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Das
Sichtbare und das Unsichtbare
„Das Sichtbare und das Unsichtbare": ein Künstlerfilm.
Der Künstler Marquard von Polheim (Guntram Brattia) kommt auf dem Motorrad
angebraust, betrunken sowie auch zu spät aus dann aber halt doch geldgeil-windelweicher
Generaldissidenz zur Lage der Dinge. Der Künstler trägt schwer an
seinem Künstlertum, er nimmt hochfahrend und leidend den sagenhaft dotierten
Preis, den man ihm nachwirft, entgegen. So beginnt, gleich neben dem Brandenburger
Tor, Rudolf Thomes jüngster Film und man muss sagen: Er erholt sich von
diesem schockschweren Klischeebeginn nur nach und nach ein bisschen, aber leider
alles in allem bis zum lachhaft-bitteren Ende nicht richtig.
Pferde malt des Künstlers Lebensgefährtin,
die Künstlerin Maria Döbereiner (Hannelore Elsner), sehr gut verkäuflich
sind die Bilder von Pferden, aber nicht preisgekrönt. Die Künstlerin
ist, anders als der Künstler, kein Genie, was man schon daran merkt, dass
sie sich auch gar nicht für eines hält. Der Künstler hat ein
Verhältnis mit einer Frau namens Angie (Stefanie Roße), mit der er
schläft, die er aber nicht liebt. Die Liebe seines Lebens nämlich
ist Maria Döbereiner, die, als Marquard verschwindet, aufhört, Pferde
zu malen. Nun soll es "Das Sichtbare und das Unsichtbare" sein. (Das
hat mit Maurice Merleau-Pontys gleichnamiger philosophischer Studie nicht ersichtlich
etwas zu tun.)
Eine doppelte Bewegung verfolgt eine schöne
Weile der Film und wo er das tut, sieht man ihn sehr gern. Zum einen verreist
der Künstler mit seiner Tochter Lucia (Anna Kubin), die mehr als nur Vaterliebe
mit ihm verbindet (das müsste wiederum nicht unbedingt sein), ans Meer.
Sie vereinbaren, die Zeit miteinander schweigend - wenn auch, man schreibt sich
Notizen, nicht wortlos - zu verbringen. Auch in dieser Idee steckt wohl eine
etwas dämliche Vorstellung vom Poetischen und Reinen, das Worte nur verderben,
aber dem Film selbst tut das Schweigen sehr gut. Hier nämlich, scheint
es, kommt Rudolf Thomes als Filmemacher des Unscheinbaren, des unvoreingenommenen
Hinsehens auf die Welt zu sich selbst.
In einer zweiten Bewegung verfolgt "Das Sichtbare
und das Unsichtbare" die auf nachdrückliches Vergessen des abwesenden
Künstlers sinnende Künstlerin. Und zwar in die Nähe erst, die
Arme dann des Philosophen und Pferdezüchters Gregor (Hansa Czypionka).
Auch hier stellt sich eine Ruhe ein, auch hier zeigt sich Thome in erster Linie
einfach nur geduldig und aufmerksam und das ist wiederum schön.
Wehe nur, dann aufs Ende zu sehen, bei dem Thome
seine Geschichte mitsamt Künstler übel wieder im Klischee ertränkt.
Es sei der unselige Ausgang darum an dieser Stelle auch beinah' verschwiegen.
Ekkehard Knörer
Dieser Text ist zuerst erschienen
in www.perlentaucher.de
Das
Sichtbare und das Unsichtbare
Deutschland 2007 - Regie: Rudolf Thome - Darsteller: Guntram Brattia, Hannelore Elsner, Anna Kubin, Hansa Czypionka, Stefanie Roße, Rufus Beck, Anne Lebinsky, Rebecca Rudolph, Michael Scherff, Katia Tchemberdji - FSK: ab 12 - Länge: 117 min. - Start: 6.12.2007
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