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Siegfried
Lustig
ist anders
Wenn
die Welt auf der Leinwand nur aus Doofen und Bekloppten besteht, ist dann der
Zuschauer automatisch als intelligent einzustufen, weil er die Doofen und Bekloppten
als doof und bekloppt begreift? Sind Deppenfernsehen und Fäkalkino die
letzte Instanz, um das angekratzte Selbstbewußtsein der Nation wenigstens
dadurch aufzumöbeln, daß der Durchschnitt plötzlich die fiktionalen
Helden zu überragen versteht? Was bloß will Tom Gerhardt uns damit
sagen, daß er den urdeutschen Sagenhelden Siegfried in dieser aus "Ballermann
6" und "Hausmeister Krause" altbekannten Proll-Imitation gibt?
Schlimmstensfalls gar nichts.
Schon
nach drei Minuten wird eine Figur schwallartig angekotzt, nur wenige Zeit später,
als der debile Siegfried einem Schwein auf die Hinterbacken küßt
(fragen Sie nicht), pfurzt es ihm orkangleich ins Gesicht, und erst als Siegfried
die gleiche Nummer bei Kriemhild durchzieht, trifft er endlich mitten ins Schwarze
- lustig ist anders. Und zwar deshalb, weil dem Film jegliche andere Ebene abgeht,
weil er in seiner Struktur als Nummernrevue rein gar nichts zu erzählen
hat und sämtliche Schauspieler als Karikaturen ihrer selbst offensichtlich
ihre Kinodrehtage mit TV-Serienaufnahmen verwechselt haben. Auch wenn uns das
Fernsehen hartnäckig vom Gegenteil überzeugen will: Komödie ist
und bleibt immer noch mehr als sich zu verkleiden, abseitige Dialekte zu sprechen,
während man Gesicht und Augen verzerrt, und Körperausscheidungen zu
filmen. Abgesehen davon, daß alle Figuren im rheinischen Singsang ihre
Texte aufsagen, hat der Film mit den "Nibelungen" so viel zu tun wie
Tom Gerhardt mit John Cleese. Daß hier keine Subtilitäten zu erwarten
waren, konnte man sich denken. Von diesem Stoff aber wurden derart gründlich
alle Ecken, Kanten und Vertiefungen abgeschliffen, daß der Film umgehend
als Brett dienen mag, um es der Zielgruppe nachhaltig vor die taube Rübe
zu nageln.
"Siegfried"
könnte das Kino sein, das sich Marktforscher wahrscheinlich erträumen.
"Uargh", um es mit Tom Gerhardt zu sagen.
Oliver
Baumgarten
Dieser
Text ist zuerst erschienen im:
Siegfried
Deutschland
2005 - Regie: Sven Unterwaldt - Darsteller: Tom Gerhardt, Dorkas Kiefer, Volker
Büdts, Axel Neumann, Jan Sosniok, Daniela Wutte, Michael Brandner, Mirko
Nontschew, Markus Maria Profitlich, Janine Kunze-Budach - FSK: ab 6 - Länge:
89 min. - Start: 28.7.2005
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