, den jungen Shaolin-Kämpfer, verkörpert vom Regisseur Stephen Chow selber. Er sieht seine Kunst verkümmert, sucht eine Chance zur Wiederbelebung. Das Shaolin nicht als Kampfsport, sondern als eine Kunst für den menschlichen Alltag, für den Umgang mit Bananenschalen auf dem Bürgersteig zum Beispiel, oder für schier unlösbare Einparkprobleme. Es kommt zur Kombination der Kick-Sportarten, die Shaolin fangen das Bolzen an und finden ihre Herausforderung im Kampf gegen die Kerle vom Evil Soccer Team und ihrem feuerspeienden Superdrachen.

 

Es gibt keinen Wiederaufbau am Ende dieses Films wie im „Wunder von Bern“, und statt sich einer übergreifenden Ideologie zu verschreiben, lässt Stephen Chow seinen Film kaleidoskopartig in bunte Facetten splittern. Überdrehte Saltos sind immer Sprünge in der Handlung, Sprünge in der Zeit. Im asiatischen Kino hat die klassische Dramaturgie, die Entwicklung von Persönlichkeit nie viel bedeutet, liebend gern werden hier alberne Computergags dazwischengezwängt. Eine Folge von Konzentration und Entspannung, so kunstvoll, dass manchmal die Zeit selbst stillzustehen scheint.

 

Der Film war ein sagenhafter Erfolg beim fernöstlichen Publikum für den jungen Stephen Chow, auf DVD und in den Kinos. Für die Westauswertung hat der rührige Miramax-Verleih allerdings eine Fassung erstellt, die fast eine halbe Stunde kürzer ist – Kampfsportkino unterliegt nicht den Bestimmungen des Autorenschutzes. Aber immer noch ist der Wirbel kräftig genug, diese Szenen, die spiralenhaft in sich kreisen. Unter den Helfern, die Sing beistehen werden, ist auch die Brotbäckerin Mui, die traumwandlerisch mit ihrem Teig hantiert. Sie gibt ihm Formen, die im Entstehen schon wieder entschwunden sind. Die Masse macht’s.

 

Fritz Göttler

 

Diese Kritik ist zuerst erschienen in der: Süddeutschen Zeitung

 

Shaolin Kickers

SHAOLIN SOCCER/SIU LAM JUK KAU, Hongkong 2001 – Regie: Stephen Chow. Buch: Stephen Chow, Tsang Kan-cheung. Kamera: Kwen Pak-huen, Kwong Ting-wo. Musik: Raymond Wong. Mit: Stephen Chow, Vicky Zhao Wei, Ng Man-tat, Patrick Tse Yin, Karen Mok, Cecilia Cheung. Buena Vista, 88 Minuten.

 

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