Signs - Zeichen
M. Night Shyamalan ist ein Alien und eine Bedrohung für die Erde.
Die enervierende Langsamkeit seiner Filme unterwandert unaufhörlich
die Hollywoodmaxime des faster, bigger, more. Als Mysterythriller
getarnt sind sie vielmehr Charakterstudien einsamer, gequälter
Seelen.
Gerne wird Shyamalan als Epigone des jungen Steven Spielberg
gesehen - insbesondere von ihm selbst - und auch Newsweek
proklamiert zum US-Kinostart von "Signs", in ihm "The Next
Spielberg" ausgemacht zu haben. In der Tat klingen in Shyamalans
jüngstem Film unzählige Motive aus Spielberg-Filmen der späten
70er, frühen 80er an, aus "Close Encounters", "E.T." oder
"Poltergeist". Ähnlich wie bei Spielberg rücken scheinbar
unscheinbare Menschen ins Zentrum seiner Geschichten, welche etwa
in der Hand eines Roland Emmerich zu bombastischen
Weltuntergangsspektakeln gerieten, sich hier aber ganz intim, in
eng begrenztem Raum entfalten.
Mysteriöse Kornkreise in den Feldern des ehemaligen Priesters
Gordon Hess sind in "Signs" die ersten Vorboten einer Invasion
Außerirdischer, wackelige Amateuraufnahmen im Fernsehen der
endgültige Beweis. Überhaupt gerät der Fernseher zunehmend zum
Mittelpunkt der Familie Hess - auch hier eine deutliche Referenz an
die Spielberg-Produktion "Poltergeist" - was die Nachrichtensender
zeigen dürfen und was sie auslassen, ist dabei ebenso entscheidend
wie das, was Shyamalan den Zuschauern in seiner elliptischen
Inszenierung vorenthält. Irgendwo dort nämlich, möglicherweise auf
dem Boden des Schneideraums, muß er die Fäden, die seine Geschichte
zusammenhalten sollen, liegengelassen haben. Trotz der
faszinierenden Idee, einen "Independence Day" von ganz unten zu
zeigen, weiß Shyamalan kaum mehr zu erzählen als eine mittelmäßige
"Twilight Zone"-Episode. Die Größe der Storylöcher übersteigt
zunehmend die der Kornkreise, welche als allenfalls
publicityträchtige Aufhänger - das Plakatmotiv ist schon geil -
bereits nach wenigen Minuten komplett fallengelassen werden, statt
dessen versucht sich Shyamalan ebenso permanent wie glücklos am
Aufbau von Spannungsbögen, denen unentwegt die Auflösung fehlt.
Wurde der clevere Plot Twist in "The Sixth Sense" noch genüßlich
übererklärt, damit auch die Kids in der letzten Reihe die geniale Konstruktion des Drehbuchs zu
würdigen wußten, liefert Shyamalan zu diesem, erbarmungswürdig
armseligen, Finale zugleich die bevorzugte Lesart des Films mit,
die sämtliche Pathosgrenzen sprengt und selbst das hanebüchene Ende
von "Unbreakable" noch toppt.
In den USA wurde "Signs" aufgrund seines angeblich ausgeprägten
Realismus von verschiedenen Seiten hochgelobt und Shyamalan
endgültig in den Schoß von Hollywoods Starregisseuren aufgenommen.
Nichtsdestotrotz: Don´t believe the hype! Nur weil Joaquin Phoenix
einem Alien mit dem Baseballschläger statt einer Laserkanone
entgegentritt, ist "Signs" kaum weniger unrealistisch als
"Independence Day" - nur weil Shyamalan deren Bildkompositionen
nachstellt, ist er kein zweiter Spielberg oder Kubrick. Vielmehr
ist sein Siegeszug der besorgniserregende Beweis, daß Hollywood in
einer tiefen Krise steckt, wenn Bildverweigerer wie Shyamalan als
Retter des Systems ausgerufen werden.
Möglicherweise sind wir nicht allein im Weltall. Auf der Erde aber
und in Shyamalans Filmen sind wir es ganz bestimmt.
Carsten Happe
Diese Kritik ist zuerst erschienen im:
Signs. USA 2002. R,B: M. Night Shyamalan. K: Tak
Fujimoto. S: Barbara Tulliver. M: James Newton
Howard. P: Blinding Edge. D: Mel Gibson, Joaquin
Phoenix, Rory Culkin, Abigail Breslin, Cherry
Jones, Patricia Kalember u.a. 106 Min. Buena Vista
ab 12.9.02